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Do, 07:05 Uhr
30.05.2002

Wiedergeburt im Domhof


Nordhausen (nnz). Winnetou reitet in Bad Seegeberg, Mogli huscht durch das Harzer Bergtheater und Nordhausen rüstet sich zu einem wahrhaft historischen Open-Air-Spektakel, einer Uraufführung, die schon im Vorfeld mit einigen kleinen Superlativen versehen werden muss.

Anlässlich der 1075-Jahrfeier der ehemals freien Reichsstadt Nordhausen initiierte ein Verein die bemerkenswerte Theaterpremiere. Der Mathildenverein e.V. widmet sich seit mehreren Jahren dem Leben und Schaffen der Stadtgründerin. In seinen Reihen hat der Verein einige erfahrene Theaterleute, die nahezu zwangsläufig auf die Idee verfallen mussten, Sequenzen aus dem Leben dieser schillernden mittelalterlichen Persönlichkeit auf eine Bühne zu bringen.

Der Theater-Allrounder Helmut Müller, der seit über 55 Jahren dem Theater in Treue verbunden ist und als Schauspieler, Kabarettist, Regisseur, erfolgreicher Autor und Bühnenbildner in Erscheinung getreten ist, wird beauftragt, ein Schauspiel zu schreiben. Bald hat er sich in die Recherche vertieft und in die bemerkenswerte Frau verliebt, die ihrer Zeit so weit voraus war und im finstersten Mittelalter eine Spur von Humanität hinterließ, die viel besser in die aufklärende Renaissance gepasst hätte.

Ein Titel ist schnell gefunden. „Die Königin“ nennt Müller das Stück, das zu einem subtilen Zeitdokument wird; gleichzeitig die Auseinandersetzungen der deutschen Fürsten und späteren Könige und Kaiser mit den äußeren Feinden des jungen Reiches aufzeigt und andererseits die innigsten Gefühle der Ehefrau, Mutter, barmherzigen Stifterin und Landesherrin vor dem Betrachter ausbreitet. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich die Geschichte und die kleinen Geschichtchen wirklich so zugetragen haben. Es hätte gut und gerne so sein können und Helmut Müllers Story ist stimmig, unterhaltsam, informativ und spannend. In zwölf Bildern verfolgen wir das erfüllte Leben der eben zur Witwe gewordenen Monarchin bis zum Zeitpunkt ihres Todes, nehmen Anteil an den familiären Fehden und Versöhnungen, ihrem ambivalenten Verhältnis zu ihren Söhnen Heinrich (Steffen Böye)und dem späteren ersten deutschen Kaiser Otto (Thomas Tucht). Wir sehen eine engagierte Frau, die nicht umsonst wegen ihres beherzten Eintretens für die Armen und Entrechteten nach ihrem Tode heilig gesprochen wurde. Erstmalig in der Theatergeschichte steht eine Frauengestalt des Hochmittelalters im Brennpunkt eines Dramas.

Uta Haase gibt der Mathilde Gestalt und haucht ihr Leben ein an exakt der Stelle, wo vor über tausend Jahren die Königin vier ihrer Kinder zur Welt brachte und ein Damenstift gründete. Auf den Resten der Stiftskirche entstand der Nordhäuser Dom, in dessen Hof am 8. Juni um 21 Uhr die Uraufführung des Stückes läuft. Matthias Mitteldorf ist der Narr König Heinrichs, eine vom Autor mit sicherer Hand eingeführte Kunstfigur, deren shakespeareske Grundhaltung Distanz und Nähe zu schaffen weiß und dem Publikum als Erzähler dient.

In einer bisher einzigartigen Kooperation arbeiten der federführende Mathildenverein, das Theater Nordhausen, die Domgemeinde und die Stadtverwaltung gemeinsam an dieser Inszenierung, die mehr sein wird als nur ein Beitrag zum Stadtjubiläum.

Weitere Aufführungen gibt es am 9. Juni, 11. Juni, 13. Juni und 14. Juni jeweils um 21 Uhr im Domhof zu Nordhausen. Karten sind im Vorverkauf an der Theaterkasse und an der Abendkasse erhältlich.

Olaf Schulze
Autor: nnz

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