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Di, 12:43 Uhr
28.05.2002

Zwei Ausstellungen unter einem Dach

Nordhausen (nnz). In der Galerie Flohburg in Nordhausen sind gegenwärtig zwei interessante Expositionen zu sehen. Dazu eine Betrachtung von Heidelore Kneffel.


Lasst uns in die Flohburg geh’n, denn dort ist Erstaunliches zu sehn! Dieser Reim fiel mir ein, als ich mir die beiden hoch interessanten Ausstellungen in dem ehrwürdigen Haus in der Barfüßerstraße 6 ansah, die bis zum 18. August zu besichtigen sind. Das imposante Fachwerkhaus, aus dem Mittelalter bis in unsere Zeit bewahrt, präsentiert unter seinem steilen Dach in der unteren Etage "Schätze des Stadtarchivs" und im oberen Stockwerk "Stadtansichten von Künstlerhand". Beide Ausstellungen sind wie geschaffen für das denkmalgeschützte Haus - selbst ein Teil Geschichte zeigt es Geschichte in anschaulicher Form in Hülle und Fülle. Dank der menschlichen Fähigkeit, durch Schrift und Bild Ereignisse festzuhalten, ist es möglich, den Nachgeborenen Einblicke in Vergangenes, Bewahrenswertes zu ermöglichen. Dass das Nordhäuser Stadtarchiv und die Sammlung des Meyenburgmuseums so manches Kleinod birgt, ist eigentlich kein Geheimnis und wird in der Flohburg offenkundig. Hier kommt zusammen, was so nicht oft gezeigt werden kann.

Jahrhundertealte Urkunden und Bücher (Inkunabeln), Druckwerke aus barocker Zeit, betagte, aber nicht verstaubte Kunstwerke, farbenfrohe Plakate u.a.m. rufen nachdrücklich: Sehr her, was wir über die Stadt Nordhausen, die 1075jährige, verkünden! Für mich persönlich waren die Autographen des Weltbürgers Alexander von Humboldt eine wichtige Entdeckung. In zwei Briefen wendet er sich an den 1817 in Nordhausen geborenen August Kramer, den Erfinder des Zeigertelegraphen. Am 13. August 1846 schreibt Humboldt aus Potsdam, wo er sich am Königshof aufhält, an den Herrn Oberlehrer Kramer aus Nordhausen. "Es wird mir sehr angenehm sein, verehrtester Herr Professor, die persönliche Bekanntschaft eines so ausgezeichneten Mathematikers zu machen und mit Ihnen zu verabreden, wann ich Ihre schönen electromagnetischen Apparate in Berlin sehen kann. ...
Ihr gehorsamster A. v. Humboldt“

Einen Tag später erhält Kramer einen zweiten Brief von Humboldts Hand, denn die Verabredung war nicht zustande gekommen. "Ich beklage, daß Sie nun, um mir eine Bequemlichkeit zu verschaffen, Ihre Abreise werden aussetzen müssen. Da ich vorher mit dem König in das Atelier von Cornelius gehen muß, so hoffe ich, bald nach 16 Uhr Dienstags auf der Sternwarte einzutreffen ..." August Kramer, der Adressat der Briefe, hatte 1846 mit einer Erfindung eindrücklich auf sich aufmerksam gemacht. Ihm war 1845 der Gedanke gekommen, "einen Telegraphen zu konstruieren, der alles bisher da Gewesene in den Schatten stellen sollte." Er schuf einen elektromagnetischen Telegrafen mit dem Uhrmacher Rose. Eine öffentliche Vorführung fand vom 27. Juli bis 1.8.1846 in Nordhausen statt. Die Nachricht verbreitete sich schnell über die Zeitungen. "Dr. Kramer begab sich mit seinem Apparate nach Berlin, wo er die Wirkung desselben den Mitgliedern der Telegraphencommission sowie mehreren wissenschaftlichen Nobilitäten vorzeigte und vollkommene Anerkennung einärntete.", so schrieb die "Deutsche Allgemeine Zeitung" in Leipzig. Wie wir dank der Ausstellung nun wissen, war der hochverdiente, hochgeachtete Gelehrte Alexander von Humboldt einer der "Nobilitäten". So machen geschichtliche Zeugnisse Geistesgeschichte deutlich.

Ich habe nur ein Beispiel herausgegriffen. Jeder, der auch nur eine Portion Interesse und Neugier an der Geschichte der Stadt Nordhausen hat, sollte seinen Weg in die Flohburg nehmen. Die Öffnungszeiten sind äußerst publikumsfreundlich: Täglich, außer Montag, von 10.00 bis 17.00 Uhr.
Heidelore Kneffel
Autor: nnz

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