So, 21:07 Uhr
16.12.2007
nnz on tour: Alpen Spezial 2007 (1)
Gähnende Abgründe, Regen, Schnee, Eiseskälte und am Ende ein verdientes Bad bei schönstem Sonnenschein im Pool - auch in diesem Jahr ging es wieder mit dem Fahrrad über die Alpen, inzwischen zum vierten Mal. Zumindest für Volker und Mike. René fuhr in diesem Jahr nicht mit, dafür kam Anastazia mit, die Freundin von Mike. Für sie war es die erste Alpenüberquerung.
Dieses Jahr hatten wir uns eine Tour ausgesucht, die von Oberstdorf nach Riva del Garda führte. In weiten Teilen ist es die unter dem Namen (Andi) »Heckmair-Route« bekannte westliche Überquerung der Zentralalpen. Wir hatten sie an einigen Stellen leicht modifiziert, um die Gesamthöhenmeter etwas zu reduzieren. Wie jede gute Alpenüberquerung begann sie in Deutschland, ging durch Österreich sowie die Schweiz und endete in Italien am Gardasee. Vor uns lagen etwas mehr als 400 Kilometer mit gut 11.500 Höhenmetern. Wie immer sollte es auf Straßen, Schotterpisten, Wanderwegen und Trails nicht um die Berge herum, sondern über sie drüber gehen. Weit weg von einer Fahrradtour, eher ein hochalpines Unternehmen mit Bike.
18. August 2007 Oberstdorf – Dalaas
Oberstdorf – Schrofen Pass – Warth – Lech – Zug – Freiburger Hütte – Dalaas
Aller Anfang war schwer und so quälten wir uns an diesem ersten Tag viel zu früh aus dem Bett hinein in die Radklamotten. Nachdem der Körper dank Kaffee auf Betriebstemperatur gebracht worden war, machte sich unser Triplet auf den Weg zum S-Bahnhof. Da aber bekanntlich keine Fahrt ohne eine kleine Katastrophe beginnen kann und darf, schafften auch wir es nicht so recht uns gegen diese Tradition zu wehren. Natürlich verpassten wir die von uns geplante S-Bahn. Dies stellte sich dann doch als Glück im Unglück dar, da wir feststellen durften das Volker das wichtigste Dokumentationswerkzeug vergessen hatte. Ohne Fotokamera loszufahren, was für ein schrecklicher Gedanke! Nie hätte jemand von unseren glorreichen Taten erfahren! So jedoch konnte der Fehler mit etwas Wadenschweiß noch rechtzeitig behoben werden.
Die ersten Kühe sichteten wir dieses Jahr gegen 8 Uhr. Oberstdorf erreichten wir nach dreimaligem umsteigen um 10:08 Uhr, aber auch das nicht ohne eine gewisse Dramatik. Sechs Kilometer vor Oberstdorf blieb der Zug stehen, ein anderer Zug war liegen geblieben und es gab nur ein Gleis. Es sah kurz so aus, als ob unsere Tour schon in Fischen beginnen sollte. Bis zu den Ohren bepackt und voller Tatendrang wollten wir uns schon Autonom auf den Weg machen, als die Fahrt dann doch weiterging.
Das ganze Durcheinander war wohl Für einige der Reisenden etwas zu kompliziert und viel zu Verwirrend. Sie stiegen in den falschen (unseren) Zug ein, machten dann einen Riesenaufstand, und gaben die Schuld der Schaffnerin. Diese hielt dann extra beim nächsten Halt den entgegenkommenden IC nach Hamburg an so dass die Leute umsteigen konnten.
In Oberstdorf angekommen, stellten sich ersten zehn Kilometer als recht gemächlich heraus. Nur zwei Prozent Steigung. Dann ging es aber los und der Berg setzt unserem Müßiggang ein Ende. Mittag gab es gegen zwölf Uhr auf der »Schwarzen Hütte« auf 1242 Metern Höhe. Der geplante Festschmaus zum Tourauftakt fiel dann aber doch magerer als gedacht aus. Eher lausig – Schinkenbrot für Mike und Volker, etwas Käsebrot für Anastazia.
Es ging weiter hinauf zum »Schrofen Pass«. Und schon standen wir schneller als gedacht vor der nächsten Herausforderung. Der für uns sichtbare Weg und die Linie auf dem GPS wollten so gar nicht zusammen passen. Ungläubiges Kopfkratzen und Nachfragen bei anderen Bikern machten das ganze nicht wirklich besser. Der sichtbare Weg und die Linie auf dem GPS stimmten nicht überein. Laut Daten mussten wir nach links, zu sehen war dort aber nur eine Felswand. Als wir dann von einem anderen Biker auch noch Wörter wie »Pfad« und »Leitern« aufschnappten, hatte das noch mehr ungläubige Gesichtsausdrücke unsererseits zur Folge. »No Way«, das dachten wir zumindest.
