Mi, 10:41 Uhr
02.07.2008
Wackerjahr im Rückspiegel
Klaus Verkouter stellt interessante Betrachtungen über die vergangene Saison und die Zukunft beim FSV Wacker 90 an. Helmut Michel lieferte die Fotos dazu.
Ein Bundesligaverein würde nach einem enttäuschenden Saisonabschneiden ausposaunen: Saison abhaken – nach vorn schauen. Beim Abhaken wäre es dann oft ein Abhacken des Trainers von seinem Stuhl. Der Blick nach vorn wäre die Verpflichtung neuer Spieler, von denen man sich eine Verbesserung verspricht.
Im beschaulichen Nordhausen ist das etwas komplizierter. Erstens: Am Trainer Burkhard Venth lag es am wenigsten, dass der erhoffte obere Tabellenplatz verfehlt wurde. Was kann er dafür, wenn Akteure, die einen Arbeitsplatz haben, oft nicht zum Training (mitunter sogar zum Spiel) kommen können? Zweitens: Der Ruf nach Verstärkungen ist von Anhängern des Vereins zwar oft zu hören, doch an der Umsetzung scheitert es häufig, wenn wechselwilligen Spielern keine beruflichen oder Ausbildungsmöglichkeiten geboten werden können.
Wacker-Torjäger Stefan Hoffmann in Aktion
Dabei kann der FSV Wacker 90 stolz auf seine Sponsoren sein, die in vielfältiger Form Unterstützung gewähren und nach Beschäftigungsmöglichkeiten für Spieler suchen. Aber es sind eben noch zu wenige, obwohl ein starker Verein in der Region viel zur Imagewerbung der Firmen und auch zur Belebung im sportlichen Umfeld beitragen kann. Mit dem ins Leben gerufenen Wirtschaftsrat und auch auf kommunaler politischer Ebene scheint für die Perspektive Bewegung in die richtige Richtung gekommen zu sein (Stadionumbau). Vielleicht ist es schon im kommenden Spieljahr auch für Außenstehende zu erkennen.
Dass der FSV Wacker 90 Nordhausen in Thüringen noch immer als Zugpferd gilt, beweisen die Zuschauerzahlen im Vergleich mit anderen Vereinen des Landes. Auch im vergangenen Jahr war Wacker Spitzenreiter. Städte wie Weimar, Gotha, Mühlhausen oder Rudolstadt können da einfach nicht mithalten. Damit das so bleibt und eventuell noch ausgebaut werden kann, muss natürlich attraktiver Fußball mit Herz gespielt werden. Heimspiele wie gegen Erfurt II, Sondershausen oder Rudolstadt und Auswärtsauftritte wie in Gotha, Steinach, Rudolstadt oder Weimar müssten die Norm werden, auch wenn nicht immer gewonnen wird.
Die schlechteste Saisonplatzierung war der 16. Rang am zweiten Spieltag, die beste der 7. Platz am zwölften. 14-mal stand Wacker auf dem 9. Platz und zehnmal wurde Position 8 eingenommen, so auch nach Beendigung der Saison. Mit 36 Punkten gehörte man zur besseren Hälfte, lag jedoch nach Einschätzung mehrerer Spielbeobachter unverständlich weit hinten. Es fehlte ganz einfach die Konstanz.
Hier der Beweis: Vom 29. September bis 27. Oktober 2007 wurde in fünf Spielen hintereinander nicht verloren (Weimar, Heiligenstadt, Sondershausen, Mühlhausen, Geisa). Zwischen dem 17. November und 8. März gab es dagegen keinen vollen Erfolg. Vom 15. bis zum 29. März konnte wieder dreimal hintereinander gewonnen werden (Schlotheim, Zeulenroda, Weimar). Es folgten aber sechs Wochenenden ohne Sieg. So war eine bessere Platzierung einfach nicht möglich. Die 53 Gegentore sprechen trotz des veränderten Kaders in der zweiten Halbserie von mangelnder Abwehrkonsequenz. Hier dürfte der Ansatz- und Knackpunkt für künftige Veränderungen liegen.
