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Di, 08:15 Uhr
15.01.2008

Hilfe zur Selbsthilfe (7)

Das Ehrenamt hat auch im Landkreis Nordhausen viele Gesichter. Zum Beispiel arbeiten hunderte Frauen und Männer in Selbsthilfegruppen. Eine weitere Folge unserer Serie „Hilfe zur Selbsthilfe“ beschäftigt sich mit der Selbsthilfegruppe „Hilfe für das autistische Kind“.


Amtsärztin des Landratsamt Nordhausen, Ingrid Francke erklärt: „Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die auf einer veränderten Wahrnehmung der eigenen Person und der Umwelt beruht.“ Erkennbar ist dies zum Beispiel an einer qualitativen Beeinträchtigung in der Beziehung zu anderen Menschen, denn ein Autist kann nur schwer die Gefühle, Mimik und Gestik anderer einschätzen. Auch ist die Kommunikation gestört, 50 % lernen nie sprechen, andere haben eine große Redegewandtheit, können diese aber oft nicht der Situation entsprechend anwenden. Auffällig sind ebenfalls das begrenzte Repertoire an Interessen und Aktivitäten und das Beharren darauf. Nicht zuletzt kommen noch unspezifische Probleme wie z. B. Epilepsie, Angstzustände, Aggressionen, Schlaf- und Eßstörungen hinzu.

Diese Umstände machen den Alltag mit einem autistischen Kind nicht einfach. Deshalb haben im Juni 2000 einige Eltern den Regionalverband Südharz „Hilfe für das autistische Kind“ e.V. als Selbsthilfegruppe gegründet. Wir sind derzeit 37 Mitglieder und neben 47 weiteren Regionalverbänden mit mehr als 5000 Mitgliedern im Bundesverband „autismus Deutschland“ vertreten.

„Natürlich schaffen wir das alles nicht allein, wir haben wichtige Partner an unserer Seite, wo autistische Kinder, Jugendliche und Erwachsene Förderung nach dem TEACCH-Konzept erhalten“, erklärt Simone Urban, Vorsitzende des Regionalverbandes Südharz. Dabei wird vor allem auf den Stärken und Interessen der Betroffenen aufgebaut. Nichtsprechende Autisten lernen alternative Kommunikationsmöglichkeiten zu nutzen.

Neben der Einzelförderung gibt es kleinere Gruppen, wo soziale Regeln erklärt und der angemessene Umgang miteinander geübt werden. Ein weiteres wichtiges Förderziel ist die Erlangung von Selbständigkeit in Alltagshandlungen z. B. Ankleiden, Hauswirtschaft, oder Wege erledigen. Visuelle Verstehenshilfen, wie Fotos oder Piktogramme und zeitstrukturierende Maßnahmen bilden einen wichtigen Aspekt des Lernens für Autisten. All dies trägt wesentlich zur Erleichterung der Familiensituation bei. Die Eltern werden außerdem in Seminaren zu speziellen Problemen geschult. Auch in Krisensituationen können sich die Familien dorthin und natürlich an uns wenden.

So werden jährlich gesellige Sommerpicknicks, Elterncafés, einen Gesprächskreis mit Fachleuten, themenbezogene Elterntreffen, eine Weihnachtsfeier und andere gemeinsame Unternehmungen veranstaltet. Im Jahr 2005 initiierten wir zum ersten Mal eine größere Reise an die Ostsee. In Eigeninitiative richteten sie sich 2005 im Apartmenthaus Sülzhayn The Ark ein Vereinszimmer ein.

Ein wichtiges Ziel der Selbsthilfegruppe ist es, durch Information und Aufklärungsarbeit auf die Probleme autistischer Menschen und ihrer Angehörigen aufmerksam zu machen und eine Integration in die Gesellschaft zu erreichen. Erfahrungsgemäß ist das gemeinsame Lernen und Arbeiten von Autisten mit nicht behinderten Menschen zum beiderseitigen Vorteil, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden. Sorge bereitet ihnen auch die Wohnsituation. In der Regel können Autisten nicht ohne fremde Hilfe leben, aber die derzeitigen Möglichkeiten betreuten Wohnens entsprechen nur selten den Vorstellungen der Eltern und Bedürfnissen der Betroffenen. Es bleibt also noch viel zu tun!

Dass das Leben mit einem autistischen Kind durchaus spannend und lustig ist, kann der interessierte Leser aus einem Buch des Regionalverbandes erfahren, das im Herbst 2007 im Verlag Kleine Wege erschienen ist.

Kontakt: Simone Urban, Tel. 03631/89572, Fax: 03631/981041, email: vorstand-rv@autimsus-nordhausen.de; Internet: www.autismus-nordhausen.de oder über das Vereinsapartment The ARK, Dr. Kremser-Straße 42, 99755 Sülzhayn
Autor: nnz

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