Di, 07:10 Uhr
12.09.2006
nnz-Forum: Post aus Kanada
Nordhausen (nnz). Willkommen im neu-demarkierten Grenzgebiet Nordthüringen – so überschreibt ein nnz-Leser aus Kanada eine Mail zur derzeitigen Theatersituation in Nordhausen und in Thüringen. Die nnz veröffentlicht den Leserbrief im Forum.
Noch nicht einmal 100 Jahre nach dem Bau des Nordhäuser Theaters, und nicht einmal 17 Jahre nach dem Obsoletwerden des politischen Grenzgebietes im Landkreis holt uns die kulturelle Wende der Thüringer Realpolitik ein. Wenn man sich mal die geplanten Kürzungsentscheidungen auf der Landkarte vor Augen hält, so fällt einem auf, dass mit dem Wegfallen des Nordhäuser Theaters und des Sondershäuser Loh-Orchesters dann im Nordthüringer Raum ein kulturell eingeschränktes Zonenrandgebiet geschaffen wird. Außerdem plant Herr Goebel, mit seiner Kürzung der Landeszuschüsse eine Förderung nach neu zusammengefassten "Töpfen" um dem Erfordernis der Thüringer Haushaltssanierung und Einsparung gerecht zu werden.
Dies soll nach seinen Angaben den Häusern entsprechend ihrer Bedeutung nach…” zufließen. Es bleibt jedoch zu fragen was denn eine thüringenweite Einsparung von 0,14 Prozent der Landesregierung weiterhilft. Man muss sich doch fragen, ob Entscheidungen logisch sachgerecht, lokal gerecht und vor allem kulturell-sozial gerechtfertigt abgewogen sind, wenn dadurch andere populäre Ziele nur pro forma erreicht werden sollen. Was bringt es, einen kulturtoten Raum Nordthüringen zu schaffen, den man dann auch bald durch Autobahnanbindung ganz schnell zukünftig umfahren kann, und man dabei 0.14 % Einsparungen erzielt? So wie sich die Situation im Moment darstellt, werden die verantwortlichen Thüringer Minister nicht als die glorreichen Einsparer, sondern skrupellosen Kulturkahlschläger in die Nordthüringer Geschichte eingehen. Vielleicht sollte man Minister Goebel erklären, dass er Minister für und nicht gegen Kultur und Bildung ist.
Laut Hinweisen der Thüringer Staatkanzlei auf ihren Internetseiten (Aug 12, 2006), begibt man sich mit einer Reise nach Thüringen ins kulturelle Paradies. Dort wird dem Bürger erklärt, dass Thüringen ... historisch bedingt und residenziell geprägt ein dichtes bürgernahes und gut über das Land verteiltes Netz kultureller Schwerpunkte, die allen Bürgern auf kurzen Wegen den Zugang zur ganzen Vielfalt der Kultur erlauben...[sic] und nicht nur das, es wird weiter eingetrichtert: Wer sich mit Kultur in Thüringen befasst, wird in allen Sparten ein zeitgemäßes und vielfältiges Leben wahrnehmen, wird feststellen, dass sich durch die beachtlichen Anstrengungen der Kommunen und Landkreise ergänzt um eine in der Bundesrepublik einmalig hohe Landesförderung eine kulturelle Infrastruktur entwickelt hat, die den hohen Erwartungen und Bedürfnissen der Bürger Thüringens und auch seinen Gästen entspricht. [sic] Was wird wohl in Zukunft auf den Internetseiten zu lesen sein? Im politischen Utopia des nordthüringer Raumes wird dann die Groschen-Oper als Hauptakt der neu geschaffenen Ein-Euro-Straßenfestspiele angepriesen und als weitere Attraktion fachkundige Führungen zum kontrollierten Kulturabriss” des Theaters angeboten.
Leider geht es aber nicht nur um die finanzielle Einsparung, sondern auch die intellektuelle und bildungskulturelle Kürzung, sowie den Wegfall von Arbeitsplätzen. Das Theater war immer zuverlässiger Partner von Orchestern, Chören, überregionaler Veranstaltungen und der Nordhäuser Schulen. Es nahm damit eine bedeutende Aufgabe wahr in der Heranführung junger Generationen zu Schauspiel, Gesang, Chor und Orchester. Diese Tradition, die ich noch in reger Erinnerung habe, wurde für viele Nordhäuser Familien fester Bestandteil des sozial-kulturellen Lebens in Nordhausen. Der gegenwärtige Plan des Thüringer Ministers wird jedoch dazu führen, dass man sich eine Partnerschaft von Kultur und Bildung in Nordhausen nicht mehr leisten kann. Dass ein finanziell totes Theater keine Bedeutung entfalten kann, ist wohl jedem einzuleuchten, und wie der Minister selbst ankündigte: ohne Bedeutung kein Geld”.
