Di, 15:51 Uhr
26.02.2008
Aufgespürt (6): Hier in Nordhausen
Krieg und Frieden – der weltberühmte Roman von Lew Tolstoi ist jedem bekannt. Vom Inhalt her zeitlos und unabhängig von Ländergrenzen. Daher könnte die nachfolgender Geschichte aus dem Jahrbuch des Landkreises Nordhausen 1995 überall passiert sein. Aber, nein! Dies geschah in Nordhausen im April/Mai 1945...
Wie in einem schrecklichen Traum sassen wir eng aneinandergeschmiegt in einem großen Auto voller flüchtender deutscher Soldaten: meine zweiundachtzigjährige Großmutter, meine Mutter, meine aus Schlesien geflohene Schwägerin und ich mit einem Säugling auf dem Schoß und einer kleinen Dreijährigen an meiner Hand. Es war ein Wunder, dass wir dem Keller unseres zerbombten, alten Familienhauses in Nordhausen entkommen waren. Viele Gewölbe in unserer Straße waren unter der Last der zertrümmerten Häuser eingebrochen und hatten die Bewohner erschlagen.
Mitleidig hatten die Soldaten uns einsteigen lassen, nachdem sie uns an der Ecke unserer brennenden Straße, der Löbnitzstraße, entdeckt hatten. Sie hatten uns nicht gesagt, wohin sie fahren wollten, wir hatten sie auch nicht danach gefragt, uns war es ganz gleich, welches Ziel sie ansteuerten, nur fort aus dieser Hölle, aus dieser alten, tausendjährigen thüringischen Heimatstadt, die jetzt im Bombenhagel unterging. – Nur mühsam kam unser Gefährt voran. Die Straße war übersät von Trümmern und gespickt von Geschoss-Trichtern. Es musste Mittag sein, aber der Himmel war schwarzdunkel von Qualm, von Staub und Schutt der Explosionen. Auch in unserem Auto fiel uns das Atmen schwer. So war es im April des Jahres 1945 nach Christi Geburt. Christus, der den Menschen frohe Botschaften von der Liebe verkündet hatte, hatte er umsonst gelebt?...
Diese und andere ergreifende Schicksale Nordhäuser Bürgerinnen und Bürger und vieles Mehr kann man in den Jahrbüchern des Landkreises Nordhausen, erhältlich im Landratsamt Nordhausen, nachlesen.
Quelle: Jahrbuch des Landkreises Nordhausen 1995
Autor: nnzWie in einem schrecklichen Traum sassen wir eng aneinandergeschmiegt in einem großen Auto voller flüchtender deutscher Soldaten: meine zweiundachtzigjährige Großmutter, meine Mutter, meine aus Schlesien geflohene Schwägerin und ich mit einem Säugling auf dem Schoß und einer kleinen Dreijährigen an meiner Hand. Es war ein Wunder, dass wir dem Keller unseres zerbombten, alten Familienhauses in Nordhausen entkommen waren. Viele Gewölbe in unserer Straße waren unter der Last der zertrümmerten Häuser eingebrochen und hatten die Bewohner erschlagen.
Mitleidig hatten die Soldaten uns einsteigen lassen, nachdem sie uns an der Ecke unserer brennenden Straße, der Löbnitzstraße, entdeckt hatten. Sie hatten uns nicht gesagt, wohin sie fahren wollten, wir hatten sie auch nicht danach gefragt, uns war es ganz gleich, welches Ziel sie ansteuerten, nur fort aus dieser Hölle, aus dieser alten, tausendjährigen thüringischen Heimatstadt, die jetzt im Bombenhagel unterging. – Nur mühsam kam unser Gefährt voran. Die Straße war übersät von Trümmern und gespickt von Geschoss-Trichtern. Es musste Mittag sein, aber der Himmel war schwarzdunkel von Qualm, von Staub und Schutt der Explosionen. Auch in unserem Auto fiel uns das Atmen schwer. So war es im April des Jahres 1945 nach Christi Geburt. Christus, der den Menschen frohe Botschaften von der Liebe verkündet hatte, hatte er umsonst gelebt?...
Diese und andere ergreifende Schicksale Nordhäuser Bürgerinnen und Bürger und vieles Mehr kann man in den Jahrbüchern des Landkreises Nordhausen, erhältlich im Landratsamt Nordhausen, nachlesen.
Quelle: Jahrbuch des Landkreises Nordhausen 1995

