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Mi, 07:16 Uhr
24.10.2007

Mit der "Naturschule lernen"

Nordhausen (nnz). Fragt man nach dem "Olitätenland Thüringen", so erntet man von vielen Thüringerinnen und Thüringern nur fragende Blicke. Dabei waren Thüringer Olitäten weit über die Grenzen Thüringens hinaus in ganz Europa bekannt. Ein Gastbeitrag von Frithjof Kühnert.


Die Olitäten gelangten über die holländische Handelsflotte in die ganze Welt. Solche Schmuckstücke Thüringer Geschichte und Tradition sind im Laufe der Jahre in Vergessenheit geraten. Das Projekt "Naturschule lernen" des Thüringerwald-Vereins will das verschollene Wissen wieder mit Leben füllen und Interessierten zugänglich machen.

Was genau sind Olitäten? Es handelt sich um Naturheilmittel, deren Grundlage Kräuter, Wurzeln, Baumrinden, Kusteln (Tannzapfen) und Beeren bilden. Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts transportierten Buckelapotheker ihre Öle, Essenzen, Seifen, Tinkturen und Pillen ins Umland und weit über die Grenzen Thüringens hinaus. Sie nahmen dabei lange und anstrengende Fußmärsche auf sich, denn ihre Waren trugen sie selbst – auf einem hölzernen Tragegestell, dem sogenannten Reff.

Wanderer haben seit 2005 die Möglichkeit, einen 170 km umfassenden Olitäten-Rundwanderweg zu erwandern. Der Weg führt durch die wunderschöne Landschaft des Thüringer Waldes vorbei an vielen Sehenswürdigkeiten. Ein gutes Stück Weges durch den Thüringer Kräutergarten kann man auch mit der Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn zurücklegen. Unterwegs bieten sich vielfältige Möglichkeiten, die Kräuter und die daraus hergestellten Produkte kennen zu lernen.

Vielleicht trifft man ja den einen oder anderen Buckelapotheker oder sogar eine Kräuterhexe (heute durch die Museen angestellt). Von den Museen organisierte Kräuterseminare und traditionelle Kräuterfester bieten dem interessierten Besucher einen Schlüssel in das Reich der Buckelapotheker und Kräuterhexen. Der Kräuterwanderweg lässt sich in mehreren Etappen erlaufen. Zahlreiche Pensionen, Hotels, Gasthäuser und Ferienwohnungen bieten Nachtquartier und ein Stück Thüringer Gastlichkeit.

Ein ganz besonderes Kleinod des Kräuterwanderwegs ist Schmiedefeld auf der Saalfelder Höhe. Nicht nur die Landschaft ist traumhaft, sondern der Ort beherbergt auch das Kräuter- und Olitätenmuseum "Beim Giftmischer". Dort wird seit der Eröffnung 2004 alles zusammengetragen, was mit der traditionellen Herstellung von Olitäten zu tun hat. Die Besucher erfahren viele Geschichten rund um den Buckelapotheker und sein Handwerk – die Herstellung von Naturheilmitteln. Das Museum ist die Produktionsstätte des vermutlich letzten Olitätenherstellers und -händlers Thüringens, Oswald Unger. Er widmete sich der Produktion und dem Verkauf von Olitäten bis zu seinem Tod 1969. In der Bevölkerung wurde er auch scherzhaft "Giftmischer" genannt.

Daher stammt auch der Name des Museums: "Beim Giftmischer". Viele der originalen Einrichtungen, darunter Flaschen und Gefäße mit alten Essenzen, sind erhalten geblieben. Auch eine Destille, eine Abfüllanlage, Mischbottiche und sogar eine Etikettendruckmaschine sind Teil des Museums. Die Ausstellung erstreckt sich vom Keller, wo Seminare und Kräutervorträge gehalten werden, bis unters Dach – dort ist ein prächtiger Kräuterboden eingerichtet. Immer wieder werden alte Raritäten entdeckt und Stück für Stück in die Ausstellung eingearbeitet.

Das Museum und der Olitätenwanderweg, der 15 km durch das Gebiet Lichtetal am Rennsteig im Bereich Lichte und Schmiedefeld führt, sind ein Gewinn für die ganze Region. Eines der Highlights ist das Programm von "Naturschule lernen". Zu vielen spannenden Themen werden Seminare und geführte Kräuterwanderungen angeboten. Natürlich dürfen die Gäste auch in die Rolle des Olitätenherstellers schlüpfen und selbst Naturheilmittel herstellen.

Das Angebot von "Naturschule lernen" ist sehr vielseitig und richtet sich an junge und jung gebliebene Menschen, an Schulklassen, Vereine und alle, die sich für die Natur und ihre Geheimnisse interessieren. Weitere Informationen finden Besucher im Internet.
Frithjof Kühnert
Autor: nnz

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