Im Namen der vielen verzweifelt Unterstützung in Nah und Fern suchenden Nordhäuser frage ich die verantwortlichen Minister für Kultur, Bildung und Soziales sowie den ebenfalls von Nordthüringen stammenden Ministerpräsidenten Thüringens welche Kultur wird es denn in Nordthüringen noch geben, wenn mit dem Nordhäuser Theater/ Loh-Orchester GmbH nach den IFA-Motoren nun auch die kulturellen Motoren nicht mehr brummen?
Erwartet man etwa von uns, dass wir uns ins Harzer Hölzchen schleichen und dort dem Hexentanz als einzig verbleibendes traditionelles Kulturerbe frönen? Kultur ist ein Bote, ein Bote der geschichtlichen Vergangenheit, sowie gegenwärtiger Erfahrungen und Einsichten; es ist Aufklärung und intellektueller Antrieb für all diejenigen, die sich in sprachlich dargebotener Runde der Kommunikation, in der noch unsere Sinne benutzt werden, besser fühlen, als im Cyberspace der anonymen Computerwelt des Einzelgängers oder der stumpfsinnig, dumpfbackigen Bedröhnung, die uns im Fernsehen als so genannte Unterhaltung geboten wird.
Das Theater und Loh-Orchester sind damit auch Refugium und Gegenmittel kultureller und sprachlicher Verarmung, denn Kultur und die Darbietung des geschriebenen Wortes hat auch bildungsrelevante Bedeutung. Es bindet den Gast mit allen seinen Sinnen ein, es regt zur geistigen Beteiligung an und nicht einfach zur visuellen Konsumation von digitalen Eindrücken. Es hatte seinen guten Grund, warum Nordhäuser Schulklassen regelmäßige Besucher waren, und dies in einer Zeit als man im Landkreis noch richtiges deutsch sprach. Welche Verbindungen sollen denn Schüler der Musik- und Literaturklassen heute noch knüpfen und Einsichten finden, wenn sie noch nicht einmal die Gelegenheit haben, eines der im Unterricht gelesenen, oder gehörten Stücke zu erleben. Es ist völlig unverständlich, wie ein Ministerium für Bildung und Kultur dies verantworten, und ein Ministerium für Soziales sowie ein Ministerium für Wirtschaft diesem tatenlos zusehen kann. Wenn die Einrichtungen der Kultur und Bildung weiterhin abgeschafft werden, stellen sich die verantwortlichen Ministerien doch damit selbst ein Überflüssigkeitszeugnis aus, und sie müssten konsequenterweise selbst bald wegen Mangel an Zuständigkeiten abgeschafft werden (sic. womit sich sicher ein paar Millionen mehr einsparen ließen). Dies sollte aber nicht akzeptable Zukunft für Nordthüringen sein.
Deutschland wird in der Welt identifiziert und beneidet für die Pflege eines einzigartigen klassisch musikalischen Erbes: sei es Johann Sebastian Bach, Friedrich Händel, Ludwig van Beethoven, Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms oder Richard Wagner als nur einige der ganz großen, weltweit gespielten deutschen Komponisten. Diese Werke von Weltruf trafen in der Obhut des Nordhäuser Theaters und Loh-Orchester Sondershausen GmbH auf großartige Dramaturgen, Schauspieler und Musiker, die es schon immer verstanden mit nicht viel Geld, diese Komponisten mit den Dichtern und Denkern, die ebenfalls ein Markenbild Deutschlands sind, in effektvoll inszenierten Stücken zu vereinen.
Dem Engagement dieser Mitarbeiter und der Treue ihres Publikums ist es zu verdanken, dass das deutsche Kulturerbe auch in Nordthüringen zu Hause war und vom intellektuellen, regionalen und traditionellen Geiste seiner Einwohner jahrzehntelang, und durch zwei Weltkriege, eine Oase des gesellschaftlichen Zusammentreffens und der gemeinsamen Freude an Kultur gewesen ist. Und es ist nicht nur Wiege neuer Inszenierungen für deutsches Kulturgut, sondern vor allem auch durch die beispielhafte internationale Zusammenarbeit in der Vergangenheit mehrfach belegt, dass Nordhausen auch Gastgeber für internationale Gäste, Sänger, Schauspieler und Musikanten war und ist. Seit ich aus Nordhausen weggezogen bin gehört es zu meinem Standardprogramm jeden Heimatbesuches mindestens eine Vorstellung des Theaters oder Loh-Orchesters zu besuchen. Und alle Veranstaltungen, mag es die Tradition von Beethofen’s 9. Sinfonie zu Silvester, Tosca, Aida, Madame Butterfly, die Weihnachts- oder Frühlingskonzerte gewesen sein, alle trugen in allergrößtem Masse dazu bei sich wieder heimisch und kulturell geborgen zu fühlen.
