Mo, 17:31 Uhr
12.02.2007
nnz-Forum: Ab auf die Auswechselbank!
Nordhausen/Bleicherode (nnz). Schüler des Schiller-Gymnasiums verfolgen mit großem Interesse die ersten Debatten zur Gebietsreform, aber staunen zugleich über kaum fassbare Argumente. Im Forum der nnz haben sie ihre Meinung aufgeschrieben.
Wodurch auch immer – die Debatte um die Gebietsreform hat Nordhausen erreicht. Die Bürger, besonders junge Familien und Jugendliche erwarten von den maßgeblichen Politikern Auskunft über deren erste Vorstellungen. In den Nachbarlandkreisen ist man da schon weiter. Seit mehr als zwei Jahren untersuchen Schüler des Staatlichen Gymnasiums Friedrich Schiller in Bleicherode diesen Prozess.
In einer Wortmeldung des CDU-Landtagsabgeordneten Primas bewertet dieser die Gebietsreform als unnötig auf Kreisebene und Ablenkung von eigentlichen Problemen mit Verweis auf die Wirtschaft. Seine grundsätzliche Gegenthese: Je kleiner der Kreis, desto näher die Politiker, halten wir für höchst problematisch. Aber auch der Landrat, Herr Claus, empfindet eine öffentliche Diskussion zu diesem Problem als besonders kontraproduktiv, obwohl er die Gebietsreform bejaht.
Beide Politiker konstruieren so einen Gegensatz von Wirtschaftsentwicklung und Gebietsreform, der fatale Folgen haben muss. Gebietsreform ist eine politische Reaktion (Entscheidung) auf neu herangereifte Notwendigkeiten für die Verwaltungsgliederung unseres Freistaates. Die Entwicklung größerer Industriegebiete, vorteilhafte Lage der Zulieferer oder Rohstoffe und Verbindung mit wissenschaftlicher Forschung erfordern Gestaltungen, die über die bisherigen Kreisgrenzen hinausgehen müssen. Vermehrt werden größere Landkreise entstehen, günstig für Verkehrswege – und Tourismusentwicklung, Schutzmaßnahmen vor Hochwasser.
Überlegungen zu Aufforstungen wenig ertragreicher Böden profitieren nachweislich von den Vorteilen einheitlicher Entscheidungen in größeren Landschaftseinheiten. Das war Maßstab für unsere wissenschaftliche Arbeit zum Problem: Grundlagen einer Gefahrenabschätzung für Hochwasserereignisse im Nordthüringischen Bergland. In der Kreisverwaltung müssen solide Analysen und Wertung des örtlichen Sachverstandes zur Norm für Entscheidungsvorbereitung werden. In größeren territorialen Einheiten werden manche kurzschlüssigen Entscheidungen, so zur Schließung der Schwimmhalle Sollstedt oder Defizite in der Schulnetzplanung weniger möglich. Merkwürdig wird die Neuentdeckung der Wirtschaft gerade von Verantwortungs- und Mandatsträgern bei den Anfangsdebatten zur Gebietsreform.
Eine mehr als zehnjährige Mär von der Verwandlung einer 100 ha Ackerfläche zum Industriepark in der Goldenen Aue hat die Entwicklung und Vergrößerung leistungsfähiger Unternehmen behindert, besonders die Förderung einer nachhaltigen Zusammenarbeit mit der Grundlagen- und Industrieforschung. Hohe Arbeitslosenquoten, zu viele Abwanderer sind die Folgen. Gebietsreform ist kein Nachholeseminar für Kompetenzmängel in Wirtschaftsförderung und Regionalmanagement.
Erstaunlich die Nordhäuser Lösung: "Ziele abgesteckt (nnz vom 8.2.), drei Minister und ein Staatssekretär. Titanic-Effekt: Die Kapelle spielt weiter! Dagegen die höchst erfolgreichen Beispiele aus Arnstadt (zwei Mitarbeiter in der Wirtschaftsförderung) bearbeiten die Neuansiedlung bzw. Erweiterung von vier Betrieben bei Schaffung von rund 850 Arbeitsplätzen. In Sachsen-Anhalt entstehen moderne Produktionsstätten der Biotechnologie, Solartechnik und Kraftstoffgewinnung aus nachwachsender Biomasse. Das sind die eigentlichen Probleme, in denen wir uns als Jugendliche wiederfinden, wo uns der Heimatkreis vielleicht einmal braucht.
In den sicherlich anspruchsvollen, auch kontroversen Debatten mit den Nachbarlandkreisen sollten die kleinlichen Bedenkenträger vorerst auf der Auswechselbank Platz nehmen. So verstehen wir die Forderungen der Nordhäuser Oberbürgermeisterin und des Landrates nach einem größeren starken Landkreis und einer großen und starken Stadt Nordhausen.
