Sa, 13:53 Uhr
15.06.2002
nnz-Rückspiegel: 15. Juni 2001
Nordhausen (nnz). Können Sie sich noch erinnern, was vor einem Jahr in und um Nordhausen los war? Der Blick in den nnz-Rückspiegel hilft Ihnen da ein bisschen auf die Sprünge. Heute: Künstlerdorf, Drillinge, Wirbel um Bleicherode
Künstlerdorf mit neuem alten Schwung
Elf Jahre nach der Wende hat das bedrohte jetzige Künstlerdorf Friedrichsrode (Kyffhäuserkreis) nichts an Beschaulichkeit verloren. «Ende der 70er Jahre wollte hier am Ende der Welt niemand mehr leben», sagt Bürgermeisterin Maria Ende über die einst fast ausweglose Situation des Dorfes mit seinen damals 79 Einwohnern. Eine Zeitlang war sogar der Abriss im Gespräch.
Die studierte Formgestalterin Ende hat ihren Umzug von Halle nach Friedrichsrode der zu DDR-Zeiten üblichen Praxis zu verdanken, die Vermittlung von Hochschulabsolventen zu lenken. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Maler und Grafiker Reiner Ende, und einer Kommilitonin hat sie 1979 und 1980 den Grundstein für eine erstaunliche Entwicklung gelegt. Mittlerweile wohnen 103 Menschen in den übrig gebliebenen 45 Häusern der 300 Jahre alten Gemeinde. Leerstand gibt es nicht mehr - nur noch eine freie Bebauungsfläche. Richtig bekannt geworden ist die Gemeinde durch den alljährlichen Kunstmarkt, der vom Kunstverein «Hainleite» am dritten Samstag im Juni veranstaltet wird. Mehr als 80 Künstler aus ganz Deutschland wollen auch bei der elften Auflage an diesem Samstag wieder bis zu 10 000 Menschen anlocken. Für sieben Stunden öffnen sich Höfe, Scheunen und Künstlerateliers, füllen sich Straßen mit Verkaufsständen alles rund um den «Kunsthof». Nach der Wende wurde das frühere Forsthaus und spätere Gemeindeamt zu diesem Kunsthof umgebaut. Mehr als 2000 Kinder, Jugendliche, Familien und Gruppen kommen mittlerweile jährlich in die Fachwerkidylle mit selbstgebackenem Kuchen und Ferienlagerromantik. Die Neugier auf Kunsthandwerkliches wird in mehreren Töpfer- und Handarbeitswerkstätten befriedigt.
Parallel organisiert der Kunstverein Ausstellungen, Konzerte und Workshops. «Klingelpartie verboten», wird den Neuankömmlingen auf dem Kunsthof immer wieder eingeschärft - meist vergebens. Die Belehrung hat ihren Grund: Der Kunsthof sei nicht unumstritten im Ort - besonders unter einigen alteingesessenen Friedrichsrödern, erzählt die Bürgermeisterin. Dennoch sind die meisten Bewohner stolz auf die Bezeichnung «Künstlerdorf». Und in den vergangenen Jahren sind sogar junge Leute zurückgekommen oder neu hergezogen.
Das neue Künstlercafe, die Galerie «Kunst&Kram» sowie die Tätigkeit von Malern und Musikern rechtfertigen den Beinamen «Künstlerdorf». Da schauen die Einheimischen auch darüber hinweg, dass es im Ort seit zwei Jahren keine Kneipe mehr gibt, nur ein Linienbus pro Woche fährt und der rollende Supermarkt die einzige Einkaufsmöglichkeit im Ort ist.
WBG übergab ungewöhnliche Wohnung
Heute ist Karola und Uwe Rüdiger ihre neue Wohnung in der Pestalozzistraße 1 in Nordhausen übergeben worden. Nun sind Wohnungsübergaben heutzutage nichts Außergewöhnliches mehr. Wohl aber, wenn eine Familie Drillinge hat.
