Di, 13:20 Uhr
02.07.2002
nnz-Betrachtung: Eine, zwei oder drei?
Nordhausen (nnz). Der Nordhäuser Stadtrat hat sich gestern für die Variante 1 zur Weiterführung der Theater GmbH entschieden. Ist damit das letzte Wort für die Zukunft gesprochen. Dazu folgende Betrachtung.
Das ist ja wie in der Volkskammer, war nach der Abstimmung im Auditorium des Bürgersaals zu hören. Gemeint war damit die (fast) Einstimmigkeit der Abstimmung (siehe im nnz-Archiv). Die war aber nur das Resultat vorangegangener intensiver und manchmal auch hitziger Debatten in den Fraktionen und Ausschüssen. Wer da eine kontroverse Diskussion erwartet hatte, der sah sich getäuscht. Und das war auch gut so.
Vorgestellt wurden vor der Abstimmung mehrere Varianten. Eine hatte es dem Aufsichtsratsvorsitzenden der GmbH, Bürgermeister Klaus Wahlbuhl (SPD) besonders angetan. Die Nummer 3! Da sollte die jetzige GmbH in eine Orchester- und Schauspiel GmbH umgewandelt werden. Da sich Thüringen zu einem Theaterland mit einem Schauspieldefizit entwickeln werde, wie es auch der Ministerpräsident prophezeite, hätte eine große, mit rund 20 Akteuren ausgestattete Schauspielsparte durchaus die entstandene Lücke in Erfurt oder Eisenach füllen können. Die große Schauspieltruppe hätte durchaus auch ein ansprechendes Tourneeprogramm absolvieren können. Von Bad Langensalza über Heiligenstadt bis nach Goslar oder Sangerhausen wäre alles möglich gewesen. Diese Variante sei die finanziell günstigste Lösung, das Loh-Orchester könne als sogenanntes B-Orchester fortbestehen, das Schauspiel würde aufgestockt und der Weg für originelle Ideen wäre frei. Das Pferdefuß: Die Nummer 3 hätte den stärksten Verlust an Arbeitsplätzen mit sich gebracht und wäre zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht schwer zu vermitteln gewesen.
Warum aber haben sich die Stadträte für die 1 entschieden? Dieser Frage auf den Grund zu gehen scheint so schwierig, wie in das Innere von Kommunalpolitikern zu schauen. Welche Rolle wird das Land Thüringen spielen? Das wird sich - wohl oder übel und sollten alle vier Gesellschafter dem Nordhäuser Modell zustimmen - mit der beschlossenen Variante beschäftigen. Werden die Herren Langenfeld und Co. auch tun, doch sie werden die gesamte Theaterlandschaft des Freistaates gegenchecken. Und da soll es ja angeblich ein Schauspiel-Defizit geben? Was also soll eine Musiktheater- und Orchester GmbH im hohen Norden bewirken und welche Sympathien soll sie in Erfurt wecken?
Sollte das Erfurter Kunstministerium diese Frage in Richtung Nordhausen stellen, dann könnten die Macher der GmbH ja vielleicht die dritte Variante aus dem Hut zaubern. Geprüft werden soll sie sowieso. Wie gesagt, es ist schwierig, hinter die Fassade der Politik zu schauen. Interessant wird die Zeit auch nach dem 21. Juli allemal.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzDas ist ja wie in der Volkskammer, war nach der Abstimmung im Auditorium des Bürgersaals zu hören. Gemeint war damit die (fast) Einstimmigkeit der Abstimmung (siehe im nnz-Archiv). Die war aber nur das Resultat vorangegangener intensiver und manchmal auch hitziger Debatten in den Fraktionen und Ausschüssen. Wer da eine kontroverse Diskussion erwartet hatte, der sah sich getäuscht. Und das war auch gut so.
Vorgestellt wurden vor der Abstimmung mehrere Varianten. Eine hatte es dem Aufsichtsratsvorsitzenden der GmbH, Bürgermeister Klaus Wahlbuhl (SPD) besonders angetan. Die Nummer 3! Da sollte die jetzige GmbH in eine Orchester- und Schauspiel GmbH umgewandelt werden. Da sich Thüringen zu einem Theaterland mit einem Schauspieldefizit entwickeln werde, wie es auch der Ministerpräsident prophezeite, hätte eine große, mit rund 20 Akteuren ausgestattete Schauspielsparte durchaus die entstandene Lücke in Erfurt oder Eisenach füllen können. Die große Schauspieltruppe hätte durchaus auch ein ansprechendes Tourneeprogramm absolvieren können. Von Bad Langensalza über Heiligenstadt bis nach Goslar oder Sangerhausen wäre alles möglich gewesen. Diese Variante sei die finanziell günstigste Lösung, das Loh-Orchester könne als sogenanntes B-Orchester fortbestehen, das Schauspiel würde aufgestockt und der Weg für originelle Ideen wäre frei. Das Pferdefuß: Die Nummer 3 hätte den stärksten Verlust an Arbeitsplätzen mit sich gebracht und wäre zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht schwer zu vermitteln gewesen.
Warum aber haben sich die Stadträte für die 1 entschieden? Dieser Frage auf den Grund zu gehen scheint so schwierig, wie in das Innere von Kommunalpolitikern zu schauen. Welche Rolle wird das Land Thüringen spielen? Das wird sich - wohl oder übel und sollten alle vier Gesellschafter dem Nordhäuser Modell zustimmen - mit der beschlossenen Variante beschäftigen. Werden die Herren Langenfeld und Co. auch tun, doch sie werden die gesamte Theaterlandschaft des Freistaates gegenchecken. Und da soll es ja angeblich ein Schauspiel-Defizit geben? Was also soll eine Musiktheater- und Orchester GmbH im hohen Norden bewirken und welche Sympathien soll sie in Erfurt wecken?
Sollte das Erfurter Kunstministerium diese Frage in Richtung Nordhausen stellen, dann könnten die Macher der GmbH ja vielleicht die dritte Variante aus dem Hut zaubern. Geprüft werden soll sie sowieso. Wie gesagt, es ist schwierig, hinter die Fassade der Politik zu schauen. Interessant wird die Zeit auch nach dem 21. Juli allemal.
Peter-Stefan Greiner

