Di, 15:54 Uhr
31.07.2007
Immer wieder dienstags
"Wir machen weiter!"
Es war 12.02 Uhr. Da rutschte aus dem Faxgerät des Betriebsrates die wohl formulierte Absage von Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU). Auch sein Sozialminister, der Nordhäuser Dr. Klaus Zeh (CDU), war einer Einladung nicht gefolgt und Landrat Joachim Claus (CDU) versprach zu einem anderen Zeitpunkt die Mitarbeiter zu besuchen.
Man war also – wieder einmal – unter sich. Und so fühlten sich die Biker denn auch: Von der Politik im Stich gelassen. Statt dessen erinnerten Mitglieder des Betriebsrates sowohl an das Wirken des Hedgefonds Lone Star und seiner Tochterfirma für die ehemalige Biria-Gruppe. Aussaugen und abstoßen – sei die Devise. Und diese Strategie befinde sich in Nordhausen im Endstadium, konstatierte Astrid Schwarz-Zaplinski von der IG Metall. Sie forderte nochmals eindringlich die Hilfe der Landesregierung, der Landesentwicklungsgesellschaft und der Thüringer Aufbaubank ein und fragte, warum es denn noch keine konkrete Zusage der Unterstützung gegeben habe?
Ist das Schicksal von 135 Frauen und Männern nicht so bedeutend, daß man in Erfurt die Heuschrecken auch in der Provinz fressen lasse, wollte die Gewerkschafterin wissen. Für sie und den Betriebsrat stelle sich die Frage, ob man nun auch mit der Landesregierung im Clinch liegen müsse, um die elementarsten Rechte gewährt zu bekommen.
Für Schwarz-Zaplinski lese sich die Absage des Ministerpräsidenten wie das Angebot von Geschäftsführer Müller. Die Mittel des Unternehmens, das habe man recherchiert, würden nicht einmal für die Lohnzahlungen in den Kündigungsfristen reichen, geschweige denn für eine Auffanggesellschaft. Was den Worten folgte, war ein entsetztes Schweigen unter den Mitarbeitern. Sie aber wollen weitermachen. Die gehörige Wut im Bauch hat ihnen die Landesregierung heute teilweise dazu geliefert.
Wenn Wahlen vor der Tür stehen würden, dann würden sich diese Herrschaften vermutlich die Klinke in die Hand bei uns geben, formulierte es ein Mann, der seit fast 20 Jahren an der Freiherr-vom-Stein-Straße Fahrräder montiert. Momentan fühlen sich die 135 Frauen und Männer jedoch von der Politik im Stich gelassen.



