Mo, 12:39 Uhr
27.10.2008
Raps, Getreide, Milch, Borstenvieh
Wieder hatte die Vereinigung der Landsenioren zu ihrer traditionellen Mitgliederversammlung in den Saal von Ottos Steakhouse einen prominenten Gast eingeladen: Horst Kästner, Abteilungsleiter Pflanzenproduktion im Landwirtschaftsamt Bad Frankenhausen. Was der Mann den einstigen Fachleuten zu sagen hatte? Kurt Frank hat für die nnz genau zugehört.
Heutzutage seien die Landwirte, hob er hervor, besonders kluge Rechner und bestrebt, das zu produzieren, was in der Endbilanz die Kasse klingeln lässt. Nicht immer aber geht die Rechnung auf..
In der Bilanz des Jahres 2008 nimmt die Kartoffel das untere Ende der Statistik ein. Aus eigenem Anbau könnte die Bevölkerung des Landkreises nicht mehr versorgt werden. Mit 40 Hektar Anbaufläche – in der Goldenen Aue und Raum Bleicherode - ist in diesem Jahr nur eine klägliche Restfläche von einst über 1000 Hektar geblieben. Mohn und Erbsen gediehen auf 150, Zuckerrüben auf 328 Hektar. Im Schrumpfen begriffen sind auch die einst blühenden mit Klee und Luzerne bestellten Felder. Einschließlich Silomais waren es immerhin noch 2400 Hektar. Wie schon im Vorjahr dominierten Wintergetreide und Raps.
Auf 40000 Hektar beläuft sich im Landkreis die landwirtschaftliche Nutzfläche. 32000 ha nehmen die Bauern unter den Pflug. 21700 Hektar bestellten sie mit Getreide - 13500 mit Winterweizen und 5300 mit Wintergerste. Trotz unterschiedlicher Witterungsverhältnisse und Niederschläge wertete Kästner die Ernte insgesamt als gut. 65 bis 68 Dezitonnen je Hektar bei Winterweizen und 62 dt bei Wintergerste könnten sich sehen lassen. Nicht immer ist der Landwirt der Nutznießer. Die Preise bei Weizen, bedauerte Horst Kästner, hätten sich nicht wie erwartet entwickelt. Europaweit erweiterte man die Anbaufläche. Vor allem die Ukraine legte zu. Das Ergebnis überstieg den Verbrauch. Im Gefolge Turbulenzen und Preisverfall. Bis 30 Euro pro dt Weizen kassierte der Landwirt im Vorjahr. Um 40 Prozent fielen in den letzten vier Wochen die Preise, wusste Kästner. Aber nicht, ob es klug sei, Getreide einzulagern und die Durststrecke auszusitzen. Bei Raps ist mit 7500 Hektar die Obergrenze erreicht.
8000 Liter Milch pro Kuh und Jahr. Ein Spitzenwert im Landkreis. Die Portemonnaies der Produzenten platzen dennoch nicht aus den Nähten. Derzeit wieder um die 35 Cent pro Liter Milch decken die Kosten kaum. Trotzdem warf bislang im Südharz von den 14 Milchproduzenten noch keiner das Handtuch. Die Apex in Schiedungen gilt als der bedeutendste Betrieb. Van Asten in Nordhausen ist der größte Schweineproduzent. Schnupperkurse bietet das Unternehmen mit seinen 57000 Tieren in seinem Umfeld fast täglich. Kostenlos. Mit Borstenvieh beschäftigen sich außerdem unter anderem die Agrargenossenschaft Görsbach und der Betrieb Lothar Wagner & Söhne in Mörbach.
Prämien für stillgelegte Flächen. Um die Preise zu halten. Irrsinn, wo anderswo in der Welt Kinder an Unterernährung sterben. Tag für Tag. Immerhin lagen im Vorjahr auch im Landkreis noch 1100 Hektar brach. 620 in diesem Jahr sind noch zu viel. Die Prämien für sogenannte Energiepflanzen (Raps) sollen 2009 entfallen, und mit der Milch-Quotenregelung sei 2015 Schluss, blickte Horst Kästner voraus. Dennoch lohne es, Landwirt zu sein. Immerhin befinden sich derzeit im Landwirtschafts-Amtsbereich Bad Frankenhausen 45 junge Leute in der Ausbildung. 23 wollen Landwirt, 15 Tierwirt und neun Gärtner werden. In 18 von insgesamt 174 landwirtschaftlichen Unternehmen im Landkreis kann Nachwuchs ausgebildet werden.
Als Interessenvertreter der Landbevölkerung vor zwölf Jahren gegründet, gehören der Landsenioren-Vereinigung derzeit 145 Mitglieder an. Gepflegt wird ein reges gesellschaftliches Leben. Ein Blick auf den Veranstaltungsplan 2009, den Vorsitzender Herbert Weschke im Entwurf vorstellte, macht das deutlich. Mehrtagesfahrten (Insel Rügen/Mosel-Saar) sind ebenso enthalten wie Vorträge, Feierlichkeiten, Buchlesungen und Reiseberichte.