Im März wurden die Rüdiger-Drillinge geboren. Bereits damals überlegte die Familie, wie man sich künftig räumlich auf die neue Situation einstellen sollte. Kompetente Partner wurden dabei in der Wohnungsbaugenossenschaft Nordhausen (WBG) gefunden und es reifte der Gedanke, eine Wohnung in der Pestalozzistraße 1 großzügig umzubauen. Heute nun die Übergabe. Die 81 Quadratmeter große Vier-Raum-Wohnung erhielt einen völlig neuen Zuschnitt. Eine große Küche mit zwei Fenstern, zusätzlich einen Hauswirtschaftsraum sowie einen großzügig gestalteten Flur.
WBG-Vorstandsmitglied Harald Eisentraut überreichte nicht nur Blumen, sondern brachte auch noch ein besonderes Geschenk für die fünfköpfige Familie mit. Je Kind wird Familie Rüdiger einen Monat mietfrei die Wohnung nutzen können. Macht also drei Monatsmieten oder einen Wert von rund 2.000 Mark.
Derzeit wird in Pestalozzistraße nicht nur die Wohnung der Rüdigers saniert. Der gesamte Wohnungsstandort erhält eine Verschönerungskur. Komplexsanierung nennen das die Experten. Abgeschlossen wird die Sanierung der 80 Wohnungen voraussichtlich Ende September. Dann hat die WBG in diesen Standort rund 3,1 Millionen Mark investiert, je Wohnung sind das fast 40.000 Mark.
Für die Mieter werden sich dann die Wohnbedingungen entscheidend verbessern. Bleibt die Frage, ob die Pestalozzistraße mit ihren Schlaglöchern und dem gänzlich fehlenden Bedarf seitens der Stadt eine Aufwertung erfährt. Denn auch gegenüber dem WBG-Standort sind in den zurückliegenden Jahren die Wohnungen saniert worden. Der häßlichste Fleck ist sozusagen die Verbindung der beiden Standorte. Und dafür ist die Stadt Nordhausen zuständig. Für Autofahrer ist die Pestalozzistraße schon seit Jahren eine Zumutung.
Viel Wirbel um Monitor-Bericht
Ein Beitrag über Bleicherode, der gestern im ARD-Magazin Monitor ausgestrahlt wurde, hat in der Region viel Staub aufgewirbelt. Dabei geht es um das ehemalige Hotel Waldschlösschen, das zu einem Heim für autistische Kinder umgebaut wurde. Es kann aber nicht genutzt werden, weil eine Straße und die Stadt Bleicherode dem entgegensteht. nnz hat nachgefragt.
Wir in Bleicherode haben überhaupt nichts gegen Kinder, die an Autismus leiden, aber nicht an dieser Stelle, erklärt Bleicherodes Bürgermeister Dieter Kochbeck (CDU) gegenüber nnz. Die Stadt wollte und will nicht Baulastträger für die Straße zu ehemaligen Hotel sein, will nicht die Verantwortung übernehmen. Wenn es im Winter besonders dicke kommt, dann können weder Rettungsfahrzeuge noch die Feuerwehr das künftige Heim erreichen. Kochbeck zieht zur Begründung denn auch ein Gutachten heran, in dem die untere Verkehrsbehörde und das Amt für Brand- und Katastrophenschutz der Kreisverwaltung zu dem gleichen Ergebnis kommen sollen.
Dem Träger der künftigen Einrichtung, dem Kyffhäuser Bildungswerk, seien in den zurückliegenden Wochen einige Vorschläge gemacht worden. So könne ein 100 Meter langer Weg zum Vogelberg ausgebaut werden. Hier habe es jedoch keine Reaktion seitens des Trägers gegeben, so Kochbeck heute. Für den Bürgermeister habe sich deshalb auch die Sachlage nicht geändert und er weiß eine satte Mehrheit im Stadtrat hinter sich.