Beim Hochschieben stellte sich langsam heraus, dass da links in der Felswand doch ein schmaler Pfad war. In der Tourbeschreibung stand ja auch etwas von Tragen und am Seil festhalten.
Die Seile kamen, genau so wie die Leitern. Beides mehr oder weniger zusammen und an einer mehr als »spannenden« Stelle. Wir fädelten wir uns und unsere Bikes, über den in die Felswand geschnittenen Pfad und krabbelten ganz nebenbei auch noch über eine wackelige Leiter.
Darunter ging es ein paar hundert Meter nach unten und rechts war nur ein dünnes Seil, um etwas Halt zu finden. Also, auf der einen Seite das Seil und auf der anderen das Fahrrad, unter uns eine kleine Leiter und noch weiter unten der Abgrund. Grenzwertig!
Auch ohne Leiter war der Pfad schon eher eine Zumutung für Fahrradfahrer. Stellenweise war er so schmal, dass das Fahrrad nicht neben uns passte. Also tragen. Fast ganz nebenbei ging es auch noch steil nach oben. Anastazia verlor beim Überqueren der zweiten Leiter (ja, es gab zwei) ihr Rücklicht. Wir sahen es nur nach unten plumpsen.
Oben angekommen nahm das Schieben kein Ende. In guter Tradition schoben wir die ersten 100 Höhenmeter auch wieder runter.
Etwas später und 400 Höhenmeter tiefer ging es vorerst mit leichtem Anstieg weiter hinauf zur Freiburger Hütte. Natürlich blieb es kein flacher Anstieg, aber der Weg zur 1900 Meter hoch gelegenen Hütte war in weiten Teilen (für Mike überall) fahrbar. Kurz vor der Hütte erfreute ein türkis blauer Bergsee unser Auge.
An der Hütte selbst hielten wir uns nicht lange auf. Es war schon spät und wir wollten noch nach Dalaas.
Der Weg nach unten fing als breite Schotterstraße viel versprechend an. Nach einer kleinen Hütte war allerdings Schluss mit fahren und wir mussten locker eine Stunde den steinigen Pfad nach unten schieben. Natürlich konnte man (wenn man konnte) ab und zu auch ein paar Meter fahren, aber wirklich besser wurde es erst kurz vor Dalaas. Mike versuchte zwar bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf sein Bike aufzusitzen, dies nahm aber je nach Untergrundbeschaffenheit einen mehr oder weniger graziösen Ausgang. Im großen und ganzen stellte sich dieser Abschnitt als sehr anspruchsvoll heraus. Anastazia wünschte sich zum ersten mal Wanderschuhe.
Die Pension »Erne« erreichten wir kurz vor 19 Uhr.
Autor: vgfDieses Jahr hatten wir uns eine Tour ausgesucht, die von Oberstdorf nach Riva del Garda führte. In weiten Teilen ist es die unter dem Namen (Andi) »Heckmair-Route« bekannte westliche Überquerung der Zentralalpen. Wir hatten sie an einigen Stellen leicht modifiziert, um die Gesamthöhenmeter etwas zu reduzieren. Wie jede gute Alpenüberquerung begann sie in Deutschland, ging durch Österreich sowie die Schweiz und endete in Italien am Gardasee. Vor uns lagen etwas mehr als 400 Kilometer mit gut 11.500 Höhenmetern. Wie immer sollte es auf Straßen, Schotterpisten, Wanderwegen und Trails nicht um die Berge herum, sondern über sie drüber gehen. Weit weg von einer Fahrradtour, eher ein hochalpines Unternehmen mit Bike.
18. August 2007 Oberstdorf – Dalaas
Oberstdorf – Schrofen Pass – Warth – Lech – Zug – Freiburger Hütte – Dalaas
Aller Anfang war schwer und so quälten wir uns an diesem ersten Tag viel zu früh aus dem Bett hinein in die Radklamotten. Nachdem der Körper dank Kaffee auf Betriebstemperatur gebracht worden war, machte sich unser Triplet auf den Weg zum S-Bahnhof. Da aber bekanntlich keine Fahrt ohne eine kleine Katastrophe beginnen kann und darf, schafften auch wir es nicht so recht uns gegen diese Tradition zu wehren. Natürlich verpassten wir die von uns geplante S-Bahn. Dies stellte sich dann doch als Glück im Unglück dar, da wir feststellen durften das Volker das wichtigste Dokumentationswerkzeug vergessen hatte. Ohne Fotokamera loszufahren, was für ein schrecklicher Gedanke! Nie hätte jemand von unseren glorreichen Taten erfahren! So jedoch konnte der Fehler mit etwas Wadenschweiß noch rechtzeitig behoben werden.
