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Sa, 09:19 Uhr
23.09.2006

nnz-doku: Nordhäuser Erklärung

Nordhausen (nnz). Am Mittwoch hat der Stadtrat einstimmig eine Nordhäuser Erklärung „Für Toleranz und Zivilcourage“ beschlossen. Die nnz veröffentlicht das Papier in der doku-Reihe.


Für die Stadt Nordhausen ist die Zeit des Nationalsozialismus das dunkelste Kapitel ihrer Geschichte. Vor den Toren unserer Stadt, im Konzentrationslager Dora-Mittelbau wurden tausende Menschen zu Tode gequält. Unsere altehrwürdige Stadt mit ihrer über tausendjährigen Geschichte ging im Bombenhagel unter.

In Anbetracht der Geschichte unserer Stadt und in Fortsetzung unseres bisherigen Handels, missbilligen wir den geplanten Aufmarsch der NPD in Nordhausen am 7. Oktober 2006. Unter Berufung auf die im Grundgesetz verankerten Grundrechte erklären wir:

dass wir für ein demokratisches und tolerantes Miteinander in Nordhausen und für eine humane Gesellschaft eintreten,

dass es keinen Bereich in unserer Stadt und unserer Republik gibt, in dem unsere demokratische Verfassung außer Kraft gesetzt werden darf,

dass fremdenfeindliches und rassistisches Handeln und politisch motivierte Gewalt von uns niemals akzeptiert werden.

Wir wollen in unserer Stadt in einer Atmosphäre des Miteinander leben, in der gegenseitige Achtung und Toleranz, Solidarität und gegenseitige Rücksichtnahme selbstverständlicher Alltag sind.

Wir sind verantwortlich für das Gemeinwesen unserer Stadt.
Wo immer die freiheitlichen Grundrechte und das Zusammenleben der Menschen bedroht sind, Ausgrenzungen und Bedrohungen von Minderheiten und Andersdenkenden geschehen, werden wir mit Zivilcourage für Menschlichkeit und die Wahrung der Grundrechte eintreten.

Wir freuen uns, dass in den Schulen, in der Jugendarbeit und im Gemeinwesen unserer Stadt in den letzten Jahren Strukturen entstanden sind, die das Zusammenleben vieler verschiedener Menschen, mit unterschiedlicher Herkunft, Heimat und Sprache, mit verschiedenem Glauben und unterschiedlichen politischen Anschauungen fördern. Diese Vielfalt macht unsere Stadt reicher und interessanter.

Unsere jüdischen Mitbürger haben mit der Neugründung einer jüdischen Gemeinde ein Zeichen gesetzt. Wir tragen eine besondere Verantwortung ihnen ein lebens- und liebenswertes Nordhausen zu bieten.

Wir wenden uns gegen jede Form nationaler Überheblichkeit. Wir sehen diese als eine Bedrohung für das Gemeinwesen unserer Stadt. In Nordhausen darf kein Platz für Neonazis und deren Gedankengut sein.

Wir rufen alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt Nordhausen auf:

sich für die gewaltfreie Austragung von Konflikten einzusetzen, sich einzumischen, wenn andere bedroht oder angegriffen werden,

nein zu sagen, wenn Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder ihrer Religion beleidigt oder ausgegrenzt werden,

nein zu sagen, wenn z.B. Wohnungslose, Behinderte, Kranke, alte Menschen, Homosexuelle - alle die „anders“ sind - verspottet oder diskriminiert werden,

nein zu sagen, wenn Andersdenkende, Andersgläubige und Ausländer angefeindet werden.

Helfen Sie mit, dass in Nordhausen weiterhin eine Atmosphäre des Miteinander, der Friedfertigkeit und Vielfalt gedeihen kann. Hierzu haben sich viele Nordhäuser Parteien, Kirchen, Vereinen und Gruppen über alles sie Trennende hinweg im Bündnis gegen Rechts zusammengefunden.

Lassen Sie uns am 6. und 7. Oktober 2006 ein Zeichen setzen!
Nehmen Sie an den angebotenen Veranstaltungen teil!
Nordhausen, im September 2006“
Autor: nnz

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