Fr, 16:29 Uhr
05.01.2007
nnz-Doku: Diskussion geht weiter!
Nordhausen (nnz). Kaum ist das neue Jahr einige Tage alt, da geht die Diskussion um die Höhe der Personalkosten im Landratsamt weiter. Jetzt meldet sich der Personalrat der Landkreisverwaltung mit einem Offenen Brief an die Kreistagsmitglieder zu Wort.
Angestellte und Beamte in den Verwaltungen unseres Staates und der Kommunen stehen nicht gerade in der Gunst der öffentlichen Meinung. Vermeintlich unkündbare Arbeitsplätze, ach so hohe Einkommen und eine, na, nennen wir es mal, bräsige Arbeitsweise, das ist die landläufige Meinung, die die Beamten auf der Insel der Glückseeligkeit wähnt. Dieses Bild hat seine Ursachen - in der Geschichte und in der aktuellen Massenarbeitslosigkeit, in der Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt und natürlich im Charakter der Öffentlichen Verwaltung. Diese hat gemeinschaftliche Interessen durchzusetzen, die nicht unbedingt mit den individuellen übereinstimmen. Keiner ist erfreut über einen Beitragsbescheid oder eine Bauauflage und man ärgert sich über ihre Vollstrecker.
Mit der Wirklichkeit der Arbeit in unseren Verwaltungen aber haben diese Vorurteile heutzutage meist wenig zu tun. Benutzt wird das Negativimage jedoch gerne, wenn es darum geht, von eigenen Versäumnissen und Verantwortlichkeiten abzulenken. So erlebt in der letzten Diskussion um den Haushalt im Landkreis Nordhausen im Dezember letzten Jahres. Eine ganze Bürgermeisterfraktion hackte da auf dem Landrat und seiner 1. Beigeordneten herum, dass letztlich der aufgeblähte Verwaltungsapparat des Landratsamtes an unserer Haushaltsmisere schuld sei. Es werde Zeit, dass der Landrat anfange zu sparen. Und das natürlich bei seinem Verwaltungspersonal.
Der Landkreis Nordhausen ist mit einem vom Kreistag verabschiedeten Haushalt in das Jahr 2007 gegangen. Daran haben nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamtes großen Anteil. Darüber freuen sie sich auch gemeinsam mit dem Landrat und seinen Beigeordneten. Die haushaltslose Zeit ist durch einen halbwegs rechtssicheren Zustand ersetzt. Auch ich bin froh, dass ein, wenn auch nicht alle befriedigender und sicher streitbarer Kompromiss erreicht wurde. Der Stellenplan, Teil des Haushalts, der im Kreistag diese oben von mir angesprochene Diskussion hervorrief, stellt für die Kolleginnen und Kollegen, die ich als Personalrat vertrete, eine Planungssicherheit für ihre unmittelbare Zukunft dar. Er bildet zumindest kurzfristig die Grundlage für ein motiviertes Arbeiten der Fachkräfte im Landratsamt. Dieser Stellenplan war, dies ist eine gesetzliche Anforderung, im Vorfeld der Haushaltsdiskussion vom Landrat mit dem Personalrat abgestimmt worden.
Die Stimmen aus dem Kreistag, die von dem viel zu hohen Personalkosten im Landratsamt und der Notwendigkeit, dass jetzt die Verwaltung mit dem Sparen dran sei, sprachen, können nur meinen, weitere Stellen abzubauen. Kaum ein Bürgermeister würde dies in der eigenen Gemeinde für seine Verwaltung offen aussprechen. Das kann ihm jede Sympathie bei seinen Bürgern verscherzen und spätestens nach der nächsten Wahl das Amt kosten. Auf den Landrat lässt es sich da bequemer einschlagen.
Ich hatte an dieser Stelle in der nnz bereits früher den Kreistagsmitgliedern das Angebot unterbreitet, sich die Arbeit der Verwaltung doch einmal gemeinsam mit uns Personalräten anzuschauen. Kein Personalrat ist gegen Einsparungen. Wir stehen aber natürlich allen Versuchen entgegen, die klammen Kassen durch Entlassungen und Kurzarbeit sanieren zu wollen. Die Erfahrungen vieler Verwaltungen zeigen, dass dies immer dann schief geht, wenn einseitig Maßnahmen des Personalabbaus vorgenommen werden. Meistens geschieht das, weil sich die Verantwortlichen um intelligente Personalentwicklungskonzepte, die Wissen, Fachkenntnis und Mut zu neuen Wegen voraussetzen, drücken.
Die Personalräte des Landratsamtes sind für solche Konzepte immer zu haben. Nicht zu gewinnen sind wir aber für Sozialabbau. Deshalb möchte ich dem Landrat an dieser Stelle ganz bewusst meinen persönlichen Dank aussprechen für die in der nnz geäußerte mutige Haltung, dass er die Personalpolitik seines Hauses bestimmt. Die Personalräte werden ihm dabei entgegen kommen, wenn es darum geht, eine gute, leistungsfähige und effiziente Verwaltung im Landkreis Nordhausen zu erhalten.