Neben dem Genuß der Inszenierungen sind es vor allem auch die Gesellschaft von Freunden und Bekannten und der Gemeinschaftssinn der auf einer geteilten Kultureinstellung beruht, die dem Theater Bestandsberechtigung und Charakter des Heimischen verleihen. Diese Kulturobhut und gefundene Gemeinschaftssinn lässt sich durch nichts ersetzten. Eine Region ohne Theater verliert einen großartigen, ehrgeizigen und hervorragenden Verantwortlichen für die kulturelle Trägerschaft, Pflege und Bestandsarbeit unseren deutschen Kulturgutes mit internationalem Charakter. Carl Maria von Weber’s (1786-1826) "Freischütz" ist eine romantische Stimmungsoper und war das größte Ereignis auf den deutschen Opernbühnen zwischen den Werken Mozarts und Wagners. Viele Male auch in Nordhausen aufgeführt, hatte es sich wohl auch Herr Weber nicht träumen lassen selbst einmal von deutschen Kulturministern zum Abschuss freigegeben zu werden.
Wenn wir in Thüringen einer Zukunft entgegensehen sollen, in der das Theater/ Loh-Orchester GmbH dicht machen muß, weil man in Erfurt 0.14% einsparen kann, während man nicht an den eigenen bürokratischen und wesentlich kostenintensiveren Verkrustungen im System kratzen will, können wir uns schon mal darauf vorbereiten die zukünftigen Besucher der Nordthüringer Landkreise mit Hinweisen ähnlich denen, die wir bis zum November 1989 hier fanden, zu empfangen. Diese können dann an den Kreisgrenzen die kulturellen Realitäten verkünden nach dem Motto: Sie verlassen das Kulturland Thüringen und begeben sich in kulturelles Grenzland. für die Weiterverfolgung kulturellen Lebens benötigen Sie einen politischen Passierschein, den Sie beim Thüringer Landesministerium für Um-bildung und Un-kultur unter Preisgabe Ihrer Künstlerfreiheit beantragen können.
Mit Grüssen der Ermunterung, Chr. Grieb (Kanada)
Autor: nnzNoch nicht einmal 100 Jahre nach dem Bau des Nordhäuser Theaters, und nicht einmal 17 Jahre nach dem Obsoletwerden des politischen Grenzgebietes im Landkreis holt uns die kulturelle Wende der Thüringer Realpolitik ein. Wenn man sich mal die geplanten Kürzungsentscheidungen auf der Landkarte vor Augen hält, so fällt einem auf, dass mit dem Wegfallen des Nordhäuser Theaters und des Sondershäuser Loh-Orchesters dann im Nordthüringer Raum ein kulturell eingeschränktes Zonenrandgebiet geschaffen wird. Außerdem plant Herr Goebel, mit seiner Kürzung der Landeszuschüsse eine Förderung nach neu zusammengefassten "Töpfen" um dem Erfordernis der Thüringer Haushaltssanierung und Einsparung gerecht zu werden.
Dies soll nach seinen Angaben den Häusern entsprechend ihrer Bedeutung nach…” zufließen. Es bleibt jedoch zu fragen was denn eine thüringenweite Einsparung von 0,14 Prozent der Landesregierung weiterhilft. Man muss sich doch fragen, ob Entscheidungen logisch sachgerecht, lokal gerecht und vor allem kulturell-sozial gerechtfertigt abgewogen sind, wenn dadurch andere populäre Ziele nur pro forma erreicht werden sollen. Was bringt es, einen kulturtoten Raum Nordthüringen zu schaffen, den man dann auch bald durch Autobahnanbindung ganz schnell zukünftig umfahren kann, und man dabei 0.14 % Einsparungen erzielt? So wie sich die Situation im Moment darstellt, werden die verantwortlichen Thüringer Minister nicht als die glorreichen Einsparer, sondern skrupellosen Kulturkahlschläger in die Nordthüringer Geschichte eingehen. Vielleicht sollte man Minister Goebel erklären, dass er Minister für und nicht gegen Kultur und Bildung ist.