Auch die 25 von Trainer Venth eingesetzten Akteure (in den Testspielen kamen noch fünf weitere Spieler hinzu) zeugen nicht unbedingt von Konstanz. Hier der Arbeitsnachweis in Minuten: Pohl stand bei seinen 30 Einsätzen (einziger Spieler, der immer dabei war) 2645 Minuten auf dem Feld. Es folgten Taute (2577), Elle (2562), Hoffmann (2493), Ebert (2482), Lattmann (2215), Pistorius (2104), Töpfer (2030), Finsterbusch (1419), Ciesla (1366), T. Steinberg(1328), Schönberger (1260), Wiegleb (1205), Klaus (1112). Unter der 1000-Minuten-Einsatzgrenze lagen Wenzel (768), Hirschelmann (540), Brack (500), Heise (341), Steinberg (252), Jochmann (210), Pascheit (174), Henning (34), Zietz (22), Dobrzykowsky (12) und Heinemann (10).
Gerade die aufgebotenen Spieler der in der Bezirksliga so erfolgreichen zweiten Mannschaft und mögliche Anschlusskader aus dem Juniorenbereich werden gespürt haben, dass es bis zur Durchsetzung in der obersten Thüringer Spielklasse doch noch eines gewaltigen Schrittes nach vorn bedarf.
Im Fair-Play-Wettbewerb kam Wacker als viertbester Verein über die Ziellinie. Nur die Nordhäuser und Heiligenstadt blieben im Spieljahr 2007/08 ohne Rote Karte. Seit Jahren mischen die Südharzer hier in der Spitzengruppe mit, auch wenn es dafür keine Punkte gibt, aber viel Anerkennung für das sportliche Auftreten.
Erfreulich ist auch die Tatsache, dass mit Stephan Hoffmann (Platz 7 mit 16 Treffern) und Lars Pohl (9./15 Tore) zwei Neunziger in der Torschützenliste der Liga unter den ersten Zehn zu finden sind. Hätte Torsten Klaus nicht nur 13 Spiele bestritten, wären ihm sicher mehr als die 10 Treffer gelungen. Die 51 Wacker-Tore schossen neun verschiedene Spieler.
Die zweite Mannschaft unter Trainer Fuhrmann belegte ausgerechnet am letzten Spieltag mit dem fünften ihren schlechtesten Saisonplatz. Über Monate war Wacker II Dritter, konnte aber einige Rückschläge in der Rückrunde nicht verhindern. Trotzdem waren die jungen Kicker eine Bereicherung für die Bezirksliga und ein gutes Aushängeschild für den Verein. Vertrauen wir auf die verantwortlichen Trainer Burkhard Venth und Knut Bernsdorf für die beiden Männermannschaften sowie die Übungsleiter im Nachwuchsbereich, dass das kommende Spieljahr einen Aufschwung bringt. Dem noch immer großen Anhang wäre es zu wünschen.
Ein Blick auf die Abschlusstabellen im Nachwuchsbereich verdeutlicht außerdem, dass es für Nordhäuser Mannschaften außerhalb des Landkreises immer komplizierter wird, vordere Plätze zu belegen, egal ob sie für den FSV, den NSV oder die FSG auflaufen. Keiner der Vereine verfügt gegenwärtig allein über das Potential, in jeder Altersklasse genügend starke Kader zu formen. Bei dem sich verändernden demografischen Gefüge und der gewandelten Interessenlage von Kindern und Jugendlichen scheinen mir Strukturveränderungen im Juniorenbereich überfällig zu sein. Diesen möge sich im Interesse des Nordhäuser Fußballs insgesamt niemand verschließen. Andere Orte vom Eichsfeld bis zur Rhön machen es z. B. mit der Konzentration von Spielern in stärkeren Spielgemeinschaften vor.
Ein Zitat von der Vereinsseite des SV Borsch 1925 (Kennen Sie nicht? Aufsteiger in die Thüringenliga!) soll diesen Gedanken zementieren:
Aufgrund der Personalnot bei den Nachwuchsmannschaften, sowohl im Borscher Sportverein, als auch in den benachbarten Vereinen Bremen, Buttlar und Geisa, wurde Mitte bis Ende der 90er Jahre die Nachwuchsspielunion "Ulstertal" ins Leben gerufen. Diese Spielunion erfasste nach und nach alle Altersklassen von der F- bis hin zur A-Jugend. Hohe Einsatzbereitschaft der Trainer… sowie der Vorstände (allen voran des FSV UT Geisa) machten es möglich, die Mannschaften der A- und B-Jugend bis in die Landesliga zu führen. Sich eines Tages im Ulstertal mit Mannschaften aus Jena, Erfurt, Suhl u.s.w. zu messen, hätte zu Beginn dieser Kooperation wohl niemand für möglich gehalten.
Und das soll in Nordhausen nicht gehen? Vielleicht haben wir im Landkreis auch irgendwann zwei, drei Mannschaften in der Thüringenliga, zumindest aber beim Nachwuchs.
