eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
Mi, 09:09 Uhr
10.01.2007

In 15 Jahren einmal durch

Nordhausen (nnz). Spätestens seit dem die Preise für Erdgas und Öl in utopische Höhen schnellten, besinnt man sich in Thüringen des Rohstoffes Holz. Auch Nordhausen hat da so zusagen eine stille Energiereserve. Die nnz wollte gern mal wissen, wie damit umgegangen wird.

Axel Axt vor der Waldfläche des Haselhai bei Leimbach, wo großflächige Einschlagsarbeiten stattfinde (Foto: psv) Axel Axt vor der Waldfläche des Haselhai bei Leimbach, wo großflächige Einschlagsarbeiten stattfinde (Foto: psv)


Rund 10.000 Euro Überschuss hat die Stadt Nordhausen im Jahr 2006 aus der Bewirtschaftung ihrer Wälder gezogen. Mit insgesamt 189 Hektar Waldfläche liegt Nordhausen im Mittelfeld der Thüringer kommunalen Waldbesitzer. „Es war ein gutes Holz-Jahr. Die Preise haben ordentlich - zum Teil um bis zu 500 Prozent - angezogen, insbesondere beim Industrieholz. Die Nachfrage war extrem hoch“, sagte Axel Axt vom städtischen Amt für Umwelt und Grünordnung und diplomierter Forstwirt.

Rund 1000 Festmeter Holz - ein Festmeter entspricht einem 8 Meter langen Stamm mit 40 Zentimeter Durchmesser - habe man im vergangenen Jahr aus den Nordhäuser Wäldern abgesetzt. Die Preise bewegten je nach Qualität des Holzes zwischen 45 bis 200 Euro je Festmeter. „Ein Teil des Überschusses fließt in Pflege, Aufforstung und Wegebaumaßnahmen, der Rest kommt der Stadtkasse zugute“, sagte Axt.

Der Nordhäuser Stadtwald zieht sich über weit verteilte Flächen. „Die größte Fläche mit rund 32 Hektar liegt in der Gemarkung Leimbach, 31 Hektar haben wir bei Steigerthal, 20 Hektar bei Petersdorf und noch einmal 27 Hektar bei Appenrode. Im engeren Stadtgebiet sind es weitere 23 Hektar“, sagte Axt. Die Bewirtschaftung der Stadtwälder erfolge auf verschiedene Art - zum Teil als Stadt in Eigenregie, bei großen Flächen wie bei Leimbach geschehe dies im Rahmen einer Forstbetriebsgemeinschaft. „In Leimbach haben sich 123 Waldeigentümer zusammengeschlossen. Das macht eine parzellenübergreifende Bewirtschaftung möglich“, so Axt, der zugleich der Vorsitzende dieser Gemeinschaft ist.

So beauftrage die Gemeinschaft zum Beispiel Firmen, die den Holzeinschlag und die -rückung sowie einen Großteil der Bürokratie erledigten. Das staatliche Forstamt in Bleicherode wiederum werde herangezogen, um Fördermittel zu beantragen die Hölzer zu begutachten, zu klassifizieren und zu verkaufen. Losgeschlagen werde das Holz überwiegend über den normalen Verkauf an Holzhändler, in geringerem Maße über Versteigerungen und über die Abgabe an so genannte Selbstabholer.

Zu den Aufkäufern gehörten Sägewerke - „darunter auch das größte Laubholzsägewerk der Welt im thüringischen Creuzburg“ - sowie Holzhändler aus der ganzen Welt. Die Nachfrage hänge dabei stark vom Bedarf der Möbelindustrie ab, so Axt. Und der sei im zurückliegenden Jahr offensichtlich hoch gewesen.

Da die Stadt vor allem Laubwälder habe und dieses Holz im Gegensatz zu jenen der Nadelgehölze gefragter sei, habe man keine Absatzprobleme. Der weitere Vorteil des großen Laubholzbestandes: „Der geringere Aufwand bei der Schädlingsbekämpfung und der bessere Schutz vor Waldbränden.“ Zum Hauptbestand der städtischen Wälder gehörten Buche und Eiche, gefolgt in großem Abstand von Fichte und Kiefer.

Das Forstwirtschaftsjahr beginne im jedem Jahr im Oktober. „Zu diesem Zeitpunkt werden im Falle der Betriebsgemeinschaft in der Hauptversammlung der Eigentümer die Pflege-, Einschlags- und Aufforstungsarbeiten geplant. Im Frühjahr ist dann die Begehung mit den Miteigentümern. Im Sommer gibt es dann den ersten kleineren Einschlag“, erklärte Axt. „Der große Einschlag - wie jetzt zum Beispiel im Haselhai bei Steigerthal - läuft dann über den Winter, danach kommen die Händler und holen ihre Bestellungen ab.“ Bei der Nutzung der Wälder unterliege die Stadt als Waldeigentümer strengen Kriterien. „Wir sind Mitglied im europäischen Forst Council. Dort ist es zum Beispiel untersagt, mit chemischen Mitteln zu arbeiten. Gleichzeitig ist im Wald schonend zu arbeiten - ein Befahren mit schweren Fahrzeugen außerhalb der Trassen ist damit tabu“, sagte Axt.

Weitere Auflagen kämen aus dem Thüringer Waldgesetz. „So ist es zum Beispiel ausgeschlossen, mehr Holz zu schlagen, als pro Jahr nachwächst, also rund fünf Festmeter pro Jahr. Da nicht jedes Jahr in jedem Waldgebiet eingeschlagen werde, könne man diese Maßgabe leicht einhalten. „Im Umkehrschluss heißt dies, dass wir nach 10 bis 15 Jahren mit der Bewirtschaftung einmal durch unsere gesamten Wälder durch sind. Also: Eine Generation pflanzt, die übernächste erntet“, erklärte Axt. Wie überall in Deutschland seien auch die Nordhäuser Waldbestände geschädigt. „Insbesondere der extrem trockene Sommer 2003 hat den Bäumen stark zugesetzt. Das zeigt sich an den deutlich kleineren Blättern und den kahleren Kronen. Deshalb ist eine penible Pflege wichtig: Zum Beispiel die Entnahme von Bäumen bei besonders dichtem Bewuchs, damit ein Baum nicht den anderen noch zusätzlich im Wachstum behindert.“
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)