eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige Refinery (c1)
Mi, 10:30 Uhr
20.09.2006

Freier Funk für Neustadt?

Nordhausen/Neustadt (nnz). Eigentlich ist Neustadt im Südharz ein eher ruhiges Plätzchen. Es soll seinen Gästen Erholung bringen. Einigen Golfern bringt es die sportliche Abwechslung und für Handy-Fonierer soll der Empfang besser werden. Doch aus all dem ist nun ein handfester Krach entstanden. Die nnz mit einer Bestandsaufnahme.


In Neustadt gibt es seit Jahren einen Golfpark. Elitäres Gehabe, sagen die einen, bei uns kann jeder mitmachen, die anderen. Wie dem auch sei, der Verein hat in den zurückliegenden Jahren viel für die Verbesserung des Areals der ehemaligen Gärtnerei getan. Und natürlich auch für das Hobby seiner Mitglieder, von denen die wenigsten im Kurort selbst zu Hause sind.

Von der Gärtnerei ist nicht mehr allzu viel übrig geblieben, außer der Schornstein, der mitten in der Landschaft steht. An den soll nun eine Mobilfunkantenne montiert werden. Der Mobilfunkanbieter E-Plus will sein Versorgungsnetz in der Region verbessern. Und so hat der Golfpark Neustadt/Harz e.V. den Schornstein an E-Plus vermietet. Das sichert Einnahmen, macht aus dem ungeliebten Ding nun ein lukratives Geschäft. Wie Vereinsvorsitzender Norbert Grahl per Mitteilung wissen ließ, wird E-Plus die Demontage und Entsorgung der Ausdehnungsgefäße und der Plattform ebenso übernehmen, wie für den neuen Farbanstrich sorgen. Der Verein seinerseits wird auf der Spitze des Schornsteins einen Nistplatz für Störche errichten. Wie aus der Mitteilung außerdem hervorgeht, habe man Fördermittel für den Abriss des Schlotes beantragt, doch keine erhalten.

Nicht so begeistert von dem Vorhaben der Golffreunde ist die Gemeinde Neustadt. Deren Bauausschuss hatte im Juli beraten und das Vorhaben abgelehnt. Bürgermeister Peter Sieckel verweist in einen Brief an den Verein, dass mehrfach gegen die Empfehlungen und Festlegungen in der „Vereinbarung zwischen den kommunalen Spitzenverbänden und den Mobilfunknetzbetreibern zu Ausbau der Netze“ verstoßen werde. Dem Vorhaben mangele es an der vereinbarten umfassenden Information der Kommune und ihrer Bürger. Sieckel verweist auch auf die unmittelbare Nähe eines Kindergartens zur künftigen Antenne. In seiner Antwort verweist hingegen Vereinsvorsitzender Grahl darauf, „dass der Betreiber der Anlage sich an alle geltenden Gesetze hält“. Noch im vergangenen Jahr war Neustadts Bürgermeister jedoch ganz anderer Meinung. Mit einem Schreiben vom November 2005, das der nnz vorliegt, hatte er dem Mobilfunkbetreiber den Schornstein der alten Gärtnerei vorgeschlagen. Am 11. September 2006 dann erst der Rückzieher, in dem auf die Nähe eines Kindergartens hingewiesen wird. Viel zu spät, so E-Plus.

Soweit, so gut – oder nicht gut. In Neustadt hat sich gegen die Errichtung der Anlage eine Bürgerinitiative gegründet, nach Angaben von Roald Hesse, der bis vor wenigen Tagen dem Golfverein angehörte, hätten nahezu 200 Bürger per Unterschrift gegen die Antenne protestiert. Die „Bürgerinitiative für einen mobilfunkantennenfreien Ortskern“ fürchtet eine dauerhafte gesundheitliche Schädigung, außerdem sei in einem staatlich anerkannten Luftkurort auf die Sensibilität bei derartigen Vorhaben einzugehen. Weiterhin befürchten Grundstücksnachbarn eine Wertminderung ihrer Anwesen.

Auch hier kontert Norbert Grahl und schreibt an Bürgermeister Sieckel: „Ich empfehle dem Bauausschuss, sich einmal die Wohnscheiben oder das Postgebäude in Nordhausen anzusehen, diese Mobilfunkantennen sind bei weitem größer und befinden sich direkt im Zentrum von Nordhausen.“
Autor: nnz

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (8)