eic kyf msh nnz uhz tv nt
Do, 15:17 Uhr
16.11.2000

Wildschweine im Harz erneut erheblich radioaktiv belastet

Nordhausen/Hannover (nnz). Mehr als 14 Jahre nach der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl ist das Fleisch der Wildschweine im Harz zum Teil wieder erheblich mit radioaktivem Cäsium kontaminiert. Darüber berichtete die Frankfurter Rundschau in ihrer gestrigen Ausgabe. Die Belastung liege bei manchen Tieren um mehr als das Achtfache über den zulässigen Grenzwerten, bestätigte der Leiter des Staatlichen Veterinäruntersuchungsamtes in Hannover, Jörg Pohlschmidt, auf Anfrage der nnz. Bislang seien rund 100 belastete Tiere, die in staatlichen Forstämtern geschossen wurden, aus dem Verkehr gezogen und zum Abdecker gebracht worden. Pohlschmidt gab zugleich aber auch eine Entwarnung heraus. Seit Oktober seien keine übermäßigen Belastungen gemessen worden. Das hänge damit zusammen, daß die Wildschweine wieder vermehrt Baumfrüchte fressen könnten. Nur beim Fressen von Wurzeln könne es zur Aufnahme von Cäsium kommen.
Die Cäsium-Kontaminierung des Schwarzwildes sei bei Routine-Kontrollen entdeckt worden, sagte Pohlschmidt. Daraufhin habe seine Behörde die Forstämter im Harz angewiesen, alle erlegten Wildscheine untersuchen zu lassen. Eine ähnlich hohe Belastung wie in diesem Jahr sei bereits nach den Wintern 1991/92 und 1995/96 festgestellt worden. Auch damals habe es wie im vorigen Winter für die Wildscheine kaum Kastanien, Eicheln oder Bucheckern als Futter gegeben. Vor allem in Teilen des Südharzes hatte es nach der Tschernobyl-Katastrophe erheblichen radioaktiven Niederschlag gegeben. Meßstellen befanden sich aber nur im westlichen Teil des Harzes bei Osterode und Bad Harzburg.
In Thüringen wurden bislang keine Untersuchungen oder Stichproben von Wildschweinen vorgenommen, bestätigte Dr. Dietmar Weidensdorfer vom Nordhäuser Landratsamt der nnz auf Anfrage. Eine ähnliche Antwort kam auch aus dem Landesverwaltungsamt Weimar. Hier ging Dr. Schüler zwar von einer vorhandenen Grundbelastung aus, doch eine Gefahr beim Verzehr von Wildschweinfleisch schließe er aus.
Die Rückstände stammten zum Teil aber auch noch von oberirdischen Atombomben-Versuchen in den 60er Jahren, so Pohlschmidt. Teilweise sei in den obersten zehn Zentimetern des Waldbodens noch 90 Prozent der ursprünglichen Belastung gespeichert. Denn im Humus sinke das Cäsium nicht in untere Schichten ab. Daher könne es auch in künftigen Jahren, in denen Wildschweine wegen fehlender Eichen- oder Buchenmast im Boden nach Futter suchen, erneut zu einer radioaktiven Kontaminierung der Tiere kommen.
Im Thüringer Ministerium für Soziales und Gesundheit war ebenfalls nichts bekannt. Messungen oder Stichproben im Südharz hätte es zwar nicht gegeben, doch bei einer Überschreitung der Grenzwerte wäre auf jeden Fall eine länderübergreifende Information erfolgt, so die zuständige Referatsleiterin, Frau Dr. Schindler auf Nachfrage.
Autor: psg

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)