Fr, 12:35 Uhr
25.05.2007
Jeder Vierte kommt rein
Eröffnung Bettenhaus 3
Modern und großzügig wirkt der Neubau des Bettenhauses III des Südharzkrankenhauses. Hier wird ab Ende des Monats die Psychiatrie untergebracht. Und rein statistisch kommt jeder Vierte einmal in seinem Leben rein. Da kann man froh sein, daß der Neubau mit den Vorstellungen von einer Psychiatrie nicht mehr viel gemeinsam hat. Es gibt für Erwachsene Ein- und Zweibettzimmer, für Kinder und Jugendliche Zweibettzimmer. Einschließen und Gitter sollen der Vergangenheit angehören. Nur in Ebene fünf, wo heute die Eröffnung stattfand, wird es ein Schließsystem geben, denn hier sind demente und desorientierte Patienten untergebracht.
Im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie wird es jetzt 46 stationäre und 8 teilstationäre Betten geben. Damit kann eine kurzfristige Überbelegung sehr gut kompensiert werden. Künftig erfolgt hier die Aufnahme geschlechtergemischt, insgesamt wird die komplette Bandbreite der Therapie neuen wissenschaftlichen Anforderungen und Erkenntnissen gerecht. Kleinkinder oder Babys können beispielsweise mit einem Elternteil aufgenommen werden.
Darüber hinaus ist für die Chefärztin der Klinik Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Kindes- und Jugendalters, Inge Schreier, wichtig zu erwähnen, daß im neuen Haus ein qualifizierter Drogenentzug ab dem 12. Lebensalter angeboten werden kann. Inge Schreier hatte bei ihrem Dienstantritt vor zwei Monaten (nnz berichtete) besonders auf ihre Erfahrungen mit Drogenentzug und Borderlinestörungen hingewiesen. Sie sagte heute, daß ihre Dienstzeit jetzt erst richtig beginnt. Die vergangenen Wochen waren noch eine Art Schonzeit. Sie dankte ihrem Vorgänger Dr. Bernhard Blochmann, der an der Planung des Neubaus beteiligt war.
In der Erwachsenenpsychiatrie wird es 65 stationäre sowie zehn tagesklinische Plätze geben. Von einem künftigen Haus der offenen Türen spricht die Chefärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Erwachsenenalters, Dr. Bettina Wilms. Konkret bedeutet das unter anderem, daß es ein Schließen innerhalb der Stationen nur noch in besonderen, begründeten Fällen, nach Absprache des behandelnden Teams geben wird. Bei allen modernen Bedingungen, die der Ersatzneubau den beiden Kliniken bieten wird, kommt es den beiden Chefärztinnen immer darauf an, die Therapie des Patienten auch in seinem gewohnten Umfeld zu realisieren. Dabei gibt es eine Priorität: Ambulant, teilstationär, stationär.
Für Krankenhaus-Geschäftsführer Antonius Pille ist es wichtig, daß es im Südharz-Krankenhaus keinen stigmatisierenden Eingang für das Bettenhaus III geben wird. Das Haus hat nach wie vor einen Eingang und eine Aufnahme. Während im Bereich der Erwachsenenpsychiatrie der Einzugsbereich vorzugsweise auf die Stadt und den Landkreis Nordhausen begrenzt sein wird, erstreckt der Einzugsbereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie neben dem Landkreis Nordhausen auch auf den Kyffhäuserkreis und den Landkreis Eichsfeld. Nach zwölf Jahren ist die Zusammenführung abgeschlossen, sagte der Geschäftsführer.
Landrat Joachim Claus und Oberbürgermeisterin Barbara Rinke als Gesellschafter des Krankenhauses gratulierten zur Eröffnung. Eine Vision wurde Realität. sagte der Landrat. Es ist schön, daß den Menschen in der Region so eine gute Versorgung vor der Haustür präsentiert wird und daß das Haus über die Landesgrenzen hinweg bekannter wird. erklärte die Oberbürgermeisterin.
Der Ersatzneubau hat 21 Millionen Euro gekostet. Im Juni 2005 wurde mit dem Bau begonnen, der am 18. Mai 2006 Richtfest feierte. Bevor die Klinik zum normalen Betrieb übergeht wird es morgen, Sonnabend dem 26. Mai von 10.00 bis 16.00 Uhr, einen Tag der offenen Tür geben. Über Pfingsten ziehen die beiden psychiatrischen Kliniken um.