Für den Chef des Bauordnungsamtes der Kreisverwaltung, Dr. Erich Winter, ist die Bleicheröder Haltung ziemlich unverständlich. Seine Behörde möchte die entsprechenden Genehmigungen zwar gern erteilen, doch die Kreisverwaltung könne erst dann zu Zuge kommen, wenn die entsprechende Straßenbaulast, von der Stadt und dem Kyffhäuser Bildungswerk unterschrieben, auch eingeschrieben ist. Und das will die Stadt Bleicherode nicht. Auch Dr. Winter zieht zur Stützung seiner Position ein Gutachten herbei. Dabei soll so die Meinung von Sachverständigen - die Zufahrt zum Heim möglich sein. Ob es sich um das gleiche Gutachten handelt, das auch die Bleicheröder Stadtverwaltung zitiert, konnte nicht gesagt werden. Dr. Winter verweist neben den behördlichen Formalitäten noch auf einen anderen Aspekt. Mit der Inbetriebnahme des Heims für die kranken Kinder würden in der Region rund 30 Arbeitsplätze geschaffen, eine Tatsache, der sich auch die Stadt Bleicherode nicht verschließen könne.
Das ehemalige Hotel kann vermutlich nie wieder als Hotel genutzt werden, das wissen auch die Bleicheröder Verwalter. Und trotzdem beharren sie auf ihre Forderungen, die in der Öffentlichkeit wie eine Ablehnung in Richtung der Kinder aussehen. Und so wurde die Region Bleicherode denn auch in dem Beitrag des politischen Magazins Monitor dargestellt. Ein interessierter Beobachter der Bleicheröder Region äußerte heute gegenüber nnz die Vermutung, daß der Stadtrat von Bleicherode eventuell doch noch einlenken würde. Vielleicht ist ja auch das Kyffhäuser Bildungswerk zu einem Kompromiß bereit.
Bleicherode lehnte alle Angebote ab
Nach dem nnz-Beitrag über den Bericht des ARD-Magazins Monitor hat sich der Geschäftsführer des Kyffhäuser Bildungswerkes, Heinrich Schnakmann gemeldet. Hier sein Statement.
Für ihn hat sich die Situation gegenüber der Stadtverwaltung Bleicherode nicht geändert. Immer wieder habe Bürgermeister Kochbeck das Entgegenkommen des Trägers für das künftige Wohnheim mit Ignoranz abgestraft. Bei dem Vorschlag, den direkten Weg auszubauen, hätte es sich um ein Projekt gehandelt, bei dem fast der gesamte Vogelberg hätte abgetragen werden müssen. Auch ein Gutachten, das von einem unabhängigen Gutachter erstellt worden sei, schmeckte schließlich Herrn Kochbeck nicht. Mehr noch, das Kyffhäuser Bildungswerk hatte einen Erschließungsvertrag für die oben erwähnte Zufahrt von der Stadtverwaltung zur Unterzeichnung geschickt bekommen, dem umfangreiche Planungen vorausgegangen waren. Der Träger unterzeichnete in froher Hoffnung und schickte das Papier zurück nach Bleicherode. Die Unterschrift von Dieter Kochbeck blieb jedoch bis heute aus.
Nachtrag: Nach der Monitorsendung liefen auf den Internetseiten der Stadt Bleicherode mehr als 100 Mails aus allen Teilen Deutschlands auf. nnz veröffentlicht hier zwei Einträge aus dem Gästebuch:
Eintrag von Bettina aus Stuttgart am Freitag, dem 15. Juni 2001 um 8:20: Sehr geehrter Herr Bürgermeister !
Wie konnten Sie es nur so weit kommen lassen. Mußten Sie unbedingt ganz Deutschland zeigen, welch ein Unmensch Sie sind? Lassen Sie sofort die Menschen in ihre Unterkunft einziehen. Das ist nämlich ein Skandal, was Sie hier abziehen !
Holger Thiemt schreibt: Als Stadtrat von Bleicherode und Mitglied der PDS-Fraktion möchte ich allen Zuschauern der Monitor-Sendung sagen, daß die Äußerungen des Bürgermeisters nicht die Meinung des gesamten Stadtrates widerspiegeln. Es gibt aber leider eine Mehrheit gegen die Errichtung des Autistenheims. Und das ist mehr als schade.
