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Mo, 08:36 Uhr
08.04.2002

JS-special: Kein Elektrosmog-Risiko?

Nordhausen (nnz). Im Februar hatte sich nnz mehrmals mit dem Thema möglicher Gesundheitsgefahren durch elektromagnetische Felder bei Handys und Sendeanlagen beschäftigt (siehe Archiv). Die Frage ist nach wie vor aktuell.


Dabei sollte es doch eigentlich keinen Klärungsbedarf mehr geben, denn "gerade rechtzeitig zur Cebit", also Anfang März, erschien eine Studie der Rheinisch-Westfälischen TH Aachen im Auftrag des Verbandes Deutscher Elektrotechniker (VDE), die zu dem Ergebnis kommt, dass von Handys und den Sendemasten für ihren Betrieb keine Gefahren für die menschliche Gesundheit ausgehen. Für die Studie wurden die 62 wichtigsten Untersuchungen der letzten Jahre zum Thema "Mobilfunk und Gesundheit" ausgewertet.

So weit, so gut. Gerade aber jene Formulierung "gerade rechtzeitig zur CeBIT" ist nicht geeignet, dieser Studie mit ihrer geradezu langschweifigen Erläuterung uneingeschränktes Vertrauen entgegen zu bringen. Umso mehr, als es auch da als Einschränkung heißt: "Nach Ansicht einer Mehrheit von Experten", sind Handys und Sendemasten jedoch unschädlich. Es ist auch nicht nachvollziehbar, warum sich bei dem Ergebnis dieser Studie die Hersteller von Handys gegen die Absicht des Bundesumweltministers wehren, ein Öko-Label für strahlungsarme Handys einzuführen. Und "vorsorgliche" Maßnahmen bei der Verwendung von Handys angeraten werden.

Zu den Sendestationen äußern die Wissenschaftler, dass von den Mobilfunk-Basisstationen ebenfalls keine Gesundheitsgefahren ausgehen. Deren elektromagnetische Felder seien 10 000 mal schwächer als die Handy-Felder, wodurch entsprechende Effekte "sehr unwahrscheinlich" sein sollen. Dazu wird wiederum "rein vorsorglich" geraten, solche Stationen nicht in unmittelbarer Nähe von Kindergärten zu errichten. Dazu liegt nnz inzwischen eine Zuarbeit des MdB Gerhard Jüttemann (Liste PDS) vor, die im Beitrag vom 16. Februar angekündigt worden war. Es handelt sich dabei um das Ergebnis einer Tagung zu diesem Thema der Evangelischen Akademie Loccum. Diese Darstellung gibt das derzeitige Ausmaß der Sendeanlagen wider: "Für den Mobilfunk und seine vier flächendeckenden Netze gibt es gegenwärtig in Deutschland etwa 40 000 Basisstaionen. Mit dem geplanten Ausbau nach dem UMTS-Standard wird sich deren Zahl in den nächsten Jahren mindestens verdoppeln, nach anderen Schätzungen gar verdreifachen. Nach Angaben der Deutschen Telekom AG wird die räumliche Verteilung der UMTS-Sendeanlagen Rasterabstände von 500 bis 600 Metern in Städten mit hoher Einwohnerdichte und von 1000 bis 1200 Metern in Randbereichen erfordern." Weiter heißt es in diesem Statement: "Kirchtürme und Kirchendächer sind wegen ihrer Höhe bei den Mobilfunkbetreibern als Basis für die Sendeanlagen sehr beliebt. Den Kirchen ihrerseits kommen die Mieteinnahmen in Höhe von bis zu 5000 Euro im Jahr bei dem oft schlechten Erhaltungszustand der vielfach denkmalgeschützten Gebäude sehr gelegen. Wohin die Entwicklung geht, zeigt uns das Bistum Münster, wo laut einer Dokumentation des Evangelischen Pressedienstes bereits in einem Viertel der 900 Kirchen eine Sendeanlage eingebaut ist".

Trotz aller Studien und Beschwichtigungen zur Frage der von diesen Anlagen ausgehenden Risiken gibt es nach jenem Statement Tausende Bürgerinitiativen im Lande, die inzwischen für die Einführung von Vorsorgegrenzwerten und die Beteiligung der Betroffenen an den Standortentscheidungen für die Sendeanlagen kämpfen. Dass die PDS im Bundestag die Interessen besorgter Bürger vertritt, etwa durch ihren Antrag "Mobilfunkstrahlung minimieren - Vorsorge stärken" sei an Rande vermerkt.

Die Diskussionen um das Für und Wider von Gefahren durch Handys und Sendeanlagen sind also durch jene Studie und die Beteuerungen während der Cebit durchaus nicht geringer geworden oder gar verstummt. Die Fachhochschule Nordhausen (FHN) will nun zur Lösung dieses Problemkomplexes durch ihre IMPULSE-Vortragsreihe beitragen und wird den nächsten Vortrag diesem Thema widmen. Der Referent, dessen Zusage man erwartet, soll ein wirklich kompetenter Vertreter aus dem Bereich der Forschung auf diesem Gebiet sein. Wie von der FHN zu erfahren war, wird dieser hochaktuelle Vortrag noch in diesem Monat stattfinden. nnz wird dazu berichten.
Autor: nnz

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