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Mo, 13:28 Uhr
04.03.2002

Preispirale wurde voll aufgedreht

Nordhausen (nnz). Seit vier Tagen ist der Euro der Alleinherrscher am europäischen Finanzhimmel. Auf diesen Zeitpunkt hat der deutsche Handel vermutlich schon lange gewartet. Ein „klitze-kleines“ Beispiel könnte dies belegen.


Über 700 Artikel hat eine Handelskette reduziert, die auch im Landkreis Nordhausen zwei Supermärkte betreibt. Das klingt schon recht verlockend. Die einst frischen Baguettes gehören wahrscheinlich nicht zu diesen Angeboten. Hier wurde der Euro genutzt, um die Preise anzuziehen.

Kostete eine solche Gebäckstange Ende des vergangenen Jahres noch 99 Pfennige, so hielt man sich mit der Euro-Bargeldeinführung noch reichlich bedeckt und mit 51 Cent an die Regeln. Seit die D-Mark jedoch abgedankt hat, ist vermutlich auch das von der Politik so gelobte Gelübde des Einzelhandels dahin. Wer nach dem 1. März zum „Marktbäcker“ geht und ein Baguette zur Kasse schleppt, der muß dort nun 59 Cent berappen. Der Euro-Rechner rechnet denn auch schnell um: 1,15 Mark. Wie der Anstieg um 16 alte deutsche Pfennige zu begründen ist, das erschließt sich dem „Otto-Normal-Kunden“ wohl nur sehr schlecht.

Es ist der Griff in die Psycho-Kiste des Handel. Wir alle kennen ja die ausgefeilten Tricks mit dem „geführten Rundgang“ durch einen Supermarkt oder mit der gezielten Anordnung der Produkte in den Regalen. Die teuren Angebote in Augenhöhe, die preiswerten in Kniehöhe. Jetzt geht´s wieder ans Gehirn, speziell ans Gedächtnis der Kunden. Bislang musste doppelt ausgepreist werden, jetzt ist der Handel von dieser lästigen Pflicht entbunden, obwohl das unlängst der Nordhäuser Kreisverband der Europa-Union einforderte. Jetzt gibt´s nur noch Euro und Cent, schnell sind die Vergleichspreise vergessen.

Wenn Sie vielleicht auch ein Beispiel kennen, wo nach der Beerdigung der D-Mark die Preisgestalter richtig zugeschlagen haben, dann schicken Sie doch einfach einen Mail an: redaktion@nnz-online.de und wir geben Ihre Erfahrungen gern weiter.
Autor: nnz

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