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Sa, 16:21 Uhr
04.11.2000

Wacker-Präsident Lutze: Der Rettung des Vereins ordnen wir alles unter

Nordhausen (nnz). Nicht genug mit den peinlichen Auftritten der Männer um Kapitän Jens Ludwig, jetzt laufen der einstig drittstärksten Mannschaft Thüringens die Spieler weg. Lihsa zog es nach Sondershausen, Mank und Kurzeja nach Halle und Fernschild versucht in Schlotheim sein Glück. Damit bleiben von den Stammspielern nur noch Schneider und Ludwig, die sich nach einer Bedenkzeit bereiterklärt haben, zu bleiben - zumindest bis zur Winterpause. Was dann kommt, weiß noch keiner zu sagen.
nnz-Mitarbeiter Rainer Hellberg sprach mit dem Präsidenten des Vereins, Wolfgang Lutze, über die Situation und die Zukunftsaussichten des Nordhäuser Traditionsvereins.

nnz: Herr Lutze, ist im wirtschaftlichen Bereich des Vereins Licht am Ende des Tunnels erkennbar?

Lutze: Im Wesentlichen, ja. Seit 2. Oktober 2000 vermarktet der Verein sich wieder selbst, so daß alle Werbe- und Sponsorenverträge direkt mit uns abgeschlossen beziehungsweise weiter geführt werden. Mit Hilfe einiger territorialer Großunternehmen wie Kreissparkasse Nordhausen und Nordbrand Nordhausen ist es uns gelungen, den Grundstein für das wirtschaftliche Überleben zu legen. Der Großteil der bestehenden Verträge mit unseren Werbepartnern bleibt erhalten.
Bereits zu den letzten beiden Heimspielen wurde versucht, mit den Sponsoren auch das Publikum mit einzubeziehen. So konnten zwei Pokale an die ermittelten Elfmeter-Könige - gestiftet von der Kreissparkasse - überreicht werden. Das Kreditinstitut verkaufte weit über 200 Solidaritätsaktien mit einem Betrag von über 1000 Mark. Der Spendentopf "Rettet Wacker 90 Nordhausen" erbrachte bis jetzt ca. 8.500 Mark. Hierfür gilt der Dank allen, die dazu ihren Beitrag geleistet haben. Aber wie wir alle wissen, ist am 13. November 2000 die Gläubigerversammlung. Da wird sich die weitere Zukunft des Vereins entscheiden.

nnz: Die letzten beiden Heimspiele wurden in einer Art und Weise verloren, die viele Fragen zur inneren Einstellung und der Moral einiger Spieler aufwirft. Worin sehen Sie die Gründe für die indiskutablen Leistungen?

Lutze: Die Journalisten sehen ein Spiel oft mit anderen Augen, als es Fachleute tun. Individuelle Fehler und fehlendes taktisches Anpassungsvermögen waren oftmals die Ursache. Spieler, die sich mit dem Gedanken des Vereinswechsels tragen, erzeugen eine Eigendynamik.

nnz: Zahlreiche Stammspieler haben sich in den vergangenen Tagen von Wacker 90 abgemeldet. Wie lautet die Begründung für das Verlassen des Vereins?

Lutze: Die Begründungen sind unterschiedlicher Natur. Diese im einzelnen aufzuführen, bin ich nicht befugt und bereit, weil ich die Fehler in der Vergangenheit nur dazu benutzen möchte, um die Zukunft zu bestimmen.

nnz: Haben Sie Verständnis für die Argumentation oder überwiegt die Enttäuschung?

Lutze: Sowohl als auch. Es ist schon hart, wenn man an zwei Fronten kämpft und wie bereits in der ersten Frage erwähnt, Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist, aber einige Spieler das Vertrauen in den Verein verloren haben.

nnz: Mit dem jetzigen Kader ist die Klasse keinesfalls zu halten. Wie soll es bei Wacker 90 in der laufenden Saison weitergehen?
Lutze: Das ist Ihre Meinung. Diese wird mit der vieler Fußballfans übereinstimmen. Wir beginnen ganz einfach, ein neues Team zusammenzustellen und versuchen, in den noch vor uns liegenden zwei Dritteln der Saison achtbare Ergebnisse zu erzielen. Wir wünschen uns, daß der treue Anhang des Nordhäuser Fußballs dieses auch so sieht und mit seinen Besuchen honoriert.
Ebenso hoffen wir auf Unterstützung des gesamten Umlandes und ich wünsche mir, daß talentierte Spieler, wie bisher schon geschehen, die Chance sehen, in Nordhausen Oberligafußabll zu spielen und den Weg zu uns finden.

nnz: Plant das Präsidium eventuell schon für die Spielzeit 2000/2001 für die Landesliga?

Lutze: Nein! Ich möchte nochmals die grundsätzliche Meinung des Präsidiums darlegen: Es ist wichtig, daß die Oberligamannschaft als Flaggschiff des Vereins unsere ganze Fürsorge und Absicherung erfährt. Unvorstellbar wäre, wenn im Albert-Kuntz-Sportpark kein Leistungsfußball mehr gespielt würde. Das heißt, daß mit Streichung des Vereins beim Konkurs alle, auch die Jugendlichen, die Heimstatt ihrer sportlichen Tätigkeit verlieren würden. Für den Journalisten und Fußballfan sind gewonnene Spiele oder schöne Tore sehr, sehr wichtig. Für uns auch, aber gleichzeitig haben alle ehemaligen Präsidiumsmitglieder der vergangenen Jahre persönliche Mahnbescheide des Finanzamtes bekommen. Diese belaufen sich auf Summen zwischen 5.000 bis zu 240.000 Mark. Ich weiß nicht, wie es aussehen wird, wenn der Verein in Konkurs gehen sollte und wie das zuständige Finanzamt darüber entscheidet. Uns geht es darum, diesen Verein zu erhalten. Jeder sollte zum jetzigen Zeitpunkt darüber nachdenken, wie sein Beitrag zur Rettung des Vereins aussieht. Demzufolge steht für uns das Motto "Rettet Wacker 90 Nordhausen", und dem ordnen wir alles unter.

nnz: Herr Lutze, wir danken für das Gespräch.
Nachtrag: Beim VfB Halle verlor Wacker am Samstag mit 4:0
Autor: rh

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