Mo, 13:15 Uhr
29.01.2007
DGB: Mehr Abbrüche
Nordhausen (nnz). Die Ausbildungspaktpartner haben heute den Thüringer Ausbildungspakt 2006 als erfolgreich bewertet und sehen mit Zuversicht auf das Jahr 2007 (nnz berichtete heute). Der DGB Thüringen kritisiert hingegen die eigenwillige Interpretation der Ausbildungssituation in Thüringen und richtet den Blick auf die Nachhaltigkeit der Ausbildungspaktpolitik.
Die Zahl der vorzeitig gelösten Ausbildungsverträge im ersten Ausbildungsjahr ist Ende 2006 bereits sehr hoch. 1.176 Verträge (6,7%) wurden bei den IHKn und HwKn schon in den ersten Ausbildungsmonaten bis Ende Dezember wieder gelöst und damit mehrheitlich a) in der Probezeit und b) in den betrieblichen Ausbildungsverhältnissen!
Die Lösungen der Ausbildungsverträge im ersten Jahr finden dabei seit Jahren mehrheitlich in der Probezeit statt: 1.031 Verträge bzw. 57% 2002, 838 Verträge bzw. 55% 2003, 992 Verträge bzw. 63% 2004 und 834 Verträge bzw. 50% 2005.
Die Bilanz, wie viele Ausbildungsverhältnisse das erste Ausbildungsjahr auch überdauern, wird voraussichtlich negativer als 2005 sein: Seit 2003 steigt die Quote der gelösten Verträge im ersten Ausbildungsjahr von 8% (2003) auf 8,4% (2004) und 9% im Jahr 2005. Im aktuellen Ausbildungsjahr liegt sie derzeit bereits bei 6,7% - das 1. Jahr dauert jedoch noch bis August 2007. Es ist mit Blick auf die vergangenen Jahre davon auszugehen, dass bis zum Ende des ersten Jahres ca. 600-800 Verträge noch gelöst werden, so dass die Quote schnell bei 10-11% liegen dürfte.
Der DGB Thüringen befürchtet, dass an der steigenden Lösungsquote im ersten Jahr unter anderem auch die Lehrstellenjagd schuld ist, die daraus resultiert, dass die Paktpartner an starren Kennziffern gemessen werden wollen. Es müsste für viele Ausbildungsverhältnisse einmal geprüft werden, ob die Betriebe wirklich ausreichend informiert, vorbereitet, unterstützt und geeignet sind, Ausbildungsplätze einzurichten.
Der Thüringer DGB-Vorsitzende Steffen Lemme sagte dazu: Unhaltbar wäre es, wenn zur Erfüllung der Pakt-Kennziffern Betriebe dazu überredet oder gedrängt würden, Auszubildende erst einmal einzustellen, um dann in Ruhe innerhalb von 4 Monaten eine Entscheidung zu treffen, ob der Jugendliche auch bleiben kann. Das würde den Kammern bei der Erfüllung der Paktvorgaben nützen, aber nicht den Jugendlichen.
Die Erfolgsmeldungen, man habe alle Paktkennzahlen (über)erfüllt, stellt daher nur eine Momentaufnahme der tatsächlichen Situation auf dem Thüringer Ausbildungsmarkt dar. Und zusätzlich wird die katastrophale Lage in Thüringen verschleiert: Auch 2006 haben wieder sehr viele Jugendliche keinen Ausbildungsplatz bekommen. Von den 30.184 gemeldeten BewerberInnen fanden bis Januar 2007 lediglich 16.126 (53,4%) einen Platz. Von den im September noch unvermittelten 1.310 BewerberInnen wurden dabei nur noch 250 (19%) in Berufsausbildung, aber dafür 388 in EQJ und berufsvorbereitende Maßnahmen vermittelt. 179 Jugendliche stehen derzeit immer noch mit leeren Händen dar.
Der Vermittlungserfolg der Paktpartner basiert damit vor allem darauf, dass die genau kalkulierten Ausbildungsplatzzahlen eingeworben und die restlichen BewerberInnen in der Nachvermittlungsaktion in Betriebspraktika und Warteschleifen untergebracht wurden. Eine nachhaltige und dynamische Ausbildungsmarktpolitik ist so kaum zu gewährleisten. Deshalb fordert der DGB Thüringen, den Ausbildungspakt neu auszurichten, vor allem auf die Qualitätssicherung von Ausbildung und die Beratung und Unterstützung von Betrieben.