Laut Hinweisen der Thüringer Staatkanzlei auf ihren Internetseiten (Aug 12, 2006), begibt man sich mit einer Reise nach Thüringen ins kulturelle Paradies. Dort wird dem Bürger erklärt, dass Thüringen ... historisch bedingt und residenziell geprägt ein dichtes bürgernahes und gut über das Land verteiltes Netz kultureller Schwerpunkte, die allen Bürgern auf kurzen Wegen den Zugang zur ganzen Vielfalt der Kultur erlauben...[sic] und nicht nur das, es wird weiter eingetrichtert: Wer sich mit Kultur in Thüringen befasst, wird in allen Sparten ein zeitgemäßes und vielfältiges Leben wahrnehmen, wird feststellen, dass sich durch die beachtlichen Anstrengungen der Kommunen und Landkreise ergänzt um eine in der Bundesrepublik einmalig hohe Landesförderung eine kulturelle Infrastruktur entwickelt hat, die den hohen Erwartungen und Bedürfnissen der Bürger Thüringens und auch seinen Gästen entspricht. [sic] Was wird wohl in Zukunft auf den Internetseiten zu lesen sein? Im politischen Utopia des nordthüringer Raumes wird dann die Groschen-Oper als Hauptakt der neu geschaffenen Ein-Euro-Straßenfestspiele angepriesen und als weitere Attraktion fachkundige Führungen zum kontrollierten Kulturabriss” des Theaters angeboten.
Leider geht es aber nicht nur um die finanzielle Einsparung, sondern auch die intellektuelle und bildungskulturelle Kürzung, sowie den Wegfall von Arbeitsplätzen. Das Theater war immer zuverlässiger Partner von Orchestern, Chören, überregionaler Veranstaltungen und der Nordhäuser Schulen. Es nahm damit eine bedeutende Aufgabe wahr in der Heranführung junger Generationen zu Schauspiel, Gesang, Chor und Orchester. Diese Tradition, die ich noch in reger Erinnerung habe, wurde für viele Nordhäuser Familien fester Bestandteil des sozial-kulturellen Lebens in Nordhausen. Der gegenwärtige Plan des Thüringer Ministers wird jedoch dazu führen, dass man sich eine Partnerschaft von Kultur und Bildung in Nordhausen nicht mehr leisten kann. Dass ein finanziell totes Theater keine Bedeutung entfalten kann, ist wohl jedem einzuleuchten, und wie der Minister selbst ankündigte: ohne Bedeutung kein Geld”.
Im Namen der vielen verzweifelt Unterstützung in Nah und Fern suchenden Nordhäuser frage ich die verantwortlichen Minister für Kultur, Bildung und Soziales sowie den ebenfalls von Nordthüringen stammenden Ministerpräsidenten Thüringens welche Kultur wird es denn in Nordthüringen noch geben, wenn mit dem Nordhäuser Theater/ Loh-Orchester GmbH nach den IFA-Motoren nun auch die kulturellen Motoren nicht mehr brummen?
Erwartet man etwa von uns, dass wir uns ins Harzer Hölzchen schleichen und dort dem Hexentanz als einzig verbleibendes traditionelles Kulturerbe frönen? Kultur ist ein Bote, ein Bote der geschichtlichen Vergangenheit, sowie gegenwärtiger Erfahrungen und Einsichten; es ist Aufklärung und intellektueller Antrieb für all diejenigen, die sich in sprachlich dargebotener Runde der Kommunikation, in der noch unsere Sinne benutzt werden, besser fühlen, als im Cyberspace der anonymen Computerwelt des Einzelgängers oder der stumpfsinnig, dumpfbackigen Bedröhnung, die uns im Fernsehen als so genannte Unterhaltung geboten wird.
Das Theater und Loh-Orchester sind damit auch Refugium und Gegenmittel kultureller und sprachlicher Verarmung, denn Kultur und die Darbietung des geschriebenen Wortes hat auch bildungsrelevante Bedeutung. Es bindet den Gast mit allen seinen Sinnen ein, es regt zur geistigen Beteiligung an und nicht einfach zur visuellen Konsumation von digitalen Eindrücken. Es hatte seinen guten Grund, warum Nordhäuser Schulklassen regelmäßige Besucher waren, und dies in einer Zeit als man im Landkreis noch richtiges deutsch sprach. Welche Verbindungen sollen denn Schüler der Musik- und Literaturklassen heute noch knüpfen und Einsichten finden, wenn sie noch nicht einmal die Gelegenheit haben, eines der im Unterricht gelesenen, oder gehörten Stücke zu erleben. Es ist völlig unverständlich, wie ein Ministerium für Bildung und Kultur dies verantworten, und ein Ministerium für Soziales sowie ein Ministerium für Wirtschaft diesem tatenlos zusehen kann. Wenn die Einrichtungen der Kultur und Bildung weiterhin abgeschafft werden, stellen sich die verantwortlichen Ministerien doch damit selbst ein Überflüssigkeitszeugnis aus, und sie müssten konsequenterweise selbst bald wegen Mangel an Zuständigkeiten abgeschafft werden (sic. womit sich sicher ein paar Millionen mehr einsparen ließen). Dies sollte aber nicht akzeptable Zukunft für Nordthüringen sein.
