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Do, 12:08 Uhr
21.09.2006

Kippt die Hoffnung?

Nordhausen (nnz). Die Konjunktur befindet sich nach dem Stimmungshoch im Frühsommer 2006 an einem möglichen Wendepunkt. So haben die Hoffnungen auf einen dauerhaften Aufschwung einen unerwarteten Dämpfer erhalten. Die IHK in Erfurt hat bei Unternehmen in Mittel- und Nordthüringen nachgefragt.


Trotz derzeit guter Geschäftslage beurteilen die Thüringer Unternehmer die kommenden Monate wieder weitaus pessimistischer. Der Konjunkturklimaindex, der sowohl die aktuelle wirtschaftliche Situation als auch die Erwartungen und Pläne berücksichtigt, fällt um sieben Punkte zur vorhergehenden Analyse und erreicht nur noch 106 von 200 möglichen Prozentpunkten. Das ist das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Erfurt unter rund 1.000 Unternehmen in Nord- und Mittelthüringen.

„Die Politik sollte auf die Alarmsignale reagieren und ihren wirtschaftspolitischen Kurs überdenken“, fordert IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser. Die Frühindikatoren würden darauf hindeuten, dass im nächsten Jahr eine neue Durststrecke für die Wirtschaft bevorstehe und das Wachstum sich merklich abschwäche. So fällt der Blick in die Zukunft bei den Managern deutlich schlechter aus. Die Zahl der Pessimisten steigt von 14 auf 21 Prozent. Die Gründe sieht Grusser vor allem hausgemacht: Mit der größten Steuererhöhung der Nachkriegszeit setze die große Koalition die Unternehmen einem nie da gewesenen Belastungstest aus und schwäche die Konsumkraft der Verbraucher. Die Unsicherheiten über den Ausgang der anstehenden Reformen bei Gesundheit und Rente kämen noch hinzu.

„Es ist höchste Zeit umzusteuern und der Konjunktur neue Dynamik zu verleihen“, warnt Grusser davor, die derzeit günstige Ausgangslage leichtfertig zu verspielen. Immerhin schätzen branchenübergreifend 86 Prozent der Befragten ihre aktuelle wirtschaftliche Situation mit gut bis befriedigend ein. Für rund ein Viertel der Unternehmen hat sich die Ertragslage weiter verbessert, inzwischen arbeiten sogar 43 Prozent mit Gewinn. Die Investitionsabsichten haben sich auf dem Niveau der vorhergehenden Befragung stabilisiert. Zwei Drittel der Unternehmer beabsichtigen ihr Budget aufzustocken oder zumindest konstant zu halten. „Größere Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt lassen dagegen weiter auf sich warten“, so Grusser. Noch immer bleibe die Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze die Ausnahme. Nur jeder zehnte Unternehmer plane Neueinstellungen. Die Mehrzahl der Firmenchefs (74 Prozent) könne das Auftragspotential mit dem vorhandenen Personalbestand bewältigen.

„Als solider Leistungsträger behauptet sich nach wie vor die Industrie“, verweist Grusser auf 85 Prozent der Manager, die mit ihrer derzeitigen Geschäftslage zufrieden sind. Die Auftragseingänge in den Unternehmen seien weiter gestiegen und die Kapazitätsauslastung bewege sich auf hohem Niveau: Rund drei Viertel der Befragten würden ihre Maschinen und Anlagen zu 80 Prozent und mehr auslasten. Dies habe dazu beigetragen, dass die Thüringer Industriebetriebe in den ersten sieben Monaten 2006 ein Plus von 10,3 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres erwirtschafteten. Dafür verantwortlich wären der Anstieg der Inlandsverkäufe um 10,0 Prozent und die Zunahme der Ausfuhren um 11,3 Prozent.
Auch in den nächsten Monaten rechneten die exportorientierten Firmen mit einem stabilen Auslandsgeschäft. Mehr als zwei Drittel gingen von steigenden oder zumindest gleich bleibenden Exporten aus.

Auch vom Baugewerbe kommen positive Signale. „Die Kräne auf den Baustellen drehen sich derzeit so schwungvoll wie seit 1994 nicht mehr“, betont der IHK-Hauptgeschäftsführer. Inzwischen bewerte jeder vierte Unternehmer seine aktuelle Geschäftslage mit gut. Im vergangenen Jahr hätte dies nur jeder sechste getan. Bei einem Drittel der Befragten konnten zusätzliche Auftragseingänge registriert werden. Insbesondere im öffentlichen und Straßenbau hätten sich die Auftragsbücher wieder gefüllt.

Bestätigung findet die gute Einschätzung der Unternehmen durch die Daten des Statistischen Landesamtes. Die in die monatliche Berichterstattung einbezogenen Betriebe des Thüringer Bauhauptgewerbes erhielten von Januar bis Juli 2006 deutlich mehr Aufträge als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Im Ergebnis erzielten die Unternehmen in den ersten sieben Monaten des Jahres einen Umsatz in Höhe von 874 Millionen Euro. Das war ein um 6,4 Prozent höheres Umsatzvolumen als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

„Ein weiterhin schwaches Bild zeichnet dagegen der private Konsum; dementsprechend ist auch die Stimmungslage im Gastgewerbe und Handel eher gedrückt“, beschreibt Grusser die Situation. Die Hoffnungen der Gastronomen hätten sich nicht erfüllt. Gerade einmal sechs Prozent der Befragten beurteilten ihre aktuelle Geschäftslage noch mit gut. In den vergangenen Monaten musste die Branche erneut Umsatzverluste hinnehmen. So habe sich die Ertragslage bei 36 Prozent der Betriebe verschlechtert, fast ebenso viele würden rote Zahlen schreiben.

„Im Einzelhandel sieht es ähnlich aus; nur noch jeder zehnte Händler meldet eine gute Geschäftslage“, zieht Grusser Parallelen zur Gastronomie. Jeder Dritte schätze den bisherigen Saisonverlauf als schlecht ein. 44 Prozent beklagten weitere Umsatzverluste. Und auch die Aussichten seien nicht rosig. Lediglich 10 Prozent erwarteten eine Verbesserung ihrer Situation. 31 Prozent kalkulierten in der nahen Zukunft einen Rückgang ihres Umsatzes ein, denn 2007 komme ein ganzes Bündel an Zusatzbelastungen auf die Bürger zu, allen voran die um drei Prozentpunkte steigende Mehrwertsteuer.

Fazit: Die aktuelle Stimmung in den Unternehmen ist weiterhin gut. Positive Umsatzzahlen insbesondere aus dem Produzierenden Gewerbe lassen einen spürbaren Anstieg des Wirtschaftswachstums in diesem Jahr erhoffen. Mit Blick in die Zukunft zeigen sich die Firmenchefs jedoch wieder deutlich skeptischer. Allzu oft sind ihre Erwartungen an den Reformwillen und die -fähigkeit der Politik in den letzen Jahren enttäuscht worden. So hängt es in entscheidendem Maße von den Aktivitäten der Bundesregie-rung in den kommenden Monaten ab, ob der leicht angeschlagene Patient „Konjunktur“ sich schnell wieder erholt. Weitere Steuererhöhungen, die Unsicherheiten über die Reformen bei Unternehmenssteuern und Gesundheit könnten allerdings Gift für die konjunkturelle Dynamik werden.
Autor: nnz

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