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Mi, 15:00 Uhr
17.10.2007

Am Ende

Nordhausen (nnz). Für die Bibliothekslandschaft in Thüringen sieht es nicht rosig aus. Zurückgehende Nutzerzahlen, wenig Interesse. Besonders schlimm das Bild für den Landkreis und die Stadt Nordhausen. Im Kyffhäuserkreis sieht es nicht viel besser aus.


Angeregt durch eine Pressemitteilung des Thüringer Landesamts für Statistik, wonach die Thüringer im Jahr 2005 in ihren Öffentlichen Bibliotheken nur ca. 3,7 Medieneinheiten pro Jahr ausgeliehen haben – während der Bundesdurchschnitt bei 4,2 Entleihungen pro Kopf liegt1 – hat sich der Vorstand des Landesverbands Thüringen im Deutschen Bibliotheksverband zusammen mit der Landesfachstelle für Öffentliche Bibliotheken in Erfurt mit der Frage beschäftigt, wie man mit solchen Statistiken umgehen kann.

Natürlich ist es nicht erfreulich, wenn man unter dem Durchschnitt liegt. Und ebenso natürlich ist es, wenn man um die Relativierung solcher Ergebnisse bemüht ist. Eine erste Anregung gab bereits die Pressemitteilung des Statistischen Landesamts selber. Wenn man nicht die Gesamtbevölkerung zum Maßstab nimmt, sondern die aktiven Bibliotheksbenutzer, dann liegen die Thüringer mit 48,3 Entleihungen pro Jahr sogar deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 40,7 Entleihungen. Gerade diese Ergänzung macht deutlich, daß statistische Zahlen im Hinblick auf die Nutzung der Öffentlichen Bibliotheken mit großer Sorgfalt nicht nur erhoben, sondern vor allem ausgewertet werden müssen.

Das größte Problem ist in diesem Zusammenhang die Zugänglichkeit der Öffentlichen Bibliotheken in Thüringen. Die jährlich erhobenen statistischen Übersichten der Landesfachstelle für Öffentliche Bibliotheken belegen, dass sich durch Schließungen und Zusammenlegungen von Bibliotheken gerade in ländlichen Regionen die Zugänglichkeit deutlich verschlechtert hat. So konnten Ende 2005 nur ca. 79,5 % der Einwohner Thüringens auf Öffentliche Bibliotheken in ihrer näheren Umgebung zugreifen. Dies bedeutet, daß fast 500.000 Einwohner Thüringens diese Möglichkeit nicht mehr hatten.

Hier zeigt auch eine differenziertere Statistik, der bereits die Daten des Jahres 2006 zugrunde liegen, dass es auch in einem kleinen Bundesland wie Thüringen ein starkes Gefälle in der Nutzung der Bibliotheksangebote gibt. Bei dem Indikator „Entleihungen pro Einwohner“ ist Jena und die Ernst-Abbe-Bücherei mit 8,6 Entleihungen der Spitzenreiter. Hier ist der Wert also doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt. Auch Suhl mit 6,47, Weimar mit 6,23 und Eisenach mit 5,67 Entleihungen liegen noch relativ gut. Die überwiegende Zahl der Thüringer Landkreise liegt in der Bibliotheksnutzung aber noch unter dem Thüringer Durchschnittswert von 3,7 Entleihungen.

Das Schlusslicht in dieser Statistik bildet der Landkreis Nordhausen mit nur 1,66 Entleihungen pro Einwohner. Hier ist auffällig, dass nur in 13,51 % der Orte ein Büchereiangebot besteht. Die Fahrbibliothek fuhr bereits ab 1999 nur noch eingeschränkt, 2003 wurde diese Dienstleistung ganz eingestellt. Ein ähnliches Bild zeigen der Kyffhäuser-Kreis (2,01 Entleihungen, 25 % Bibliotheksorte) und der Saale-Holzland-Kreis (2,53 Entleihungen, 9,47 % Bibliotheksorte). Auch hier wurde die Fahrbibliothek 1999 eingestellt. Diese Zahlen belegen eindeutig, dass die Nutzung der Öffentlichen Bibliotheken in Relation zu ihrer Zugänglichkeit steht.

Oder umgekehrt: Wer Bibliotheken schließt, darf sich nicht wundern, wenn die Nutzungszahlen zurückgehen. Hier gibt es zwei gravierende Indikatoren, die Zugänglichkeit und Attraktivität verdeutlichen. Der eine Indikator besteht darin, dass die Zahl der Bibliotheken in Thüringen von 732 im Jahr 1991 auf 286 im Jahr 2006 zurückgegangen ist. Die Erwerbungsausgaben pro Kopf der Bevölkerung haben sich im gleichen Zeitraum von 2,23 € auf 0,68 € reduziert. Es ist eine Binsenweisheit, dass auch Statistikdaten zur Nutzung von Bibliotheken differenziert zu betrachten sind.

Die nötigen Differenzierungen sollten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass gerade die Zugänglichkeit sowie die Attraktivität von Bibliotheksangeboten ausschlaggebend für ihre messbare Akzeptanz sind. Gerade vor dem Hintergrund einer offensichtlich schwindenden Akzeptanz sollten die Fragen nach Zahl und Ausstattung der Bibliotheken neu gestellt werden.

Zurück nach Nordhausen. Vielleicht ändert sich die Situation für den Landkreis Nordhausen mit einer neuen Bibliothek in der Nähe des Rathauses? Vielleicht!
Autor: nnz

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