K. Verkouter
Autor: nnzEin Bundesligaverein würde nach einem enttäuschenden Saisonabschneiden ausposaunen: Saison abhaken – nach vorn schauen. Beim Abhaken wäre es dann oft ein Abhacken des Trainers von seinem Stuhl. Der Blick nach vorn wäre die Verpflichtung neuer Spieler, von denen man sich eine Verbesserung verspricht.
Im beschaulichen Nordhausen ist das etwas komplizierter. Erstens: Am Trainer Burkhard Venth lag es am wenigsten, dass der erhoffte obere Tabellenplatz verfehlt wurde. Was kann er dafür, wenn Akteure, die einen Arbeitsplatz haben, oft nicht zum Training (mitunter sogar zum Spiel) kommen können? Zweitens: Der Ruf nach Verstärkungen ist von Anhängern des Vereins zwar oft zu hören, doch an der Umsetzung scheitert es häufig, wenn wechselwilligen Spielern keine beruflichen oder Ausbildungsmöglichkeiten geboten werden können.
Wacker-Torjäger Stefan Hoffmann in Aktion
Dabei kann der FSV Wacker 90 stolz auf seine Sponsoren sein, die in vielfältiger Form Unterstützung gewähren und nach Beschäftigungsmöglichkeiten für Spieler suchen. Aber es sind eben noch zu wenige, obwohl ein starker Verein in der Region viel zur Imagewerbung der Firmen und auch zur Belebung im sportlichen Umfeld beitragen kann. Mit dem ins Leben gerufenen Wirtschaftsrat und auch auf kommunaler politischer Ebene scheint für die Perspektive Bewegung in die richtige Richtung gekommen zu sein (Stadionumbau). Vielleicht ist es schon im kommenden Spieljahr auch für Außenstehende zu erkennen.
Dass der FSV Wacker 90 Nordhausen in Thüringen noch immer als Zugpferd gilt, beweisen die Zuschauerzahlen im Vergleich mit anderen Vereinen des Landes. Auch im vergangenen Jahr war Wacker Spitzenreiter. Städte wie Weimar, Gotha, Mühlhausen oder Rudolstadt können da einfach nicht mithalten. Damit das so bleibt und eventuell noch ausgebaut werden kann, muss natürlich attraktiver Fußball mit Herz gespielt werden. Heimspiele wie gegen Erfurt II, Sondershausen oder Rudolstadt und Auswärtsauftritte wie in Gotha, Steinach, Rudolstadt oder Weimar müssten die Norm werden, auch wenn nicht immer gewonnen wird.
Die schlechteste Saisonplatzierung war der 16. Rang am zweiten Spieltag, die beste der 7. Platz am zwölften. 14-mal stand Wacker auf dem 9. Platz und zehnmal wurde Position 8 eingenommen, so auch nach Beendigung der Saison. Mit 36 Punkten gehörte man zur besseren Hälfte, lag jedoch nach Einschätzung mehrerer Spielbeobachter unverständlich weit hinten. Es fehlte ganz einfach die Konstanz.
Hier der Beweis: Vom 29. September bis 27. Oktober 2007 wurde in fünf Spielen hintereinander nicht verloren (Weimar, Heiligenstadt, Sondershausen, Mühlhausen, Geisa). Zwischen dem 17. November und 8. März gab es dagegen keinen vollen Erfolg. Vom 15. bis zum 29. März konnte wieder dreimal hintereinander gewonnen werden (Schlotheim, Zeulenroda, Weimar). Es folgten aber sechs Wochenenden ohne Sieg. So war eine bessere Platzierung einfach nicht möglich. Die 53 Gegentore sprechen trotz des veränderten Kaders in der zweiten Halbserie von mangelnder Abwehrkonsequenz. Hier dürfte der Ansatz- und Knackpunkt für künftige Veränderungen liegen.
Auch die 25 von Trainer Venth eingesetzten Akteure (in den Testspielen kamen noch fünf weitere Spieler hinzu) zeugen nicht unbedingt von Konstanz. Hier der Arbeitsnachweis in Minuten: Pohl stand bei seinen 30 Einsätzen (einziger Spieler, der immer dabei war) 2645 Minuten auf dem Feld. Es folgten Taute (2577), Elle (2562), Hoffmann (2493), Ebert (2482), Lattmann (2215), Pistorius (2104), Töpfer (2030), Finsterbusch (1419), Ciesla (1366), T. Steinberg(1328), Schönberger (1260), Wiegleb (1205), Klaus (1112). Unter der 1000-Minuten-Einsatzgrenze lagen Wenzel (768), Hirschelmann (540), Brack (500), Heise (341), Steinberg (252), Jochmann (210), Pascheit (174), Henning (34), Zietz (22), Dobrzykowsky (12) und Heinemann (10).
