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Do, 15:54 Uhr
05.04.2007

Ende der Bescheidenheit

Nordhausen (nnz). Sprudelnde Unternehmensgewinne und eine Zurückhaltung der Arbeitnehmer bei den Löhnen und Gehältern in der Vergangenheit – diese Zeiten seien vorbei. Die Gewerkschaften wollen jetzt richtig zulangen. Auch in Thüringen...


„Es ist nicht zu mehr vermitteln, dass Arbeitnehmern erarbeitete Anteile an der boomenden Wirtschaft vorenthalten werden. Die Bescheidenheit muss ein Ende haben, wir brauchen einen kräftigen Anstieg der Löhne und Gehälter in Thüringen“, so Steffen Lemme, Landesvorsitzender des DGB-Thüringen. In Thüringen liegen die Arbeitskosten rund 60 Prozent unterhalb des Westniveaus. Die Lohnstückkosten, die die angefallenen Lohnkosten je erbrachter Leistung darstellen, liegen in der ostdeutschen Industrie 7,5 Prozent unterhalb des Westniveaus.

Die Wirtschaft boomt. Laut Thüringer Landesamt für Statistik wurde in den 1.835 Industriebetrieben (Bergbau und Verarbeitendes Gewerbe) 2006 ein Umsatz von 27,0 Milliarden Euro erzielt. Das war ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 2,4 Milliarden Euro bzw. 9,7 Prozent. Der Umsatz je Beschäftigten stieg in den produzierenden Bereichen im Jahr 2006 auf rund 173.000 Euro. Das waren 9,1 Prozent mehr als im Jahr 2005.

Im Frühjahrsgutachten des Makroökonomischen Instituts der Hans-Böckler-Stiftung (IMK) kommen die Wissenschaftler zu dem Schluss, dass die Lohnzurückhaltung in den letzten 10 Jahren bundesweit circa 600.000 Arbeitsplätze gekostet hat. „Angesichts dieser Zahlen ist klar, dass Thüringen deutliche Impulse zur Stärkung von Konjunktur und Beschäftigung durch hohe Abschlüsse in den laufenden Tarifrunden bitter nötig hat“, so Lemme.

„Das klare Nein des Thüringer Ministerpräsidenten zur Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns zeugt von Missachtung der sozialen Lage im Land. Wer Billiglohn unterstützt und einseitig die Position der Unternehmer vertritt, nimmt Armut billigend in Kauf“, so der Thüringer DGB-Vorsitzende.

In Thüringen arbeiten nach DGB-Berechnungen rund 368.000 Menschen zu nicht existenzsichernden Löhnen. Sie verdienen weniger als 75 Prozent des bundesweiten Durchschnittlohns. Mit 1.760 Euro Jahresdurchschnittslohn (brutto) liegt Thüringen am Ende der bundesweiten Skala. Der Ruf „Billiglohnland Thüringen“ schadet Unternehmen und Beschäftigten gleichermaßen. Wer Vollzeit arbeitet, muss auch von seinem Lohn auskömmlich leben können.

Lemme erneuerte die Forderung zur Einführung eines gesetzlichen Mindestlohens in Höhe von 7,50 Euro als Einstieg. Erfreut zeigte sich der DGB Thüringen über die Initiative des CDU-Arbeitnehmerflügels gegen Lohndumping. Unter der Überschrift „Anständiger Lohn für anständige Arbeit“ sammelt auch die CDA-Thüringen Unterschriften für die Einführung einer absoluten Lohnuntergrenze durch den Gesetzgeber.

„Diese Unterschriftensammlung zeigt mir, dass das kategorische Nein von Ministerpräsident Althaus innerhalb der CDU nicht kampflos hingenommen wird“ so Lemme abschließend.
Autor: nnz

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