Der Stadtrat wird sich sicher nochmals mit dem Versagen des Einvernehmens zum Betreiben des Heimes auseinandersetzen und hoffentlich werden dann alle Stadträte ihren gesunden Menschenverstand gebrauchen und sich nicht Fraktionszwängen unterwerfen.
Lösung für Schulzentrum gefunden
Im Konflikt um die räumliche Zukunft des Christlichen Schulzentrums in Nordhausen bahnt sich eine Lösung an. Heute fand eine Vor-Ort-Besichtigung statt.
Die Christliche Grundschule wird auch künftig ihr Quartier in der Grundschule in Nordhausen-Nord aufschlagen können. Ob es hier zu einer Erweiterung der Klassenräume kommen wird, das soll in den kommenden Tagen geklärt werden. Damit ist auch der Weg frei, den Regelschulteil in der Staatlichen Grundschule Käthe Kollwitz zu etablieren. Für die dann genutzten Räume müssen lediglich noch einige Unbedenklichkeitsbescheinigungen erarbeitet und an das Thüringer Kultusministerium zur Genehmigung geschickt werden, so Stefan Nüßle zur nnz. Nüßle rechnet mit rund 40 Schülern je Klassenjahrgang und hofft, daß der konfessionelle Schulträger in zwei oder drei Wochen eine positive Nachricht aus Erfurt erhalten werde.
Während des heutigen Gespräches machten die Vertreter der Kirche, darunter auch Pfarrer Ziegner vom Eisenacher Landeskirchenamt deutlich, daß seitens der Stadt Nordhausen eine klare Aussage hinsichtlich der Zukunft des Christlichen Schulzentrums gemacht werde. Wie nnz erfuhr, werde sich der zuständige Fachausschuß des Nordhäuser Stadtrates dieser Problematik annehmen. Wichtig für die Kirche ist der Fakt, daß das Bekenntnis der Stadt Nordhausen in einen Beschluß des Stadtrates gepackt werden muß.
Für das Jahr 2004 erwarte der Träger des Christlichen Schulzentrums von der Stadt, daß ihm ein Schulgebäude innerhalb von Nordhausen übertragen werde. Mit dieser Planungssicherheit könne dann auch in Richtung der Eltern argumentiert werden. So lange werde man mit dem jetzigen Provisorium leben.
Autor: nnzKünstlerdorf mit neuem alten Schwung
Elf Jahre nach der Wende hat das bedrohte jetzige Künstlerdorf Friedrichsrode (Kyffhäuserkreis) nichts an Beschaulichkeit verloren. «Ende der 70er Jahre wollte hier am Ende der Welt niemand mehr leben», sagt Bürgermeisterin Maria Ende über die einst fast ausweglose Situation des Dorfes mit seinen damals 79 Einwohnern. Eine Zeitlang war sogar der Abriss im Gespräch.
Die studierte Formgestalterin Ende hat ihren Umzug von Halle nach Friedrichsrode der zu DDR-Zeiten üblichen Praxis zu verdanken, die Vermittlung von Hochschulabsolventen zu lenken. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Maler und Grafiker Reiner Ende, und einer Kommilitonin hat sie 1979 und 1980 den Grundstein für eine erstaunliche Entwicklung gelegt. Mittlerweile wohnen 103 Menschen in den übrig gebliebenen 45 Häusern der 300 Jahre alten Gemeinde. Leerstand gibt es nicht mehr - nur noch eine freie Bebauungsfläche. Richtig bekannt geworden ist die Gemeinde durch den alljährlichen Kunstmarkt, der vom Kunstverein «Hainleite» am dritten Samstag im Juni veranstaltet wird. Mehr als 80 Künstler aus ganz Deutschland wollen auch bei der elften Auflage an diesem Samstag wieder bis zu 10 000 Menschen anlocken. Für sieben Stunden öffnen sich Höfe, Scheunen und Künstlerateliers, füllen sich Straßen mit Verkaufsständen alles rund um den «Kunsthof». Nach der Wende wurde das frühere Forsthaus und spätere Gemeindeamt zu diesem Kunsthof umgebaut. Mehr als 2000 Kinder, Jugendliche, Familien und Gruppen kommen mittlerweile jährlich in die Fachwerkidylle mit selbstgebackenem Kuchen und Ferienlagerromantik. Die Neugier auf Kunsthandwerkliches wird in mehreren Töpfer- und Handarbeitswerkstätten befriedigt.