Gerade die aufgebotenen Spieler der in der Bezirksliga so erfolgreichen zweiten Mannschaft und mögliche Anschlusskader aus dem Juniorenbereich werden gespürt haben, dass es bis zur Durchsetzung in der obersten Thüringer Spielklasse doch noch eines gewaltigen Schrittes nach vorn bedarf.
Im Fair-Play-Wettbewerb kam Wacker als viertbester Verein über die Ziellinie. Nur die Nordhäuser und Heiligenstadt blieben im Spieljahr 2007/08 ohne Rote Karte. Seit Jahren mischen die Südharzer hier in der Spitzengruppe mit, auch wenn es dafür keine Punkte gibt, aber viel Anerkennung für das sportliche Auftreten.
Erfreulich ist auch die Tatsache, dass mit Stephan Hoffmann (Platz 7 mit 16 Treffern) und Lars Pohl (9./15 Tore) zwei Neunziger in der Torschützenliste der Liga unter den ersten Zehn zu finden sind. Hätte Torsten Klaus nicht nur 13 Spiele bestritten, wären ihm sicher mehr als die 10 Treffer gelungen. Die 51 Wacker-Tore schossen neun verschiedene Spieler.
Die zweite Mannschaft unter Trainer Fuhrmann belegte ausgerechnet am letzten Spieltag mit dem fünften ihren schlechtesten Saisonplatz. Über Monate war Wacker II Dritter, konnte aber einige Rückschläge in der Rückrunde nicht verhindern. Trotzdem waren die jungen Kicker eine Bereicherung für die Bezirksliga und ein gutes Aushängeschild für den Verein. Vertrauen wir auf die verantwortlichen Trainer Burkhard Venth und Knut Bernsdorf für die beiden Männermannschaften sowie die Übungsleiter im Nachwuchsbereich, dass das kommende Spieljahr einen Aufschwung bringt. Dem noch immer großen Anhang wäre es zu wünschen.
Ein Blick auf die Abschlusstabellen im Nachwuchsbereich verdeutlicht außerdem, dass es für Nordhäuser Mannschaften außerhalb des Landkreises immer komplizierter wird, vordere Plätze zu belegen, egal ob sie für den FSV, den NSV oder die FSG auflaufen. Keiner der Vereine verfügt gegenwärtig allein über das Potential, in jeder Altersklasse genügend starke Kader zu formen. Bei dem sich verändernden demografischen Gefüge und der gewandelten Interessenlage von Kindern und Jugendlichen scheinen mir Strukturveränderungen im Juniorenbereich überfällig zu sein. Diesen möge sich im Interesse des Nordhäuser Fußballs insgesamt niemand verschließen. Andere Orte vom Eichsfeld bis zur Rhön machen es z. B. mit der Konzentration von Spielern in stärkeren Spielgemeinschaften vor.
Ein Zitat von der Vereinsseite des SV Borsch 1925 (Kennen Sie nicht? Aufsteiger in die Thüringenliga!) soll diesen Gedanken zementieren:
Aufgrund der Personalnot bei den Nachwuchsmannschaften, sowohl im Borscher Sportverein, als auch in den benachbarten Vereinen Bremen, Buttlar und Geisa, wurde Mitte bis Ende der 90er Jahre die Nachwuchsspielunion "Ulstertal" ins Leben gerufen. Diese Spielunion erfasste nach und nach alle Altersklassen von der F- bis hin zur A-Jugend. Hohe Einsatzbereitschaft der Trainer… sowie der Vorstände (allen voran des FSV UT Geisa) machten es möglich, die Mannschaften der A- und B-Jugend bis in die Landesliga zu führen. Sich eines Tages im Ulstertal mit Mannschaften aus Jena, Erfurt, Suhl u.s.w. zu messen, hätte zu Beginn dieser Kooperation wohl niemand für möglich gehalten.
Und das soll in Nordhausen nicht gehen? Vielleicht haben wir im Landkreis auch irgendwann zwei, drei Mannschaften in der Thüringenliga, zumindest aber beim Nachwuchs.
K. Verkouter





























