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Di, 13:06 Uhr
14.05.2002

nnz-doku (6): Statement des Theaters

Nordhausen (nnz). Gestern wurde vor dem Festakt zum 1075. Geburtstag der Stadt Nordhausen ein Statement der Belegschaft verlesen. nnz veröffentlicht den Text in seiner doku-Reihe.


Sehr geehrte Festgäste,

Ich wende mich an dieser Stelle im Namen des Betriebsrates, des Orchestervorstandes, der Geschäftsleitung sowie aller Mitarbeiter unseres Hauses an Sie. Ein Sprichwort sagt: Man soll die Feste feiern, wie sie fallen. Man soll aber auch die Gelegenheit beim Schopfe packen, heißt es!

Am heutigen Abend haben Sie die Gelegenheit, einen der letzten Auftritte des Loh-Orchesters in sinnvoller Besetzung zu erleben. Ab der neuen Spielzeit werden Solo-Trompete, Oboe/Englischhorn und ein Drittel der Cellogruppe fehlen. Der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH ist es aus finanziellen Gründen nicht mehr möglich, diese freiwerdenden Stellen wieder zu besetzen.

Zu Beginn dieser Festveranstaltung bringen wir Ihnen auf besonderen Wunsch unserer Oberbürgermeisterin, Frau Rinke, die „Nordhäuser Festouvertüre“ von Wilhelm Rinkens zu Gehör. Dieses Werk erklang vor 75 Jahren zum letzten Mal in diesem Haus und wird mit der Verkleinerung des Loh-Orchesters so nicht mehr aufführbar sein.

Auch werden dringend benötigte Arbeitskräfte im künstlerischen Bereich und in der Technik dieses Theaters nicht mehr wiederbesetzt werden können. Zusätzlich werden noch in diesem Jahr betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden müssen.

Wie Sie alle wissen, sind die Sparmöglichkeiten in diesem Haus seit Jahren ausgereizt. Das bedeutet, wir brauchen eine Sofort-Finanzierung, sonst werden die hier anwesenden Entscheidungsträger ab heute mit dem Beginn von Spartenabbau und Qualitätsverlust nicht nur konfrontiert - nein - sie werden ihn zu verantworten haben - schon in diesem Jahr.

Ohne eine schnelle Lösung der finanziellen Probleme wird das kulturelle Leben in dieser Region drastisch reduziert. Dieser Prozess wird fortdauern und Theater und Orchester in wenigen Jahren komplett in Frage stellen. Dass dies dann ein abschließendes Urteil über die Entwicklungschancen dieser Region darstellt, wird Ihnen bewusst sein.

Gott sei Dank gibt Hoffnung - diese Hoffnung sind Sie!

Schließlich wird über das Schicksal der Kulturlandschaft Nordthüringens nicht in Berlin oder Brüssel entschieden, sondern hier. Es sind Sie und Ihre Parteifreunde, die entscheiden, ob es in Thüringen jenseits der unseligen Weimar/Erfurt-Debatte Kultur geben wird. In Ihren Parteien wird über den Stellenwert von Kulturpolitik diskutiert. Hier hat jeder von Ihnen die Möglichkeit, mit seiner gestalterischen Kraft etwas Positives zu bewirken.

Zur Debatte bieten auch wir Gelegenheit. Insbesondere möchten wir Sie, Frau Rinke, Herr Wahlbuhl, Herr Kreyer, Herr Hengstermann, Herr Claus, neben anderen Entscheidungsträgern zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion einladen. Sie findet am Dienstag, 11. Juni 2002, 19.00 Uhr, im großen Saal des Theaters statt.

Die Stadt feiert ihr 1075jähriges Bestehen. Dazu gratulieren wir ganz herzlich! Die Stadt hat einen großen, neuen Theaterplatz. Darüber freuen wir uns! Lassen Sie es nicht zu, dass man Sie zum 1080jährigen fragen muss: „Wo ist die Klangfülle des Loh-Orchesters, wo die Qualität des Theaters? Wieso ist der Theaterplatz so groß und das Haus dahinter so klein und still?“

Dr. Monika Pirklbauer, Intendantin
Rolf Berninger, Betriebsratsvorsitzender
Matthias Weicker, Orchestervorstandsvorsitzender
Autor: nnz

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