Parallel organisiert der Kunstverein Ausstellungen, Konzerte und Workshops. «Klingelpartie verboten», wird den Neuankömmlingen auf dem Kunsthof immer wieder eingeschärft - meist vergebens. Die Belehrung hat ihren Grund: Der Kunsthof sei nicht unumstritten im Ort - besonders unter einigen alteingesessenen Friedrichsrödern, erzählt die Bürgermeisterin. Dennoch sind die meisten Bewohner stolz auf die Bezeichnung «Künstlerdorf». Und in den vergangenen Jahren sind sogar junge Leute zurückgekommen oder neu hergezogen.
Das neue Künstlercafe, die Galerie «Kunst&Kram» sowie die Tätigkeit von Malern und Musikern rechtfertigen den Beinamen «Künstlerdorf». Da schauen die Einheimischen auch darüber hinweg, dass es im Ort seit zwei Jahren keine Kneipe mehr gibt, nur ein Linienbus pro Woche fährt und der rollende Supermarkt die einzige Einkaufsmöglichkeit im Ort ist.
WBG übergab ungewöhnliche Wohnung
Heute ist Karola und Uwe Rüdiger ihre neue Wohnung in der Pestalozzistraße 1 in Nordhausen übergeben worden. Nun sind Wohnungsübergaben heutzutage nichts Außergewöhnliches mehr. Wohl aber, wenn eine Familie Drillinge hat.
Im März wurden die Rüdiger-Drillinge geboren. Bereits damals überlegte die Familie, wie man sich künftig räumlich auf die neue Situation einstellen sollte. Kompetente Partner wurden dabei in der Wohnungsbaugenossenschaft Nordhausen (WBG) gefunden und es reifte der Gedanke, eine Wohnung in der Pestalozzistraße 1 großzügig umzubauen. Heute nun die Übergabe. Die 81 Quadratmeter große Vier-Raum-Wohnung erhielt einen völlig neuen Zuschnitt. Eine große Küche mit zwei Fenstern, zusätzlich einen Hauswirtschaftsraum sowie einen großzügig gestalteten Flur.
WBG-Vorstandsmitglied Harald Eisentraut überreichte nicht nur Blumen, sondern brachte auch noch ein besonderes Geschenk für die fünfköpfige Familie mit. Je Kind wird Familie Rüdiger einen Monat mietfrei die Wohnung nutzen können. Macht also drei Monatsmieten oder einen Wert von rund 2.000 Mark.
Derzeit wird in Pestalozzistraße nicht nur die Wohnung der Rüdigers saniert. Der gesamte Wohnungsstandort erhält eine Verschönerungskur. Komplexsanierung nennen das die Experten. Abgeschlossen wird die Sanierung der 80 Wohnungen voraussichtlich Ende September. Dann hat die WBG in diesen Standort rund 3,1 Millionen Mark investiert, je Wohnung sind das fast 40.000 Mark.
Für die Mieter werden sich dann die Wohnbedingungen entscheidend verbessern. Bleibt die Frage, ob die Pestalozzistraße mit ihren Schlaglöchern und dem gänzlich fehlenden Bedarf seitens der Stadt eine Aufwertung erfährt. Denn auch gegenüber dem WBG-Standort sind in den zurückliegenden Jahren die Wohnungen saniert worden. Der häßlichste Fleck ist sozusagen die Verbindung der beiden Standorte. Und dafür ist die Stadt Nordhausen zuständig. Für Autofahrer ist die Pestalozzistraße schon seit Jahren eine Zumutung.
Viel Wirbel um Monitor-Bericht
Ein Beitrag über Bleicherode, der gestern im ARD-Magazin Monitor ausgestrahlt wurde, hat in der Region viel Staub aufgewirbelt. Dabei geht es um das ehemalige Hotel Waldschlösschen, das zu einem Heim für autistische Kinder umgebaut wurde. Es kann aber nicht genutzt werden, weil eine Straße und die Stadt Bleicherode dem entgegensteht. nnz hat nachgefragt.