Hier noch mein Appell als Wähler an alle Kreistagsmitglieder, die gerne noch mehr Personal im Landratsamt einsparen möchten und sich für pauschalen Stellenabbau aussprechen oder diesen durch Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich indirekt durchführen wollen:
Ich fordere Sie auf, sich zu dieser Ihrer Meinung auch offen und öffentlich zu bekennen! Das Landratsamt Nordhausen ist einer der größten Arbeitgeber in unserer strukturschwachen Region. Bitte, liebe Kreistagsmitglieder, sagen sie es Ihren Wählern offen ins Gesicht, dass Sie Arbeitsplätze vernichten wollen. Fast an jedem Verwaltungsbediensteten hängt eine Familie. Häufig ist das im Landratsamt beschäftigte Familienmitglied das einzige mit festem Einkommen. Da wir tarifgerecht oder nach Beamtenrecht bezahlt werden, fallen die langzeitarbeitslosen Ehegatten meist aus der Hilfe des ALG II heraus.
Der Altersdurchschnitt der Beschäftigten im Landratsamt grenzt an die 50 Jahre. Wer da arbeitslos wird, der bleibt es fast immer auch. Bitte sagen Sie diesen Familien offen, dass Sie sie zu Bedarfsgemeinschaften nach Hartz IV machen wollen, dass Sie nichts dagegen haben, sie in die Armut zu treiben! Sagen Sie auch allen Gewerbetreibenden unseres Landkreises, dass Sie alles dafür tun, dass die Entlassenen und weniger Verdienenden zukünftig keine Leistungen und Waren mehr bei ihnen einkaufen werden und dies Ihr persönlicher Beitrag zur Wirtschaftsförderung ist.
Und mahnen sie auch die verbleibenden Mitarbeiter im Landratsamt, dass sie gefälligst für weniger Geld noch mehr arbeiten sollen, wenn sie ihren Job nicht verlieren wollen. Stehen Sie zu dieser Art von Leistungsmotivierung! Das Ergebnis wird zeigen, ob Sie im Recht sind. Mit solchen offenen Worten kann auch ich als Personalrat leben. Und, liebe Kreistagsmitglieder, verstecken Sie sich dann bitte nicht hinter dem Haushalt, dem Landrat oder Ihrer Fraktion. Treten Sie offenen Herzens für Ihre Meinung ein! Ich fordere Sie zur Diskussion über die Zukunft der Mitarbeiter im Landratsamt Nordhausen und stehe Ihnen hierfür persönlich bereit!
Klaus-Uwe Koch, Vorsitzender des Personalrates
Autor: nnzAngestellte und Beamte in den Verwaltungen unseres Staates und der Kommunen stehen nicht gerade in der Gunst der öffentlichen Meinung. Vermeintlich unkündbare Arbeitsplätze, ach so hohe Einkommen und eine, na, nennen wir es mal, bräsige Arbeitsweise, das ist die landläufige Meinung, die die Beamten auf der Insel der Glückseeligkeit wähnt. Dieses Bild hat seine Ursachen - in der Geschichte und in der aktuellen Massenarbeitslosigkeit, in der Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt und natürlich im Charakter der Öffentlichen Verwaltung. Diese hat gemeinschaftliche Interessen durchzusetzen, die nicht unbedingt mit den individuellen übereinstimmen. Keiner ist erfreut über einen Beitragsbescheid oder eine Bauauflage und man ärgert sich über ihre Vollstrecker.
Mit der Wirklichkeit der Arbeit in unseren Verwaltungen aber haben diese Vorurteile heutzutage meist wenig zu tun. Benutzt wird das Negativimage jedoch gerne, wenn es darum geht, von eigenen Versäumnissen und Verantwortlichkeiten abzulenken. So erlebt in der letzten Diskussion um den Haushalt im Landkreis Nordhausen im Dezember letzten Jahres. Eine ganze Bürgermeisterfraktion hackte da auf dem Landrat und seiner 1. Beigeordneten herum, dass letztlich der aufgeblähte Verwaltungsapparat des Landratsamtes an unserer Haushaltsmisere schuld sei. Es werde Zeit, dass der Landrat anfange zu sparen. Und das natürlich bei seinem Verwaltungspersonal.
Der Landkreis Nordhausen ist mit einem vom Kreistag verabschiedeten Haushalt in das Jahr 2007 gegangen. Daran haben nicht nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Landratsamtes großen Anteil. Darüber freuen sie sich auch gemeinsam mit dem Landrat und seinen Beigeordneten. Die haushaltslose Zeit ist durch einen halbwegs rechtssicheren Zustand ersetzt. Auch ich bin froh, dass ein, wenn auch nicht alle befriedigender und sicher streitbarer Kompromiss erreicht wurde. Der Stellenplan, Teil des Haushalts, der im Kreistag diese oben von mir angesprochene Diskussion hervorrief, stellt für die Kolleginnen und Kollegen, die ich als Personalrat vertrete, eine Planungssicherheit für ihre unmittelbare Zukunft dar. Er bildet zumindest kurzfristig die Grundlage für ein motiviertes Arbeiten der Fachkräfte im Landratsamt. Dieser Stellenplan war, dies ist eine gesetzliche Anforderung, im Vorfeld der Haushaltsdiskussion vom Landrat mit dem Personalrat abgestimmt worden.
