Mo, 12:48 Uhr
11.02.2008
Das KZ des Totalen Krieges
International hat die neue Dauerausstellung in der Gedenkstätte Mittelbau-Dora große Beachtung gefunden. Erstmals wird darin die Geschichte des letzten von den Nationalsozialisten gegründeten Konzentrationslagers in ihrer ganzen Bandbreite erzählt. Nun liegt auch der Begleitband zur Ausstellung vor. Die nnz mit einem ersten Über- und Einblick dazu.
Cover (Foto: Gedenkstätte)
Ausführlich wird in dem von Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner herausgegebenen Band die Geschichte Mittelbau-Doras von der Gründung als Außenlager des KZ Buchenwald über die Verselbstständigung zum KZ Mittelbau im Herbst 1944 bis zur Ausdehnung des Lagerkomplexes über den ganzen Harz bis zum Frühjahr 1945 erzählt. Auf der Höhe der internationalen Forschung wird Mittelbau-Dora im Kontext des von der Nationalsozialisten propagierten Totalen Krieges verortet. Schwerpunkte bilden dabei die Erfahrungen der Häftlinge und der Blick auf die Täter, Mittäter und Zuschauer.
Zahlreiche mit Fotos und Dokumenten versehene Biografien von Häftlingen zeigen auf, wie willkürlich die SS Menschen aus allen Teilen Europas in das KZ Mittelbau-Dora verschleppte und unter welchen Bedingungen sie für die deutsche Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leisten mussten. Verbrechen gab es nicht ohne Täter. Es werden in dem Band jedoch nicht nur SS-Schläger vorgestellt, sondern auch Ingenieure, Manager und Wissenschaftler, ohne deren Tätigkeit der Lagerbetrieb nicht funktioniert hätte. Auch die Motivation von Unternehmern, die in ihren Betrieben KZ-Zwangsarbeiter ausbeuteten, wird hinterleuchtet.
Ein längeres Kapitel widmet sich der Nachkriegszeit. Es wird von der nur unzureichenden justiziellen Aufarbeitung der Verbrechen wie von den Nachkriegskarrieren von Ingenieuren und Managern erzählt, etwa von Wernher von Braun oder Karl Maria Hettlage – Vater der amerikanischen Mondrakete der eine, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium der andere. Zur Nachkriegsgeschichte gehören auch der Umgang mit den Lagern nach 1945 und die Geschichte der Gedenkstätte Mittelbau-Dora, die in DDR-Zeiten ähnlich wie Buchenwald für parteipolitische Ziele der SED instrumentalisiert wurde.
Ein Überblick über die 40 Außenlager Mittelbau-Doras mit Angaben zu Belegstärken, SS-Personal, Todeszahlen, Orten der Zwangsarbeit und Gedenken nach 1945 schließt den Band ab. Deutlich wird, wie eng sich das Netz der Mittelbau-Lager bei Kriegsende über den Harz gezogen hat und wie zahlreich auch heute noch die Spuren der Verbrechen sind.
Der Begleitband zur Ausstellung umfasst 212 Seiten und enthält 238 teils farbige Abbildungen, darunter viele historische Fotos und Dokumente, die erst in den vergangenen Jahren aus internationalen Archiven beschafft werden konnten oder von KZ-Überlebenden zur Verfügung gestellt wurden.
Konzentrationslager Mittelbau-Dora 1943-1945. Begleitband zur ständigen Ausstellung in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, hrsg. von Jens-Christian Wagner, Wallstein-Verlag (Göttingen), ISBN 978-3-8353-0118-4; 14,00 Euro
Autor: nnz
Cover (Foto: Gedenkstätte)
Ausführlich wird in dem von Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner herausgegebenen Band die Geschichte Mittelbau-Doras von der Gründung als Außenlager des KZ Buchenwald über die Verselbstständigung zum KZ Mittelbau im Herbst 1944 bis zur Ausdehnung des Lagerkomplexes über den ganzen Harz bis zum Frühjahr 1945 erzählt. Auf der Höhe der internationalen Forschung wird Mittelbau-Dora im Kontext des von der Nationalsozialisten propagierten Totalen Krieges verortet. Schwerpunkte bilden dabei die Erfahrungen der Häftlinge und der Blick auf die Täter, Mittäter und Zuschauer.Zahlreiche mit Fotos und Dokumenten versehene Biografien von Häftlingen zeigen auf, wie willkürlich die SS Menschen aus allen Teilen Europas in das KZ Mittelbau-Dora verschleppte und unter welchen Bedingungen sie für die deutsche Rüstungsindustrie Zwangsarbeit leisten mussten. Verbrechen gab es nicht ohne Täter. Es werden in dem Band jedoch nicht nur SS-Schläger vorgestellt, sondern auch Ingenieure, Manager und Wissenschaftler, ohne deren Tätigkeit der Lagerbetrieb nicht funktioniert hätte. Auch die Motivation von Unternehmern, die in ihren Betrieben KZ-Zwangsarbeiter ausbeuteten, wird hinterleuchtet.
Ein längeres Kapitel widmet sich der Nachkriegszeit. Es wird von der nur unzureichenden justiziellen Aufarbeitung der Verbrechen wie von den Nachkriegskarrieren von Ingenieuren und Managern erzählt, etwa von Wernher von Braun oder Karl Maria Hettlage – Vater der amerikanischen Mondrakete der eine, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium der andere. Zur Nachkriegsgeschichte gehören auch der Umgang mit den Lagern nach 1945 und die Geschichte der Gedenkstätte Mittelbau-Dora, die in DDR-Zeiten ähnlich wie Buchenwald für parteipolitische Ziele der SED instrumentalisiert wurde.
Ein Überblick über die 40 Außenlager Mittelbau-Doras mit Angaben zu Belegstärken, SS-Personal, Todeszahlen, Orten der Zwangsarbeit und Gedenken nach 1945 schließt den Band ab. Deutlich wird, wie eng sich das Netz der Mittelbau-Lager bei Kriegsende über den Harz gezogen hat und wie zahlreich auch heute noch die Spuren der Verbrechen sind.
Der Begleitband zur Ausstellung umfasst 212 Seiten und enthält 238 teils farbige Abbildungen, darunter viele historische Fotos und Dokumente, die erst in den vergangenen Jahren aus internationalen Archiven beschafft werden konnten oder von KZ-Überlebenden zur Verfügung gestellt wurden.
Konzentrationslager Mittelbau-Dora 1943-1945. Begleitband zur ständigen Ausstellung in der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora, hrsg. von Jens-Christian Wagner, Wallstein-Verlag (Göttingen), ISBN 978-3-8353-0118-4; 14,00 Euro