Wir in Bleicherode haben überhaupt nichts gegen Kinder, die an Autismus leiden, aber nicht an dieser Stelle, erklärt Bleicherodes Bürgermeister Dieter Kochbeck (CDU) gegenüber nnz. Die Stadt wollte und will nicht Baulastträger für die Straße zu ehemaligen Hotel sein, will nicht die Verantwortung übernehmen. Wenn es im Winter besonders dicke kommt, dann können weder Rettungsfahrzeuge noch die Feuerwehr das künftige Heim erreichen. Kochbeck zieht zur Begründung denn auch ein Gutachten heran, in dem die untere Verkehrsbehörde und das Amt für Brand- und Katastrophenschutz der Kreisverwaltung zu dem gleichen Ergebnis kommen sollen.
Dem Träger der künftigen Einrichtung, dem Kyffhäuser Bildungswerk, seien in den zurückliegenden Wochen einige Vorschläge gemacht worden. So könne ein 100 Meter langer Weg zum Vogelberg ausgebaut werden. Hier habe es jedoch keine Reaktion seitens des Trägers gegeben, so Kochbeck heute. Für den Bürgermeister habe sich deshalb auch die Sachlage nicht geändert und er weiß eine satte Mehrheit im Stadtrat hinter sich.
Für den Chef des Bauordnungsamtes der Kreisverwaltung, Dr. Erich Winter, ist die Bleicheröder Haltung ziemlich unverständlich. Seine Behörde möchte die entsprechenden Genehmigungen zwar gern erteilen, doch die Kreisverwaltung könne erst dann zu Zuge kommen, wenn die entsprechende Straßenbaulast, von der Stadt und dem Kyffhäuser Bildungswerk unterschrieben, auch eingeschrieben ist. Und das will die Stadt Bleicherode nicht. Auch Dr. Winter zieht zur Stützung seiner Position ein Gutachten herbei. Dabei soll so die Meinung von Sachverständigen - die Zufahrt zum Heim möglich sein. Ob es sich um das gleiche Gutachten handelt, das auch die Bleicheröder Stadtverwaltung zitiert, konnte nicht gesagt werden. Dr. Winter verweist neben den behördlichen Formalitäten noch auf einen anderen Aspekt. Mit der Inbetriebnahme des Heims für die kranken Kinder würden in der Region rund 30 Arbeitsplätze geschaffen, eine Tatsache, der sich auch die Stadt Bleicherode nicht verschließen könne.
Das ehemalige Hotel kann vermutlich nie wieder als Hotel genutzt werden, das wissen auch die Bleicheröder Verwalter. Und trotzdem beharren sie auf ihre Forderungen, die in der Öffentlichkeit wie eine Ablehnung in Richtung der Kinder aussehen. Und so wurde die Region Bleicherode denn auch in dem Beitrag des politischen Magazins Monitor dargestellt. Ein interessierter Beobachter der Bleicheröder Region äußerte heute gegenüber nnz die Vermutung, daß der Stadtrat von Bleicherode eventuell doch noch einlenken würde. Vielleicht ist ja auch das Kyffhäuser Bildungswerk zu einem Kompromiß bereit.
Bleicherode lehnte alle Angebote ab
Nach dem nnz-Beitrag über den Bericht des ARD-Magazins Monitor hat sich der Geschäftsführer des Kyffhäuser Bildungswerkes, Heinrich Schnakmann gemeldet. Hier sein Statement.
