eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige symplr (4)
So, 09:29 Uhr
13.01.2002

JS-Special: Milde Gaben unerwünscht

Nordhausen (nnz). Nachdem sich nnz kürzlich mit dem Sammeln von Spendengeldern per Internet befasste, soll nachfolgend in drei Folgebeiträgen die Problematik des Sammelns von Kleidern dargestellt werden. Um was es dabei konkret geht, soll zunächst am Beispiel eines der Empfängerländer, nämlich Kenia, dargestellt werden.


„Anfang der 80er Jahre beschäftigten Textilunternehmen in Kenia 80.000 Menschen mit festen Verträgen. Heute sind es nicht einmal 10.000“, klagt John Nyandiga, Generalsekretär der dortigen Schneidergewerkschaft. Er führt das nicht zuletzt auf den „Mitumba“ genannten Altkleiderhandel zurück, wie Nyandiga der IG Metall berichtete, die hier zu Lande auch die Arbeiter und Angestellten der Textilbranche vertritt.

Der Dachverband Internationale Textil-, Bekleidungs- und Lederarbeiter-Vereinigung fordert wegen zahlreicher solcher Meldungen, „dass das Spenden von Altkleidern eingestellt werden muss, es sei denn, es hat eine Katastrophe stattgefunden“. Entwicklungsländer könnten alte Kleider als Rohstoff verarbeiten, aber nicht ihre Konsummärkte damit versorgen. Solche Stellungnahmen bestätigen die hiesige Initiative Südwind. Sie spricht sich seit einem Jahrzehnt grundsätzlich gegen Textilexporte aus, weil sie Arbeitslosigkeit verursachten und den Entwicklungsperspektiven schade. Kleiderspenden seien deshalb nicht mit karitativem Engagement zu vereinbaren.

Textilrecycler reagieren darauf bis heute empört. Schweizer Unternehmen antworteten mit einer Gegenstudie. Hiesige Firmen berufen sich außerdem auf eine Expertise der Firma Luso-Consult, die das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in Auftrag gab. Ihr zufolge ist die Ausfuhr in afrikanische Staaten harmlos. Allerdings hat sich das Ressort längst von der Luso-Consult-Arbeit distanziert. Sie sei wegen des „vorherrschenden Datenmangels“ ­ mangelhaft. Es gibt keine zuverlässigen Statistiken. Das Ministerium geht davon aus, Kleiderproduktion sei in vielen armen Staaten „der einzige funktionierende Industriesektor“, und seine Schädigung könne „für die gesamte Entwicklung eines Landes gefährliche Auswirkungen haben“. Obendrein bezeichnen es die Beamten als problematisch, dass arme Volkswirtschaften von der Versorgung mit „Abfallprodukten des Nordens“ abhängig würden. Lieferungen aus Industriestaaten dienten außerdem vor allem den wohlhabenden Mittelschichten. Ein Exportverbot wird aber nicht ins Auge gefasst. Dem stünden die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) entgegen.

Ein solches Verbot wäre auch nicht im Sinne des Bundeswirtschaftsministeriums. Dort heißt es, im Prinzip spreche nichts dagegen, existierende Märkte zu bedienen. Die Wirkung des Gebrauchtkleiderhandels in armen Staaten sei schwer einzuschätzen ­ und das sei Aufgabe der dortigen Behörden. Die Bundesregierung suche noch nach einer konsistenten Position. Das internationale Handelsrecht gibt Entwicklungsländern die Möglichkeit, Importe zu behindern, etwa mit Zöllen. Südwind beklagt aber, dass solche Regelungen häufig durch Schmuggel - beispielsweise über offene Grenzen aus Nachbarländern - umgangen würden. Tatsächlich erschweren Korruption und Infrastrukturmängel solche Schritte, wenn die örtlichen Eliten sie überhaupt verfolgen. Auch in Entwicklungsländern wird schließlich an alten Kleidern verdient.

Wie demgegenüber hier zu Lande am Altkleideraufkommen verdient und was hinter den Kulissen des angeblich karitativen Altkleidersammelns gespielt wird, lesen Sie in den folgenden Beiträgen.
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)