Abiturientengruppe Geo, Schillergymnasium Bleicherode: Bruchmüller, Genz und Wallner
Autor: nnzWodurch auch immer – die Debatte um die Gebietsreform hat Nordhausen erreicht. Die Bürger, besonders junge Familien und Jugendliche erwarten von den maßgeblichen Politikern Auskunft über deren erste Vorstellungen. In den Nachbarlandkreisen ist man da schon weiter. Seit mehr als zwei Jahren untersuchen Schüler des Staatlichen Gymnasiums Friedrich Schiller in Bleicherode diesen Prozess.
In einer Wortmeldung des CDU-Landtagsabgeordneten Primas bewertet dieser die Gebietsreform als unnötig auf Kreisebene und Ablenkung von eigentlichen Problemen mit Verweis auf die Wirtschaft. Seine grundsätzliche Gegenthese: Je kleiner der Kreis, desto näher die Politiker, halten wir für höchst problematisch. Aber auch der Landrat, Herr Claus, empfindet eine öffentliche Diskussion zu diesem Problem als besonders kontraproduktiv, obwohl er die Gebietsreform bejaht.
Beide Politiker konstruieren so einen Gegensatz von Wirtschaftsentwicklung und Gebietsreform, der fatale Folgen haben muss. Gebietsreform ist eine politische Reaktion (Entscheidung) auf neu herangereifte Notwendigkeiten für die Verwaltungsgliederung unseres Freistaates. Die Entwicklung größerer Industriegebiete, vorteilhafte Lage der Zulieferer oder Rohstoffe und Verbindung mit wissenschaftlicher Forschung erfordern Gestaltungen, die über die bisherigen Kreisgrenzen hinausgehen müssen. Vermehrt werden größere Landkreise entstehen, günstig für Verkehrswege – und Tourismusentwicklung, Schutzmaßnahmen vor Hochwasser.
Überlegungen zu Aufforstungen wenig ertragreicher Böden profitieren nachweislich von den Vorteilen einheitlicher Entscheidungen in größeren Landschaftseinheiten. Das war Maßstab für unsere wissenschaftliche Arbeit zum Problem: Grundlagen einer Gefahrenabschätzung für Hochwasserereignisse im Nordthüringischen Bergland. In der Kreisverwaltung müssen solide Analysen und Wertung des örtlichen Sachverstandes zur Norm für Entscheidungsvorbereitung werden. In größeren territorialen Einheiten werden manche kurzschlüssigen Entscheidungen, so zur Schließung der Schwimmhalle Sollstedt oder Defizite in der Schulnetzplanung weniger möglich. Merkwürdig wird die Neuentdeckung der Wirtschaft gerade von Verantwortungs- und Mandatsträgern bei den Anfangsdebatten zur Gebietsreform.
Eine mehr als zehnjährige Mär von der Verwandlung einer 100 ha Ackerfläche zum Industriepark in der Goldenen Aue hat die Entwicklung und Vergrößerung leistungsfähiger Unternehmen behindert, besonders die Förderung einer nachhaltigen Zusammenarbeit mit der Grundlagen- und Industrieforschung. Hohe Arbeitslosenquoten, zu viele Abwanderer sind die Folgen. Gebietsreform ist kein Nachholeseminar für Kompetenzmängel in Wirtschaftsförderung und Regionalmanagement.
Erstaunlich die Nordhäuser Lösung: "Ziele abgesteckt (nnz vom 8.2.), drei Minister und ein Staatssekretär. Titanic-Effekt: Die Kapelle spielt weiter! Dagegen die höchst erfolgreichen Beispiele aus Arnstadt (zwei Mitarbeiter in der Wirtschaftsförderung) bearbeiten die Neuansiedlung bzw. Erweiterung von vier Betrieben bei Schaffung von rund 850 Arbeitsplätzen. In Sachsen-Anhalt entstehen moderne Produktionsstätten der Biotechnologie, Solartechnik und Kraftstoffgewinnung aus nachwachsender Biomasse. Das sind die eigentlichen Probleme, in denen wir uns als Jugendliche wiederfinden, wo uns der Heimatkreis vielleicht einmal braucht.
In den sicherlich anspruchsvollen, auch kontroversen Debatten mit den Nachbarlandkreisen sollten die kleinlichen Bedenkenträger vorerst auf der Auswechselbank Platz nehmen. So verstehen wir die Forderungen der Nordhäuser Oberbürgermeisterin und des Landrates nach einem größeren starken Landkreis und einer großen und starken Stadt Nordhausen.
Abiturientengruppe Geo, Schillergymnasium Bleicherode: Bruchmüller, Genz und Wallner
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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