eic kyf msh nnz uhz tv nt
Mi, 06:55 Uhr
14.02.2007

„Nicht vor Randalierern kapitulieren"

Nordhausen (nnz). Die verheerenden Ausschreitungen am Sonnabend in Leipzig haben erste konkrete Folgen. Damit Fans nicht umsonst nach Sachsen fahren, informiert nnz, was der SFV beschlossen hat.


Der Sächsische Fußball-Verband (SFV) hat nach den Krawallen von Leipzig rund 60 Fußball-Spiele am Wochenende abgesetzt. Der SFV folgte damit DFB-Präsident Theo Zwanziger, der ein deutliches Signal gefordert hatte und sorgte zudem für ein Novum im deutschen Fußball. „Spiele auszusetzen ist ein symbolischer Akt. Wir mussten Zeichen setzen“, sagte SFV-Präsident Klaus Reichenbach am Dienstag. Demnach sind alle Klubs von der Kreisklasse bis zur Landesliga von den Absagen betroffen.

Und er fügte hinzu, dass Lok Leipzig der Ausschluss aus seiner Spielklasse droht. „Wir müssen überlegen, ob wir es uns auf Dauer erlauben können, so einen Verein in so einer Spielklasse zuzulassen. Das muss auch den Fans klar werden. Wenn sie das nicht akzeptieren, müssen wir den Verein in dieser Liga eliminieren", sagte der SFV-Chef

„Die Vereine der zuletzt von den Ausschreitungen betroffenen Regionen setzen ein deutliches Zeichen der Solidarität in Richtung der Polizei und zeigen, dass Gewalt in und um die Fußballplätze Sachsens nicht toleriert werden kann“, sagte Zwanziger in einer ersten Reaktion auf die Absage. Auch der Sicherheitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Helmuth Spahn, begrüßte die Entscheidung. „Wir kapitulieren damit aber nicht vor den Randalierern“, betonte er.

Nach Ansicht der Polizei trägt Lokomotive Leipzig Mitschuld an den Vorkommnissen. Matthias Kubitz, Chef der Polizei-Gewerkschaft in Sachsen, verwies auf völlig unzureichende Sicherheitskontrollen im Stadion. Einige Ordner stünden den Beamten zudem bei Auswärtsspielen als Hooligans gegenüber, erklärte Kubitz. Da werde der Bock zum Gärtner gemacht.

Wie die Medien übereinstimmend berichteten, hatten nach einer Pokal-Partie zwischen Lokomotive Leipzig und der zweiten Mannschaft von Erzgebirge Aue am Samstagabend mehrere hundert Hooligans die rund 300 eingesetzten Polizeibeamten angegriffen. Dabei wurden mindestens 36 Polizisten verletzt. Auch ein Warnschuss fiel. Zuvor war das Spiel mit rund 5000 Zuschauern mehrmals wegen Ausschreitungen unterbrochen worden. Anhänger der Mannschaften beschossen sich gegenseitig mit Feuerwerkskörpern.

Der 1. FC Lokomotive hat den Vorwurf unzureichender Sicherungsmaßnahmen zurückgewiesen. Mit knapp 80 Ordnern sei fast 40 Prozent mehr Sicherungspersonal im Einsatz gewesen, als vom Verband gefordert war. Deshalb seien kritische Situationen während des Spiels auch kontrollierbar geblieben. Augenzeugen hätten berichtet, dass Hooligans aus Chemnitz, Zwickau, Halle und anderen Teilen des Bundesgebiets angereist waren, was darauf hindeute, dass die Ausschreitungen geplant waren.

Der Freistaat Sachsen hat unterdessen eine härtere Gangart gegen Fußball-Hooligans angekündigt. Demnach sollen bei brisanten Spielen sachsenweit so genannte Sport-Staatsanwälte zum Einsatz kommen, die bei Bedarf an Ort und Stelle Haftbefehle beantragen können. Selbst Gesetzesänderungen schloss Sachsens Innenminister Albrecht Buttolo nicht aus. Von den Vereinen erwarte er deutlich härtere Einlasskontrollen. Zudem sei es dringend geboten, dass die von den Vereinen eingesetzten Sicherheitsdienste durch den DFB oder den SFV zertifiziert werden.

Unterdessen haben Mannschaft und Trainer des 1. FC Lok Leipzig auch über das Wochenende hinaus mit einem Spielboykott gedroht, wenn Chaoten bei einer Partie des Klubs erscheinen. „Wir nehmen uns das Recht heraus vom Platz zu gehen, wenn wir diese Randalierer noch einmal in einem Stadion sehen. Darauf haben sich Team und Trainer geeinigt“, sagte Mannschaftskapitän Holger Krauß, der die Absage des Spieltags kritisierte: „Andere Vereine werden mitbestraft. Und die Chaoten haben erreicht, dass sie so viel Einfluss bekommen. Das ist das falsche Zeichen.“
Autor: js

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)