Kurt Frank
Autor: nnzHeutzutage seien die Landwirte, hob er hervor, besonders kluge Rechner und bestrebt, das zu produzieren, was in der Endbilanz die Kasse klingeln lässt. Nicht immer aber geht die Rechnung auf..
In der Bilanz des Jahres 2008 nimmt die Kartoffel das untere Ende der Statistik ein. Aus eigenem Anbau könnte die Bevölkerung des Landkreises nicht mehr versorgt werden. Mit 40 Hektar Anbaufläche – in der Goldenen Aue und Raum Bleicherode - ist in diesem Jahr nur eine klägliche Restfläche von einst über 1000 Hektar geblieben. Mohn und Erbsen gediehen auf 150, Zuckerrüben auf 328 Hektar. Im Schrumpfen begriffen sind auch die einst blühenden mit Klee und Luzerne bestellten Felder. Einschließlich Silomais waren es immerhin noch 2400 Hektar. Wie schon im Vorjahr dominierten Wintergetreide und Raps.
Auf 40000 Hektar beläuft sich im Landkreis die landwirtschaftliche Nutzfläche. 32000 ha nehmen die Bauern unter den Pflug. 21700 Hektar bestellten sie mit Getreide - 13500 mit Winterweizen und 5300 mit Wintergerste. Trotz unterschiedlicher Witterungsverhältnisse und Niederschläge wertete Kästner die Ernte insgesamt als gut. 65 bis 68 Dezitonnen je Hektar bei Winterweizen und 62 dt bei Wintergerste könnten sich sehen lassen. Nicht immer ist der Landwirt der Nutznießer. Die Preise bei Weizen, bedauerte Horst Kästner, hätten sich nicht wie erwartet entwickelt. Europaweit erweiterte man die Anbaufläche. Vor allem die Ukraine legte zu. Das Ergebnis überstieg den Verbrauch. Im Gefolge Turbulenzen und Preisverfall. Bis 30 Euro pro dt Weizen kassierte der Landwirt im Vorjahr. Um 40 Prozent fielen in den letzten vier Wochen die Preise, wusste Kästner. Aber nicht, ob es klug sei, Getreide einzulagern und die Durststrecke auszusitzen. Bei Raps ist mit 7500 Hektar die Obergrenze erreicht.
8000 Liter Milch pro Kuh und Jahr. Ein Spitzenwert im Landkreis. Die Portemonnaies der Produzenten platzen dennoch nicht aus den Nähten. Derzeit wieder um die 35 Cent pro Liter Milch decken die Kosten kaum. Trotzdem warf bislang im Südharz von den 14 Milchproduzenten noch keiner das Handtuch. Die Apex in Schiedungen gilt als der bedeutendste Betrieb. Van Asten in Nordhausen ist der größte Schweineproduzent. Schnupperkurse bietet das Unternehmen mit seinen 57000 Tieren in seinem Umfeld fast täglich. Kostenlos. Mit Borstenvieh beschäftigen sich außerdem unter anderem die Agrargenossenschaft Görsbach und der Betrieb Lothar Wagner & Söhne in Mörbach.
Prämien für stillgelegte Flächen. Um die Preise zu halten. Irrsinn, wo anderswo in der Welt Kinder an Unterernährung sterben. Tag für Tag. Immerhin lagen im Vorjahr auch im Landkreis noch 1100 Hektar brach. 620 in diesem Jahr sind noch zu viel. Die Prämien für sogenannte Energiepflanzen (Raps) sollen 2009 entfallen, und mit der Milch-Quotenregelung sei 2015 Schluss, blickte Horst Kästner voraus. Dennoch lohne es, Landwirt zu sein. Immerhin befinden sich derzeit im Landwirtschafts-Amtsbereich Bad Frankenhausen 45 junge Leute in der Ausbildung. 23 wollen Landwirt, 15 Tierwirt und neun Gärtner werden. In 18 von insgesamt 174 landwirtschaftlichen Unternehmen im Landkreis kann Nachwuchs ausgebildet werden.
Als Interessenvertreter der Landbevölkerung vor zwölf Jahren gegründet, gehören der Landsenioren-Vereinigung derzeit 145 Mitglieder an. Gepflegt wird ein reges gesellschaftliches Leben. Ein Blick auf den Veranstaltungsplan 2009, den Vorsitzender Herbert Weschke im Entwurf vorstellte, macht das deutlich. Mehrtagesfahrten (Insel Rügen/Mosel-Saar) sind ebenso enthalten wie Vorträge, Feierlichkeiten, Buchlesungen und Reiseberichte.
Kurt Frank

