Mo, 18:40 Uhr
03.03.2008
Wohnungslose Wanderer
Nordhausen (nnz). Damals wurden sie Wanderer genannt, hatten aber mit heutigen Rucksacktouristen nichts zu tun. Wohnungslose Menschen gab es zu allen Zeiten. Nie wurden sie so stark verfolgt wie im Nationalsozialismus. Eine Ausstellung erinnert daran.
Schon in der Kaiserzeit waren betteln und Landstreicherei verboten. Wer dabei erwischt wurde, konnte sechs Wochen ins Gefängnis wandern. Spezielle Lager für solche Wanderer gab es schon damals. In der Weimarer Republik waren sie kaum belegt, doch schon 1933 platzten sie aus allen Nähten.
Die Nationalsozialisten verfolgten wohnungs- und arbeitslose Menschen von Anfang an als Asoziale. Waren alle Gefängnisse und Arbeitslager belegt, wurden sie oft auch in Konzentrationslager gebracht und dort mit einem schwarzen Winkel gekennzeichnet. Viele fanden dort den Tod. Auch im Konzentrationslager Dora bei Nordhausen waren 150 bis 200 solcher Asozialer untergebracht.
Eine Ausstellung in der KZ-Gedenkstätte erinnert seit heute an die Verfolgung von Menschen ohne Wohnung. Auf Tafeln werden Einzelschicksale von Wanderarbeitern, Musikern und jungen Frauen dargestellt. Die Praxis der Verfolgung wird unter anderem anhand der Wanderbücher dargestellt. Um die Asozialen zu überwachen, wurde ihnen eine Art Ausweis ausgestellt, in dem sie Übernachtungen und geleistete Arbeit abstempeln lassen mußten. Nicht selten wurden Wohnungslose direkt aus den Unterkünften der Fürsorge abgeholt und inhaftiert.
In einem Vortrag gab der Historiker Dr. Wolfgang Ayaß Einblicke in die Geschichte der nicht seßhaften Menschen in der NS-Zeit. Er stellte eine alles andere als homogene Personengruppe dar, die sich aus Wanderarbeitern, Alkoholikern, Zigeunern, Männern, die keinen Unterhalt zahlen wollten und anderen zusammensetzte. Der Historiker konzipierte die Ausstellung vor 3,5 Jahren zum 50. Jahrestag der Wohnungslosenhilfe. Zu seiner großen Freude verschwand sie danach nicht in einem Archiv, sondern reiste durch ganz Deutschland.
An über 50 Orten wurde sie bereits gezeigt, darunter Obdachloseneinrichtungen, Kirchen und natürlich KZ-Gedenkstätten wie in Nordhausen. Bis zum 20. Mai sind die Tafeln in der Baracke der ehemaligen Dauerausstellung zu sehen. Wer sich danach intensiver mit dem Thema befassen möchte, wird von Gedenkstättenleiter Jens- Christian Wagner in die Bibliothek der Gedenkstätte eingeladen. Dort gibt es zahlreich Literatur, nicht nur zu diesem Thema.
Autor: wfSchon in der Kaiserzeit waren betteln und Landstreicherei verboten. Wer dabei erwischt wurde, konnte sechs Wochen ins Gefängnis wandern. Spezielle Lager für solche Wanderer gab es schon damals. In der Weimarer Republik waren sie kaum belegt, doch schon 1933 platzten sie aus allen Nähten.
Die Nationalsozialisten verfolgten wohnungs- und arbeitslose Menschen von Anfang an als Asoziale. Waren alle Gefängnisse und Arbeitslager belegt, wurden sie oft auch in Konzentrationslager gebracht und dort mit einem schwarzen Winkel gekennzeichnet. Viele fanden dort den Tod. Auch im Konzentrationslager Dora bei Nordhausen waren 150 bis 200 solcher Asozialer untergebracht.
Eine Ausstellung in der KZ-Gedenkstätte erinnert seit heute an die Verfolgung von Menschen ohne Wohnung. Auf Tafeln werden Einzelschicksale von Wanderarbeitern, Musikern und jungen Frauen dargestellt. Die Praxis der Verfolgung wird unter anderem anhand der Wanderbücher dargestellt. Um die Asozialen zu überwachen, wurde ihnen eine Art Ausweis ausgestellt, in dem sie Übernachtungen und geleistete Arbeit abstempeln lassen mußten. Nicht selten wurden Wohnungslose direkt aus den Unterkünften der Fürsorge abgeholt und inhaftiert.
In einem Vortrag gab der Historiker Dr. Wolfgang Ayaß Einblicke in die Geschichte der nicht seßhaften Menschen in der NS-Zeit. Er stellte eine alles andere als homogene Personengruppe dar, die sich aus Wanderarbeitern, Alkoholikern, Zigeunern, Männern, die keinen Unterhalt zahlen wollten und anderen zusammensetzte. Der Historiker konzipierte die Ausstellung vor 3,5 Jahren zum 50. Jahrestag der Wohnungslosenhilfe. Zu seiner großen Freude verschwand sie danach nicht in einem Archiv, sondern reiste durch ganz Deutschland.
An über 50 Orten wurde sie bereits gezeigt, darunter Obdachloseneinrichtungen, Kirchen und natürlich KZ-Gedenkstätten wie in Nordhausen. Bis zum 20. Mai sind die Tafeln in der Baracke der ehemaligen Dauerausstellung zu sehen. Wer sich danach intensiver mit dem Thema befassen möchte, wird von Gedenkstättenleiter Jens- Christian Wagner in die Bibliothek der Gedenkstätte eingeladen. Dort gibt es zahlreich Literatur, nicht nur zu diesem Thema.


