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Mi, 07:02 Uhr
21.03.2007

nnz-Forum: Ausschlafen, Herr Wieninger!

Nordhausen (nnz). Die freien Träger der Nordhäuser Kindergärten sollen sich um Spezialisierungen ihrer Kindertagesstätten bewerben können. So sieht es ein gemeinsamer Wunsch von SPD und Linkspartei.PDS im Stadtrat vor. Die Eltern einer Nordhäuser Bildungseinrichtung meinen, dass Andreas Wieninger endlich ausschlafen sollte.


Mit Interesse verfolgen die Eltern des Montessori – Kinderhauses die derzeitige Diskussion um die Bildung und auch Erziehung. Dass durch unser Land ein Ruck gehen muss, forderte bereits 1997 der damalige Bundespräsident Roman Herzog in seiner berühmten Berliner Rede. Das im Zeitalter der Globalisierung Reformen auf dem Arbeitsmarkt notwendig waren, ist bei der Mehrzahl der Bevölkerung unbestritten.

Doch auf die notwendigen Reformen auf dem Bildungssektor warten wir vergebens, so der Förderverein. Dabei hätten wir (im Osten) einige positive Erfahrungen einbringen können. Wir hoffen, dass Frau van der Leyen mit ihren Forderungen gerade in ihrem konservativ geprägten Kreis standhält. Ein gutes Netz von Kindergärten mit gut ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern ist zukunftentscheidend für unser Land. Nun haben wir in Nordhausen das Glück, über ein gutes Netz an Kindergärten und Kindergrippen zu verfügen.

Wenn jetzt die Stadtratsfraktionen von SPD und die Linkspartei einen gemeinsamen Antrag zur Spezialisierung von Kindergärten einbringen wollen, so wird das vom Gedanken her begrüßt. Trotzdem sei die Bemerkung erlaubt – Ausschlafen Herr Wieninger! (nnz 08.03.2007). Bereits vor 15 Jahren, mit Gründung des Jugendsozialwerkes Nordhausen, haben sich die Kindergärten verschiedensten pädagogische Konzepte verschrieben bzw. sich spezialisiert. Fröbelpädagogik, Montessoripädagogik, Reggiopädagogik, Offene Arbeit, Individuelle Krippenpädagogik um nur einige zu nennen.

Im vorigen Jahr feierte das Montessori-Kinderhaus mit der gleichnamigen pädagogischen Konzeption sein 10-jähriges Bestehen, zu deren Fest am 09. September unser Bürgermeister, Herr Jendricke (SPD), anwesend war. Mehrfach besuchten Fachleute, Politiker und Eltern aus anderen Bundesländern, sogar aus dem Ausland, unser Haus und zeigten sich beeindruckt über das pädagogische Konzept und die engagierte Arbeit. Englisch wird in unserer Einrichtung und in weiteren Kindergärten des Jugendsozialwerkes seit vielen Jahren angeboten.

Inwieweit Kindergärten auch in den Abendstunden bzw. am Sonnabend geöffnet werden sollen, hält sich der Förderverein bedeckt. Hier sollte erst einmal der Bedarf ermittelt werden und nicht der fünfte Schritt vor dem ersten gemacht werden, so Paul Schierholz zu nnz. „Außerdem könne man das gegenüber den Westländern kaum vertreten. Die sind eben noch nicht so weit - Aufbau West - mal umgekehrt“.

Die Probleme bei einer effektiven konzeptionellen Arbeit liegen wo anders. Erzieher brauchen mehr Zeit für die Beobachtung der Kinder, um individuelle Bedürfnisse und Interessen zu erkennen, individuelle Angebote vorzubereiten und pädagogische Arbeit sichtbar zu machen. Der zurzeit vorgegebene Personalschlüssel ist zu knapp bemessen und lässt kaum Spielraum für individuelle Förderung. Hier kann man den Trägern keinen Vorwurf machen. Denn er ist abhängig von den jeweiligen staatlichen Zuschüssen bzw. von der Stadt und den Gemeinden.

Unterschiedliche Konzepte bedingen besondere Qualifikationen. In einer Montessori – Einrichtung wird neben der allgemeingültigen pädagogischen Ausbildung / Studium ein Montessori- Diplom verlangt. Die meist über 2 Jahre gehenden Lehrgänge müssen von der AMY (Association Montessori Internationale, Sitz Amsterdam) anerkannt werden.

Pädagogische Konzepte verlangen entsprechende Arbeitsmaterialien. Diese sind kostenintensiv. Auch hier hat der Gesetzgeber keinen gesonderten Zuschuss geregelt. Bis jetzt konnten diese Defizite, jedoch nur teilweise, durch private Zuwendungen und Stiftungen ausgeglichen werden. Wenn man also effektiv was ändern will, muss hier angesetzt werden. Sollte der gemeinsame Antrag der Stadtratsfraktionen von SPD und Linkspartei eine positive Änderung der genannten Probleme einleiten, ist das zu begrüßen. Wir werden die SPD und Linkspartei beim Wort nehmen.

Wir betrachten unsere Stellungnahme nicht als Kritik gegenüber dem Jugendsozialwerk oder anderen Trägern, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit viel Engagement und Initiative eine hervorragende Arbeit leisten. Wir behaupten auch nicht, dass die Montessori - Pädagogik das absolut Beste ist. Auch in der Bildung ist Wettbewerb notwendig und richtig. Wir haben unser Montessori- Kinderhaus, wo Kindergarten und Grundschule eng miteinander verflochten sind, gemeinsam mit den Erzieherinnen und Lehrerinnen, Dank einer entscheidungsfähigen und zuverlässigen Geschäftsleitung des Jugendsozialwerkes, mit viel Kraft und Arbeit aufgebaut, man kann auch sagen erkämpft. Viele standen uns hilfreich zur Seite, besonders als wir die Montessori-Grundschule, die eine Ganztagsschule ist, wollten. Einige haben uns - höflich gesagt - „ignoriert“.

Wir fordern von der Politik Dinge, die seit Jahren bekannt, mehrfach gesagt und diskutiert werden, auf dem Weg zu bringen. Das gilt nicht nur für die Kindergärten, sondern auch Schulen, Hochschulen und Universitäten. Über Programme, Beschlüsse und Gesetzesvorlagen kann man diskutieren. Doch diese müssen zu Entscheidungen führen und müssen auch Schritt für Schritt um – und durchgesetzt werden.

Dankbar ist der Förderverein gegenüber einigen Nordhäuser Unternehmen. In den letzten Jahren gingen Zuwendungen ein die beachtlich waren.
So verfügt jede Gruppe Dank dieser Zuwendungen über eine eigene Küche. Bücher, Sport – und Arbeitsmaterialien wurden gekauft sowie das gesamte Haus mit neuen Garderoben ausgestattet. Damit haben die Nordhäuser Unternehmen Verantwortung für die Zukunft gezeigt. Hier sagt der Förderverein - die Politik muss endlich nachziehen.
Schierholz, Montessori – Förderverein
Gemsa, Elternvertretung
Autor: nnz

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