Für ihn hat sich die Situation gegenüber der Stadtverwaltung Bleicherode nicht geändert. Immer wieder habe Bürgermeister Kochbeck das Entgegenkommen des Trägers für das künftige Wohnheim mit Ignoranz abgestraft. Bei dem Vorschlag, den direkten Weg auszubauen, hätte es sich um ein Projekt gehandelt, bei dem fast der gesamte Vogelberg hätte abgetragen werden müssen. Auch ein Gutachten, das von einem unabhängigen Gutachter erstellt worden sei, schmeckte schließlich Herrn Kochbeck nicht. Mehr noch, das Kyffhäuser Bildungswerk hatte einen Erschließungsvertrag für die oben erwähnte Zufahrt von der Stadtverwaltung zur Unterzeichnung geschickt bekommen, dem umfangreiche Planungen vorausgegangen waren. Der Träger unterzeichnete in froher Hoffnung und schickte das Papier zurück nach Bleicherode. Die Unterschrift von Dieter Kochbeck blieb jedoch bis heute aus.
Nachtrag: Nach der Monitorsendung liefen auf den Internetseiten der Stadt Bleicherode mehr als 100 Mails aus allen Teilen Deutschlands auf. nnz veröffentlicht hier zwei Einträge aus dem Gästebuch:
Eintrag von Bettina aus Stuttgart am Freitag, dem 15. Juni 2001 um 8:20: Sehr geehrter Herr Bürgermeister !
Wie konnten Sie es nur so weit kommen lassen. Mußten Sie unbedingt ganz Deutschland zeigen, welch ein Unmensch Sie sind? Lassen Sie sofort die Menschen in ihre Unterkunft einziehen. Das ist nämlich ein Skandal, was Sie hier abziehen !
Holger Thiemt schreibt: Als Stadtrat von Bleicherode und Mitglied der PDS-Fraktion möchte ich allen Zuschauern der Monitor-Sendung sagen, daß die Äußerungen des Bürgermeisters nicht die Meinung des gesamten Stadtrates widerspiegeln. Es gibt aber leider eine Mehrheit gegen die Errichtung des Autistenheims. Und das ist mehr als schade.
Der Stadtrat wird sich sicher nochmals mit dem Versagen des Einvernehmens zum Betreiben des Heimes auseinandersetzen und hoffentlich werden dann alle Stadträte ihren gesunden Menschenverstand gebrauchen und sich nicht Fraktionszwängen unterwerfen.
Lösung für Schulzentrum gefunden
Im Konflikt um die räumliche Zukunft des Christlichen Schulzentrums in Nordhausen bahnt sich eine Lösung an. Heute fand eine Vor-Ort-Besichtigung statt.
Die Christliche Grundschule wird auch künftig ihr Quartier in der Grundschule in Nordhausen-Nord aufschlagen können. Ob es hier zu einer Erweiterung der Klassenräume kommen wird, das soll in den kommenden Tagen geklärt werden. Damit ist auch der Weg frei, den Regelschulteil in der Staatlichen Grundschule Käthe Kollwitz zu etablieren. Für die dann genutzten Räume müssen lediglich noch einige Unbedenklichkeitsbescheinigungen erarbeitet und an das Thüringer Kultusministerium zur Genehmigung geschickt werden, so Stefan Nüßle zur nnz. Nüßle rechnet mit rund 40 Schülern je Klassenjahrgang und hofft, daß der konfessionelle Schulträger in zwei oder drei Wochen eine positive Nachricht aus Erfurt erhalten werde.
Während des heutigen Gespräches machten die Vertreter der Kirche, darunter auch Pfarrer Ziegner vom Eisenacher Landeskirchenamt deutlich, daß seitens der Stadt Nordhausen eine klare Aussage hinsichtlich der Zukunft des Christlichen Schulzentrums gemacht werde. Wie nnz erfuhr, werde sich der zuständige Fachausschuß des Nordhäuser Stadtrates dieser Problematik annehmen. Wichtig für die Kirche ist der Fakt, daß das Bekenntnis der Stadt Nordhausen in einen Beschluß des Stadtrates gepackt werden muß.
Für das Jahr 2004 erwarte der Träger des Christlichen Schulzentrums von der Stadt, daß ihm ein Schulgebäude innerhalb von Nordhausen übertragen werde. Mit dieser Planungssicherheit könne dann auch in Richtung der Eltern argumentiert werden. So lange werde man mit dem jetzigen Provisorium leben.


