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Di, 13:26 Uhr
28.05.2002

Die Wahrheit ist zumutbar

Limlingerode (nnz). Das letzte Juniwochenende ist in Limlingerode für die "Limlingeröder Diskurse" reserviert. Was die Zuhörer und Zuschauer erwartet, das gibt es mit einem Klick auf MEHR.


Im Dorfgemeinschaftshaus findet die literarische Veranstaltung unter dem Motto: "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar" für Literaturkenner und ­einsteiger statt und beginnt jeweils um 10.00 Uhr. Elke Erb und Wulf Kirsten sind die Poeten, die am Samstag aus ihrem Werk lesen.

Beide stellen sich auch gegenseitig vor. Selbstverständlich sind ihre Werke dank des Buchhauses Rose zu kaufen und das Signieren ist Tradition. Die "historische Dichterpersönlichkeit", die am Sonntag im Mittelpunkt steht, ist die Österreicherin Ingeborg Bachmann. Von ihr stammt die Aussage, die den 5. Diskursen das Motto gibt. Dank der Technik ist es möglich, die Stimme der 1973 Verstorbenen beim Vortrag ihrer Gedichte zu hören und ihr Leben in Italien im Video kennen zu lernen. Ulrike Müller, Weimar, und Antje Finkenwirth, Berlin, haben ein literarisch-musikalisches Programm über diese herausragende Dichterin des 20. Jahrhunderts unter dem Titel "Das Unsägliche geht, leise gesagt, übers Land" zusammengestellt, deren literarisches Vermächtnis alljährlich auch durch den Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt, ihrer Geburtsstadt, sehr lebendig gehalten wird.

Elke Erb wurde 1938 in Scherbach (Eifel) geboren und übersiedelte 1949 in die DDR. Sie arbeitete als Lektorin beim Mitteldeutschen Verlag in Halle. Seit 1967 ist sie freischaffend. Als Lyrikerin, Prosaistin, Essayistin und Übersetzerin machte sich die Erb einen Namen. 1988 erhielt sie den Peter-Huchel-Preis, 1990 den Heinrich-Mann-Preis. Die Ehrengabe der Schillerstiftung wurde ihr 1993 zuerkannt. Über ihren 1994 bei Steidl in Göttingen erschienenen Lyrikband "Unschuld, das Licht meiner Augen" wurde rezensiert: "Immer bleiben Elke Erbs Gedichte an interessante Wortfügungen gebunden, an besondere Bilder, die konkret ansetzen, ins Surreale übergehen und wieder zur Ausgangsebene zurückkehren. Die Lust der Autorin an der Sprache fängt auch den Leser ein ..."

Wulf Kirsten, Jahrgang 1934, wurde in Klipphausen im Landkreis Meißen geboren und lebt in Weimar. Nach dem Abitur studierte er Germanistik und Russistik. In den Jahren 1964 - 1987 war er Lektor des Aufbauverlages in Weimar. Für sein dichterisches Werk erhielt er mehrere bedeutende Auszeichnungen. Über seinen Gedichtband "Stimmenschotter" äußerte ein Kritiker: "Wie seine Landschaftsgedichte und seine politischen Episteln bezeichnen auch diese präzis geschnittenen Miniaturen die Längen- und Breitengrade einer poetischen Welt, deren Bild- und Sprachreichtum seinesgleichen sucht."

Ingeborg Bachmann, am 25. Juni 1926 in Klagenfurt geboren, war Lyrikerin, Erzählerin, Hörspielautorin, Essayistin. Nach Aufenthalten in München, Paris, Zürich lebte sie in Rom, wo sie am 17. Oktober 1973 starb. Bis heute hat ihre herausfordernde Sprachkraft nichts vom bedrückenden und zugleich verheißungsvoll utopischen Gehalt eingebüßt, denn: "Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar". Schon in ihren ersten beiden Gedichtsammlungen "Die gestundete Zeit" (1953) und "Anrufung des großen Bären" (1954) und in ihren Hörspielen wie "Ein Geschäft mit Träumen" (1952) richtet die Dichterin ihr kritisches Augenmerk auf die Zerstörung lebendiger Beziehungen durch den schönen Schein der Waren und des Besitzes in der neuen Wirtschaftswunderwelt. In ihren Erzählungen der 60er und 70er Jahre und ihrem unvollendeten Romanzyklus "Todesarten" (Teil1 "Malina", 1971) nimmt sie Themen voraus, die erst Jahre später von der Neuen Frauenbewegung in die öffentliche Diskussion eingebracht wurden, wie z.B. den Zusammenhang zwischen faschistischer Herrschaft, Naturzerstörung und Gewalt gegen Frauen. Ihrem Ringen um die weibliche Identität, im eigenen Werk wie im privaten Leben, ihrem unnachgiebigen Ausloten der Grenzen des Sagbaren, ist von Kritikern immer wieder eine "allzu negative" Weltsicht unterstellt worden, doch zeigen der Witz, die sprachliche Schönheit und Musikalität ihrer Texte, insbesondere ihrer Liebesgedichte, Ingeborg Bachmanns "unausrottbaren Glauben, die Welt sei dazu bestimmt, sich zu vervollkommnen, der dem Geist aller Zeiten strikt zuwiderläuft." (Christa Wolf)

Die Literaturwissenschaftlerin Dr. Siegrid Lange, Köln, wird über die Bachmann Auskunft geben. Während der "5. Limlingeröder Diskurse" kann man den Fortgang der Rekonstruktionsarbeiten am Geburtshaus in Augenschein nehmen, das am 29.11., 30.11. und 01.12.2002 als "Dichterstätte Sarah Kirsch" eingeweiht werden soll.
Autor: nnz

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