Die ersten Kühe sichteten wir dieses Jahr gegen 8 Uhr. Oberstdorf erreichten wir nach dreimaligem umsteigen um 10:08 Uhr, aber auch das nicht ohne eine gewisse Dramatik. Sechs Kilometer vor Oberstdorf blieb der Zug stehen, ein anderer Zug war liegen geblieben und es gab nur ein Gleis. Es sah kurz so aus, als ob unsere Tour schon in Fischen beginnen sollte. Bis zu den Ohren bepackt und voller Tatendrang wollten wir uns schon Autonom auf den Weg machen, als die Fahrt dann doch weiterging.
Das ganze Durcheinander war wohl Für einige der Reisenden etwas zu kompliziert und viel zu Verwirrend. Sie stiegen in den falschen (unseren) Zug ein, machten dann einen Riesenaufstand, und gaben die Schuld der Schaffnerin. Diese hielt dann extra beim nächsten Halt den entgegenkommenden IC nach Hamburg an so dass die Leute umsteigen konnten.
In Oberstdorf angekommen, stellten sich ersten zehn Kilometer als recht gemächlich heraus. Nur zwei Prozent Steigung. Dann ging es aber los und der Berg setzt unserem Müßiggang ein Ende. Mittag gab es gegen zwölf Uhr auf der »Schwarzen Hütte« auf 1242 Metern Höhe. Der geplante Festschmaus zum Tourauftakt fiel dann aber doch magerer als gedacht aus. Eher lausig – Schinkenbrot für Mike und Volker, etwas Käsebrot für Anastazia.
Es ging weiter hinauf zum »Schrofen Pass«. Und schon standen wir schneller als gedacht vor der nächsten Herausforderung. Der für uns sichtbare Weg und die Linie auf dem GPS wollten so gar nicht zusammen passen. Ungläubiges Kopfkratzen und Nachfragen bei anderen Bikern machten das ganze nicht wirklich besser. Der sichtbare Weg und die Linie auf dem GPS stimmten nicht überein. Laut Daten mussten wir nach links, zu sehen war dort aber nur eine Felswand. Als wir dann von einem anderen Biker auch noch Wörter wie »Pfad« und »Leitern« aufschnappten, hatte das noch mehr ungläubige Gesichtsausdrücke unsererseits zur Folge. »No Way«, das dachten wir zumindest.
Beim Hochschieben stellte sich langsam heraus, dass da links in der Felswand doch ein schmaler Pfad war. In der Tourbeschreibung stand ja auch etwas von Tragen und am Seil festhalten.
Die Seile kamen, genau so wie die Leitern. Beides mehr oder weniger zusammen und an einer mehr als »spannenden« Stelle. Wir fädelten wir uns und unsere Bikes, über den in die Felswand geschnittenen Pfad und krabbelten ganz nebenbei auch noch über eine wackelige Leiter.
Darunter ging es ein paar hundert Meter nach unten und rechts war nur ein dünnes Seil, um etwas Halt zu finden. Also, auf der einen Seite das Seil und auf der anderen das Fahrrad, unter uns eine kleine Leiter und noch weiter unten der Abgrund. Grenzwertig!
Auch ohne Leiter war der Pfad schon eher eine Zumutung für Fahrradfahrer. Stellenweise war er so schmal, dass das Fahrrad nicht neben uns passte. Also tragen. Fast ganz nebenbei ging es auch noch steil nach oben. Anastazia verlor beim Überqueren der zweiten Leiter (ja, es gab zwei) ihr Rücklicht. Wir sahen es nur nach unten plumpsen.
Oben angekommen nahm das Schieben kein Ende. In guter Tradition schoben wir die ersten 100 Höhenmeter auch wieder runter.
Etwas später und 400 Höhenmeter tiefer ging es vorerst mit leichtem Anstieg weiter hinauf zur Freiburger Hütte. Natürlich blieb es kein flacher Anstieg, aber der Weg zur 1900 Meter hoch gelegenen Hütte war in weiten Teilen (für Mike überall) fahrbar. Kurz vor der Hütte erfreute ein türkis blauer Bergsee unser Auge.
An der Hütte selbst hielten wir uns nicht lange auf. Es war schon spät und wir wollten noch nach Dalaas.
Der Weg nach unten fing als breite Schotterstraße viel versprechend an. Nach einer kleinen Hütte war allerdings Schluss mit fahren und wir mussten locker eine Stunde den steinigen Pfad nach unten schieben. Natürlich konnte man (wenn man konnte) ab und zu auch ein paar Meter fahren, aber wirklich besser wurde es erst kurz vor Dalaas. Mike versuchte zwar bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf sein Bike aufzusitzen, dies nahm aber je nach Untergrundbeschaffenheit einen mehr oder weniger graziösen Ausgang. Im großen und ganzen stellte sich dieser Abschnitt als sehr anspruchsvoll heraus. Anastazia wünschte sich zum ersten mal Wanderschuhe.
Die Pension »Erne« erreichten wir kurz vor 19 Uhr.




