Deutschland wird in der Welt identifiziert und beneidet für die Pflege eines einzigartigen klassisch musikalischen Erbes: sei es Johann Sebastian Bach, Friedrich Händel, Ludwig van Beethoven, Robert Schumann, Felix Mendelssohn Bartholdy, Johannes Brahms oder Richard Wagner als nur einige der ganz großen, weltweit gespielten deutschen Komponisten. Diese Werke von Weltruf trafen in der Obhut des Nordhäuser Theaters und Loh-Orchester Sondershausen GmbH auf großartige Dramaturgen, Schauspieler und Musiker, die es schon immer verstanden mit nicht viel Geld, diese Komponisten mit den Dichtern und Denkern, die ebenfalls ein Markenbild Deutschlands sind, in effektvoll inszenierten Stücken zu vereinen.
Dem Engagement dieser Mitarbeiter und der Treue ihres Publikums ist es zu verdanken, dass das deutsche Kulturerbe auch in Nordthüringen zu Hause war und vom intellektuellen, regionalen und traditionellen Geiste seiner Einwohner jahrzehntelang, und durch zwei Weltkriege, eine Oase des gesellschaftlichen Zusammentreffens und der gemeinsamen Freude an Kultur gewesen ist. Und es ist nicht nur Wiege neuer Inszenierungen für deutsches Kulturgut, sondern vor allem auch durch die beispielhafte internationale Zusammenarbeit in der Vergangenheit mehrfach belegt, dass Nordhausen auch Gastgeber für internationale Gäste, Sänger, Schauspieler und Musikanten war und ist. Seit ich aus Nordhausen weggezogen bin gehört es zu meinem Standardprogramm jeden Heimatbesuches mindestens eine Vorstellung des Theaters oder Loh-Orchesters zu besuchen. Und alle Veranstaltungen, mag es die Tradition von Beethofen’s 9. Sinfonie zu Silvester, Tosca, Aida, Madame Butterfly, die Weihnachts- oder Frühlingskonzerte gewesen sein, alle trugen in allergrößtem Masse dazu bei sich wieder heimisch und kulturell geborgen zu fühlen.
Neben dem Genuß der Inszenierungen sind es vor allem auch die Gesellschaft von Freunden und Bekannten und der Gemeinschaftssinn der auf einer geteilten Kultureinstellung beruht, die dem Theater Bestandsberechtigung und Charakter des Heimischen verleihen. Diese Kulturobhut und gefundene Gemeinschaftssinn lässt sich durch nichts ersetzten. Eine Region ohne Theater verliert einen großartigen, ehrgeizigen und hervorragenden Verantwortlichen für die kulturelle Trägerschaft, Pflege und Bestandsarbeit unseren deutschen Kulturgutes mit internationalem Charakter. Carl Maria von Weber’s (1786-1826) "Freischütz" ist eine romantische Stimmungsoper und war das größte Ereignis auf den deutschen Opernbühnen zwischen den Werken Mozarts und Wagners. Viele Male auch in Nordhausen aufgeführt, hatte es sich wohl auch Herr Weber nicht träumen lassen selbst einmal von deutschen Kulturministern zum Abschuss freigegeben zu werden.
Wenn wir in Thüringen einer Zukunft entgegensehen sollen, in der das Theater/ Loh-Orchester GmbH dicht machen muß, weil man in Erfurt 0.14% einsparen kann, während man nicht an den eigenen bürokratischen und wesentlich kostenintensiveren Verkrustungen im System kratzen will, können wir uns schon mal darauf vorbereiten die zukünftigen Besucher der Nordthüringer Landkreise mit Hinweisen ähnlich denen, die wir bis zum November 1989 hier fanden, zu empfangen. Diese können dann an den Kreisgrenzen die kulturellen Realitäten verkünden nach dem Motto: Sie verlassen das Kulturland Thüringen und begeben sich in kulturelles Grenzland. für die Weiterverfolgung kulturellen Lebens benötigen Sie einen politischen Passierschein, den Sie beim Thüringer Landesministerium für Um-bildung und Un-kultur unter Preisgabe Ihrer Künstlerfreiheit beantragen können.
Mit Grüssen der Ermunterung, Chr. Grieb (Kanada)
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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