Die Stimmen aus dem Kreistag, die von dem viel zu hohen Personalkosten im Landratsamt und der Notwendigkeit, dass jetzt die Verwaltung mit dem Sparen dran sei, sprachen, können nur meinen, weitere Stellen abzubauen. Kaum ein Bürgermeister würde dies in der eigenen Gemeinde für seine Verwaltung offen aussprechen. Das kann ihm jede Sympathie bei seinen Bürgern verscherzen und spätestens nach der nächsten Wahl das Amt kosten. Auf den Landrat lässt es sich da bequemer einschlagen.
Ich hatte an dieser Stelle in der nnz bereits früher den Kreistagsmitgliedern das Angebot unterbreitet, sich die Arbeit der Verwaltung doch einmal gemeinsam mit uns Personalräten anzuschauen. Kein Personalrat ist gegen Einsparungen. Wir stehen aber natürlich allen Versuchen entgegen, die klammen Kassen durch Entlassungen und Kurzarbeit sanieren zu wollen. Die Erfahrungen vieler Verwaltungen zeigen, dass dies immer dann schief geht, wenn einseitig Maßnahmen des Personalabbaus vorgenommen werden. Meistens geschieht das, weil sich die Verantwortlichen um intelligente Personalentwicklungskonzepte, die Wissen, Fachkenntnis und Mut zu neuen Wegen voraussetzen, drücken.
Die Personalräte des Landratsamtes sind für solche Konzepte immer zu haben. Nicht zu gewinnen sind wir aber für Sozialabbau. Deshalb möchte ich dem Landrat an dieser Stelle ganz bewusst meinen persönlichen Dank aussprechen für die in der nnz geäußerte mutige Haltung, dass er die Personalpolitik seines Hauses bestimmt. Die Personalräte werden ihm dabei entgegen kommen, wenn es darum geht, eine gute, leistungsfähige und effiziente Verwaltung im Landkreis Nordhausen zu erhalten.
Hier noch mein Appell als Wähler an alle Kreistagsmitglieder, die gerne noch mehr Personal im Landratsamt einsparen möchten und sich für pauschalen Stellenabbau aussprechen oder diesen durch Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich indirekt durchführen wollen:
Ich fordere Sie auf, sich zu dieser Ihrer Meinung auch offen und öffentlich zu bekennen! Das Landratsamt Nordhausen ist einer der größten Arbeitgeber in unserer strukturschwachen Region. Bitte, liebe Kreistagsmitglieder, sagen sie es Ihren Wählern offen ins Gesicht, dass Sie Arbeitsplätze vernichten wollen. Fast an jedem Verwaltungsbediensteten hängt eine Familie. Häufig ist das im Landratsamt beschäftigte Familienmitglied das einzige mit festem Einkommen. Da wir tarifgerecht oder nach Beamtenrecht bezahlt werden, fallen die langzeitarbeitslosen Ehegatten meist aus der Hilfe des ALG II heraus.
Der Altersdurchschnitt der Beschäftigten im Landratsamt grenzt an die 50 Jahre. Wer da arbeitslos wird, der bleibt es fast immer auch. Bitte sagen Sie diesen Familien offen, dass Sie sie zu Bedarfsgemeinschaften nach Hartz IV machen wollen, dass Sie nichts dagegen haben, sie in die Armut zu treiben! Sagen Sie auch allen Gewerbetreibenden unseres Landkreises, dass Sie alles dafür tun, dass die Entlassenen und weniger Verdienenden zukünftig keine Leistungen und Waren mehr bei ihnen einkaufen werden und dies Ihr persönlicher Beitrag zur Wirtschaftsförderung ist.
Und mahnen sie auch die verbleibenden Mitarbeiter im Landratsamt, dass sie gefälligst für weniger Geld noch mehr arbeiten sollen, wenn sie ihren Job nicht verlieren wollen. Stehen Sie zu dieser Art von Leistungsmotivierung! Das Ergebnis wird zeigen, ob Sie im Recht sind. Mit solchen offenen Worten kann auch ich als Personalrat leben. Und, liebe Kreistagsmitglieder, verstecken Sie sich dann bitte nicht hinter dem Haushalt, dem Landrat oder Ihrer Fraktion. Treten Sie offenen Herzens für Ihre Meinung ein! Ich fordere Sie zur Diskussion über die Zukunft der Mitarbeiter im Landratsamt Nordhausen und stehe Ihnen hierfür persönlich bereit!
Klaus-Uwe Koch, Vorsitzender des Personalrates

