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Sa, 06:55 Uhr
03.02.2007

Klimawandel also doch Realität?

Nordhausen (nnz). Der Mensch ist nach Erkenntnis von Wissenschaftlern zum großen Teil für die Klimaänderung der vergangenen fünf Jahrzehnte verantwortlich. Demgegenüber hat ein US-Institut Wissenschaftlern Geld für kritische Studien gegen den neuen Weltklimabericht angeboten. Dazwischen liegt eine Menge Spielraum für Gegner und Befürworter. nnz berichtet.


Eigentlich dürfte es diesen Spielraum nicht geben, meint nnz, wenn auch für das Klima der Grundsatz aus der Rechtsprechung gelten sollte: Im Zweifel für die Natur. Der Weltklimarat (IPCC) hat gestern in Paris den bislang alarmierendsten Bericht zur Erderwärmung vorgelegt. Selbst bei einem sofortigen Stopp der Treibhausgasemissionen würde sich die Atmosphäre noch Jahrhunderte weiter aufheizen, lautet der Befund.

An dem Bericht haben mehr als 500 führende Klimaforscher sowie Vertreter von 113 Staaten mitgearbeitet. "Die Debatte muss ab heute zu Ende sein, und die Politik muss handeln", fasste der Chef des UN-Umweltprogramms (UNEP), Achim Steiner, die Botschaft zusammen.

An der Verantwortung des Menschen für die "beispiellose" Klimaveränderung gibt es für die US-Wissenschaftlerin Susan Solomon, die maßgeblich an der Studie beteiligt war, keinen Zweifel mehr. "Es ist später als wir gedacht haben."

Die Temperaturen stiegen in den vergangenen 50 Jahren doppelt so schnell wie in den 100 Jahren zuvor, heißt es in dem Bericht. Der Kohlendioxid-Gehalt der Luft hat seit 1750 um 35 Prozent zugenommen, der aktuelle Wert ist der höchste der letzten 650 000 Jahre. Der Hauptgrund ist die Nutzung fossiler Brennstoffe.

"Es gibt kaum noch Zweifel am menschengemachten Klimawandel", sagte der geschäftsführende Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg, Prof. Martin Claußen, in einem dpa-Gespräch. Dies mache der vorgelegte vierte Bericht des UN-Klimarats "so deutlich wie nie zuvor". Der Report gründe auf mehr Daten, besseren Analysen und realistischeren Klimamodellen als alle bisherigen Berichte, urteilte Claußen. „Das Vertrauen in die Aussage 'Der Mensch ist schuld' ist heute größer als je zuvor." Endgültige Sicherheit liefere der Report naturgemäß nicht: "Klima hat immer etwas mit Wahrscheinlichkeiten zu tun - es gibt keine absolut sicheren Aussagen."

Für die Zukunft haben die Forscher auf Basis verschiedener Modelle sechs Szenarien entworfen: Im günstigsten Fall heizt sich die Atmosphäre um 1,1 bis 2,9 Grad auf, im schlimmsten um 2,4 bis 6,4 Grad. Am größten ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Temperaturen 2100 zwischen 1,8 und vier Grad über den heutigen Werten liegen. In der Folge des Klimawandels wird der Meeresspiegel um 18 bis 59 Zentimeter steigen, prognostizieren die Forscher. Allerdings ist dabei die jüngste überraschend starke Eisschmelze in Grönland und der Antarktis nicht berücksichtigt. Weitere 10 bis 20 Zentimeter seien möglich, wenn das schnelle Abschmelzen des Polareises fortschreite.

Der Klimaforscher Herrmann Ott meint, durch das Abschmelzen der Polkappen würden in Deutschland auf lange Sicht "Städte wie Rostock, Hamburg und Kiel unbewohnbar".

Die Menschen schocken, die Regierungen zum Handeln zwingen - das ist durchaus das Ziel des UN-Klimaberichts. Was die Bundesregierung angeht muss man leider feststellen, dass sich die reichlich unempfindlich zeigt. Sicher, die Reaktionen klingen wie ein gellender Aufschrei. Wer aber den Klimawandel jetzt noch abstreite, der spiele russisches Roulette, und das mit vollem Revolver. Der UN-Klimabericht sei ein letzter Warnruf.

Seit dem ersten Report aus dem Jahr 1990 ändert sich nur noch die Vehemenz, mit der die Forscher warnen. Zudem illustrieren viele Beispiele den Wandel des Klimas: Die Gesellschaft für bedrohte Völker erklärte, dass den Inuit das Eis unter den Füßen wegzuschmelzen droht. Auf manchen Südseeinseln verdirbt das langsam steigende Salzwasser bereits die Felder. Die Alpen könnten in 100 Jahren nahezu eisfrei sein.

Wie demgegenüber eingangs erwähnt, hat das American Enterprise Institute (AEI) Forschern eine Belohnung von jeweils 10.000 Dollar für Artikel in Aussicht, mit denen sie den Klimabericht widerlegen. Dem Blatt lagen dazu Briefe vor, die an Wissenschaftler verschickt wurden.

Die Zeitung zitierte den britischen Klimaforscher David Viner mit den Worten, die Briefe seien "ein verzweifelter Versuch einer Organisation, welche die Wissenschaft zugunsten politischer Ziele verbiegen will".

Lobby-Organisationen in den USA sind im Kampf gegen "alarmistische" Klimaforscher sehr aktiv. 2006 produzierte das konservative Competitive Enterprise Institute (CEI) Fernsehwerbung, in der Kohlendioxid als ungefährliches Produkt moderner Gesellschaften dargestellt wird. "Jetzt wollen ein paar Politiker Kohlendioxid einen Schadstoff nennen", heißt es darin. "Stellen Sie sich vor, sie hätten damit Erfolg - wie würde unser Leben dann aussehen?"
Autor: js

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