Mo, 08:23 Uhr
23.04.2007
Saulus und Paulus
Nordhausen (nnz). Im Großen, so auch im Kleinen: Siemens schmierte vermutlich eine Arbeitnehmerorganisation, im Südharz werden kleinere Brötchen gebacken. Auch im Umweltschutz.
Der niedersächsische länderübergreifend arbeitende Karstwanderwegverein und der Förderverein Deutsches Gipsmuseum sind zu einem Förderverein Deutsches Gipsmuseum /Karstwanderweg e.V. fusioniert. So ist es in einer Pressemitteilung der Gesellschaft zur Förderung des Biosphärenreservates Südharz e.V. zu lesen. Der Vorstandsvorsitzende des neu gegründeten Vereins, Dr. Gerald Dehne, ist Teilhaber des Gips abbauenden Unternehmens BPB Formula (ehemals Börgardts) mit Sitz in Walkenried-Kutzhütte und zudem Inhaber des Ingenieurbüros, welches Abbauplanungen für BPB Formula bearbeitet. Gleichberechtigt stellvertretende Vorsitzende sind Andreas Feist, in seiner Funktion Geschäftsführer von BPB Formula sowie Firouz Vladi, so Raymond Rordorf.
Wie der Vorstand der GFB (Gesellschaft zur Förderung des Biosphärenreservates Südharz e.V.) mitteilte, werde mit dieser Besetzung wohl der Saulus zum Paulus gemacht. Damit ist eine unabhängige Arbeit des nunmehr ehemaligen Vereins Karstwanderweg e.V. zugunsten des Erhaltes der Gipskarstlandschaft quasi unmöglich geworden, so die GFB. Unter dem Deckmantel der Kultur- und Tourismusförderung werde hier versucht, aktiv pro Gipsabbau und für dessen Unbedenklichkeit zu werben. Auch die durch den Karstwanderweg e.V. angebotenen Wanderungen unter Führung von Dr. Dehne avancierten zuletzt mehr und mehr zu einer Werbeplattform für die Gipsindustrie. Dem Laien werden dabei aufwändige Renaturierungsmaßnahmen nach dem Abbau präsentiert.
Dass hier unwiederbringlich die europaweit einzigartige Karstlandschaft dem Bagger zum Opfer fällt und mit ihr ein immenses touristisches Potenzial innerhalb der Region, werde völlig verdrängt. Ein neues Abbauvorhaben von BPB Formula im Landkreis Nordhausen zwischen zwei bestätigten Naturschutzgebieten sorgt derzeitig für viel Aufregung. Durch die erteilte Abbaugenehmigung wird ein zwischen einem Ellricher Unternehmen und der Gemeinde Niedersachswerfen initiiertes beispielhaftes Rekultivierungsprojekt, des sich unmittelbar bereits betriebenen Gipstagebaus Rüsselsee, zunichte gemacht.
Die GFB stellt angesichts dieser Fusion die berechtigte Frage, wie ein Verein, der seine grundsätzlichen Ziele im Erhalt und der touristischen Erschließung des Südharzer Karstgebietes definiert, diesen Ansprüchen durch einen Vorstand, der maßgeblich durch Mitglieder der Gipsindustrie repräsentiert wird, gerecht werden kann. Eine touristische Nutzung des Karstwanderweges hat unbestritten wesentliches Potenzial, das gerade in Verbindung mit der sehr positiven Resonanz auf das Kloster Walkenried und anderer regionaler Vermarktungsinitiativen noch gestiegen ist. Aber gelingt eine Nutzung dessen nur, indem eine Weg begleitende Werbung für den Gipsabbau den potentiellen Wanderer verfolgt? Frei nach dem Motto Wandern entlang der schönsten intakten und stillgelegten Abbaustellen. Hier wäre ihr Erdfall gewesen!
Durch eine nachhaltige Regionalvermarktung würde auch der Karstwanderweg nicht auf finanzielle Unterstützung der Gipsindustrie angewiesen sein, sondern könnte mit Hilfe von EU-Fördergeldern unabhängig und für den Erhalt der Karstlandschaft agieren. Die GFB bittet daher alle Teilnehmer der bekannten Sonntagswanderungen im Karst, die Wanderführer und sonstige Interessierte, ihre weitere Teilnahme an den Veranstaltungen des neuen Vereins kritisch zu überdenken und zu diskutieren.
