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Fr, 07:39 Uhr
05.01.2007

nnz-Forum: Preise in Höchstform?

Nordhausen (nnz). Die nnz hatte gestern über die Gaspreise der Energieversorgung Nordhausen (EVN) berichtet. Dazu gibt es jetzt Anmerkungen eines nnz-Lesers im Forum.


„Wir sind für Wettbewerb“ - ich auch, nur das reicht nicht! Zu einer erfolgreichen Wirtschaftspolitik gehört nicht nur der Wille die Wirtschaft zu entwickeln, sondern auch ganz konkret die Schaffung von Standortfaktoren, die die Ansiedlung von neuen und insbesondere das Verbleiben der bestehenden Unternehmen fördert. Nicht unwichtig sind dabei die regionalen Energiepreise. So verwundert es mich schon, wenn ich lese, dass die EVN zu den teuersten Anbietern in Deutschland gehört. Wer sind denn nun die Verursacher der hohen Preise?

Die Energiekonzerne? Wirklich nicht! Die Beschaffungskosten sind über die internationale Strombörse für alle Stromanbieter im Markt fast gleich. Die großen Erzeuger realisieren ihre Gewinne aus der Differenz zwischen dem Aufwand für die Erzeugung und den Börsenpreisen, in die der Staat nicht regulierend eingreifen kann und will. So bleiben als Variable für die Stromanbieter gegenüber dem Verbrauchskunden nur die Netznutzungsentgelte und die Vertriebsmarge. Für letztere müssen die Anbieter ihre Kosten im Detail öffentlich machen.

Wie wollen aber Außenstehende kompetente Urteile über betriebliche Strukturen, Organisation, Anzahl und Notwendigkeit von Beschäftigung und andere Kostenkomponenten abgeben? Zumal es sich dabei nur um Bruchteile des Gesamtpreises handelt. Durch Aktionismus wird meines Erachtens hier nur vom eigentlichen Verursacher abgelenkt. Denn vom hohen Marktpreis profitiert in erster Linie der, der die Abgaben, Konzessionen und Steuern aufschlägt. In Summe ca. 40 %!!!

Lt. Energieversorgung Nordhausen GmbH, Bericht Geschäftsjahr 01.10.2004 bis 30.09.2005, nachzulesen im Internet, betrugen die „Umsatzerlöse“ ca. 37,2 Mio EUR ,das Ergebnis aus „gewöhnlicher Geschäftstätigkeit“ ca. 11,5 Mio EUR. Nach Abführung der Steuern blieben für „Aufwendungen aus Gewinnabführungsvertrag“ - gemeint ist m.E. der Gesellschafter die Stadt Nordhausen - ca. 10,6 Mio EUR. Einfach gesagt, die Energiepreise der EVN sind im Mittel um ca. 28,5 % zu hoch, weil mit ca. 28,5 % weniger Erlösen immer noch alle Kosten gedeckt sind. Warum der Bund und der Freistaat Thüringen zu dem noch Investitionszulagen in nicht unbeträchtlicher Höhe einfließen lässt, bleibt mir angesichts dieser komfortablen Situation völlig unklar – nur: auch dies sind Steuergelder!

Der Verbraucher zahlt verordnetermaßen also nicht nur für Strom, Gas und Fernwärme, er zahlt auch einen nicht unerheblichen Anteil für soziale Infrastruktur und städtische Ausgaben. Und dies sollte ihm bei aller Energiepreisdiskussion bewusst sein. Was hat das mit Wirtschaftspolitik zu tun - „öffentlich Wasser predigen und heimlich Wein trinken“?

Im Interesse nicht nur der Wirtschaft: die Region Nordhausen braucht erträgliche Energiepreise. Wir können wohl kaum in unseren Standortatlas aufnehmen: Energiepreise in Höchstform!
Roland Handrek, Nordhausen
Autor: nnz

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