Die Vielzahl der vorzeitig gelösten Ausbildungsverträge spricht dafür, die Qualität der Ausbildungsverhältnisse regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen., so der DGB Landesvorsitzende.
Autor: nnzDie Zahl der vorzeitig gelösten Ausbildungsverträge im ersten Ausbildungsjahr ist Ende 2006 bereits sehr hoch. 1.176 Verträge (6,7%) wurden bei den IHKn und HwKn schon in den ersten Ausbildungsmonaten bis Ende Dezember wieder gelöst und damit mehrheitlich a) in der Probezeit und b) in den betrieblichen Ausbildungsverhältnissen!
Die Lösungen der Ausbildungsverträge im ersten Jahr finden dabei seit Jahren mehrheitlich in der Probezeit statt: 1.031 Verträge bzw. 57% 2002, 838 Verträge bzw. 55% 2003, 992 Verträge bzw. 63% 2004 und 834 Verträge bzw. 50% 2005.
Die Bilanz, wie viele Ausbildungsverhältnisse das erste Ausbildungsjahr auch überdauern, wird voraussichtlich negativer als 2005 sein: Seit 2003 steigt die Quote der gelösten Verträge im ersten Ausbildungsjahr von 8% (2003) auf 8,4% (2004) und 9% im Jahr 2005. Im aktuellen Ausbildungsjahr liegt sie derzeit bereits bei 6,7% - das 1. Jahr dauert jedoch noch bis August 2007. Es ist mit Blick auf die vergangenen Jahre davon auszugehen, dass bis zum Ende des ersten Jahres ca. 600-800 Verträge noch gelöst werden, so dass die Quote schnell bei 10-11% liegen dürfte.
Der DGB Thüringen befürchtet, dass an der steigenden Lösungsquote im ersten Jahr unter anderem auch die Lehrstellenjagd schuld ist, die daraus resultiert, dass die Paktpartner an starren Kennziffern gemessen werden wollen. Es müsste für viele Ausbildungsverhältnisse einmal geprüft werden, ob die Betriebe wirklich ausreichend informiert, vorbereitet, unterstützt und geeignet sind, Ausbildungsplätze einzurichten.
Der Thüringer DGB-Vorsitzende Steffen Lemme sagte dazu: Unhaltbar wäre es, wenn zur Erfüllung der Pakt-Kennziffern Betriebe dazu überredet oder gedrängt würden, Auszubildende erst einmal einzustellen, um dann in Ruhe innerhalb von 4 Monaten eine Entscheidung zu treffen, ob der Jugendliche auch bleiben kann. Das würde den Kammern bei der Erfüllung der Paktvorgaben nützen, aber nicht den Jugendlichen.
Die Erfolgsmeldungen, man habe alle Paktkennzahlen (über)erfüllt, stellt daher nur eine Momentaufnahme der tatsächlichen Situation auf dem Thüringer Ausbildungsmarkt dar. Und zusätzlich wird die katastrophale Lage in Thüringen verschleiert: Auch 2006 haben wieder sehr viele Jugendliche keinen Ausbildungsplatz bekommen. Von den 30.184 gemeldeten BewerberInnen fanden bis Januar 2007 lediglich 16.126 (53,4%) einen Platz. Von den im September noch unvermittelten 1.310 BewerberInnen wurden dabei nur noch 250 (19%) in Berufsausbildung, aber dafür 388 in EQJ und berufsvorbereitende Maßnahmen vermittelt. 179 Jugendliche stehen derzeit immer noch mit leeren Händen dar.
Der Vermittlungserfolg der Paktpartner basiert damit vor allem darauf, dass die genau kalkulierten Ausbildungsplatzzahlen eingeworben und die restlichen BewerberInnen in der Nachvermittlungsaktion in Betriebspraktika und Warteschleifen untergebracht wurden. Eine nachhaltige und dynamische Ausbildungsmarktpolitik ist so kaum zu gewährleisten. Deshalb fordert der DGB Thüringen, den Ausbildungspakt neu auszurichten, vor allem auf die Qualitätssicherung von Ausbildung und die Beratung und Unterstützung von Betrieben.
Die Vielzahl der vorzeitig gelösten Ausbildungsverträge spricht dafür, die Qualität der Ausbildungsverhältnisse regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen., so der DGB Landesvorsitzende.