Raymond Rordorf, Vorstand GFB
Autor: nnzDer niedersächsische länderübergreifend arbeitende Karstwanderwegverein und der Förderverein Deutsches Gipsmuseum sind zu einem Förderverein Deutsches Gipsmuseum /Karstwanderweg e.V. fusioniert. So ist es in einer Pressemitteilung der Gesellschaft zur Förderung des Biosphärenreservates Südharz e.V. zu lesen. Der Vorstandsvorsitzende des neu gegründeten Vereins, Dr. Gerald Dehne, ist Teilhaber des Gips abbauenden Unternehmens BPB Formula (ehemals Börgardts) mit Sitz in Walkenried-Kutzhütte und zudem Inhaber des Ingenieurbüros, welches Abbauplanungen für BPB Formula bearbeitet. Gleichberechtigt stellvertretende Vorsitzende sind Andreas Feist, in seiner Funktion Geschäftsführer von BPB Formula sowie Firouz Vladi, so Raymond Rordorf.
Wie der Vorstand der GFB (Gesellschaft zur Förderung des Biosphärenreservates Südharz e.V.) mitteilte, werde mit dieser Besetzung wohl der Saulus zum Paulus gemacht. Damit ist eine unabhängige Arbeit des nunmehr ehemaligen Vereins Karstwanderweg e.V. zugunsten des Erhaltes der Gipskarstlandschaft quasi unmöglich geworden, so die GFB. Unter dem Deckmantel der Kultur- und Tourismusförderung werde hier versucht, aktiv pro Gipsabbau und für dessen Unbedenklichkeit zu werben. Auch die durch den Karstwanderweg e.V. angebotenen Wanderungen unter Führung von Dr. Dehne avancierten zuletzt mehr und mehr zu einer Werbeplattform für die Gipsindustrie. Dem Laien werden dabei aufwändige Renaturierungsmaßnahmen nach dem Abbau präsentiert.
Dass hier unwiederbringlich die europaweit einzigartige Karstlandschaft dem Bagger zum Opfer fällt und mit ihr ein immenses touristisches Potenzial innerhalb der Region, werde völlig verdrängt. Ein neues Abbauvorhaben von BPB Formula im Landkreis Nordhausen zwischen zwei bestätigten Naturschutzgebieten sorgt derzeitig für viel Aufregung. Durch die erteilte Abbaugenehmigung wird ein zwischen einem Ellricher Unternehmen und der Gemeinde Niedersachswerfen initiiertes beispielhaftes Rekultivierungsprojekt, des sich unmittelbar bereits betriebenen Gipstagebaus Rüsselsee, zunichte gemacht.
Die GFB stellt angesichts dieser Fusion die berechtigte Frage, wie ein Verein, der seine grundsätzlichen Ziele im Erhalt und der touristischen Erschließung des Südharzer Karstgebietes definiert, diesen Ansprüchen durch einen Vorstand, der maßgeblich durch Mitglieder der Gipsindustrie repräsentiert wird, gerecht werden kann. Eine touristische Nutzung des Karstwanderweges hat unbestritten wesentliches Potenzial, das gerade in Verbindung mit der sehr positiven Resonanz auf das Kloster Walkenried und anderer regionaler Vermarktungsinitiativen noch gestiegen ist. Aber gelingt eine Nutzung dessen nur, indem eine Weg begleitende Werbung für den Gipsabbau den potentiellen Wanderer verfolgt? Frei nach dem Motto Wandern entlang der schönsten intakten und stillgelegten Abbaustellen. Hier wäre ihr Erdfall gewesen!
Durch eine nachhaltige Regionalvermarktung würde auch der Karstwanderweg nicht auf finanzielle Unterstützung der Gipsindustrie angewiesen sein, sondern könnte mit Hilfe von EU-Fördergeldern unabhängig und für den Erhalt der Karstlandschaft agieren. Die GFB bittet daher alle Teilnehmer der bekannten Sonntagswanderungen im Karst, die Wanderführer und sonstige Interessierte, ihre weitere Teilnahme an den Veranstaltungen des neuen Vereins kritisch zu überdenken und zu diskutieren.
Raymond Rordorf, Vorstand GFB


