Di, 11:53 Uhr
29.08.2006
Nicht alles erfasst
Nordhausen (nnz). Glaube nur der Statistik, die du selber gefälscht hast. Diese alte Sprichwort gilt ab und zu. Und so meint ein Verein in Thüringen, das Zahlen des Statistischen Landesamtes nicht unbedingt stimmen müssen.
Am Donnerstag ist wieder Schulbeginn in Thüringen, die Erstklässler werden eingeschult. Ein Grund zur Freude für die frischgebackenen Pennäler und ihre Eltern. Aber auch Anlass über die Gefahren des Straßenverkehrs nachzudenken. Grundlage sinnvoller Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit auf Schulwegen ist stets auch eine Analyse des Unfallgeschehens. Nur "richtige" Daten erlauben eine realistische Einschätzung der Gefahrensituation.
Wer Informationen zu den Schulwegverkehrsunfälle vom Thüringer Landesamt für Statistik erfragt, wird enttäuscht. Zwar taucht das Merkmal "Schulweg" in den Unfallerhebungsbögen der Polizei - im Gegensatz zur Hälfte aller Bundesländer - auf. FUSS e.V. -Sprecher Frank Biermann ist trotzdem unzufrieden: "Diese Angaben sind leider wenig aussagekräftig. Viel zu wenige der knapp 60.000 Verunglückten bei Schulwegverkehrsunfällen pro Jahr in Deutschland werden nämlich von der amtlichen Statistik erfasst. Die Erfassungsquote liegt in Nordrhein-Westfalen immerhin bei 15%, in Thüringen dagegen nur bei 5% (75 von 1.642 Verunglückten)."
Der Fachverband Fußverkehr Deutschland FUSS e.V. weist darauf hin, dass der "Bundesverband der Unfallkassen" seit Jahrzehnten umfassende Daten zu den Schulwegverkehrsunfällen zur Verfügung stellt. Biermann: "Durch die Erfassung beim Unfallarzt, der den Kostenträger der Behandlung feststellt muß, erfassen die Unfallkassen nahezu 100% aller Unfälle auf Schulwegen."
Es ist daher sehr merkwürdig, dass in der Presseerklärung des Thüringer Landesamtes für Statistik vom 18. August auf die Untererfassung der amtlichen Statistik im Vergleich mit den Daten der Unfallkassen nicht eingegangen wird. Die Unfallkassen-Daten erlauben zum Beispiel einen Bundesländer-Vergleich des Risikos auf dem Schulweg im Straßenverkehr zu verunglücken. Thüringen schneidet hier leider nicht besonders gut ab: Mit 37 Verletzten je 10.000 Versicherte liegt das Bundesland über dem Bundesdurchschnitt von 34 Verletzten/10.000 Versicherte. In Hessen dagegen ist das Unfallrisiko mit 25 Verletzten/10.000 Versicherte wesentlich niedriger.
FUSS e.V. regt deshalb an:
- In Thüringen die seit Jahrzehnten bewährten Unfalldaten des Bundesverbandes der Unfallkassen in die amtliche Statistik des Thüringer Landesamtes für Statistik zu übernehmen. Es ist durchaus sinnvoll, auch von einer nichtstaatlichen Stelle erhobene Daten in die amtliche Statistik aufzunehmen, wenn nur so die wahre Dimension eines Problems - wie hier der Schulwegverkehrsunfälle - erkennbar wird.
- Die Verkehrssicherheitsarbeit auf Schul- und anderen Wegen von Kindern und Jugendlichen in Land und Kommunen zu verstärken. Schritte dazu können die vermehrte Aufstellung von Schulwegplänen und die Teilnahme an der von FUSS e.V. in Zusammenarbeit mit vier Bundesministerien seit vielen Jahren durchgeführten Kampagne "Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten" sein.
Die internationale Kampagne "Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten - I walk to school" findet auch in diesem Jahr am 22. September (Freitag) anlässlich des Schulbeginns und der Einschulung der Erstklässler statt. Tipps für Aktionen vor Ort und in den Schulen gibt es im Internet unter http://www.zufusszurschule.de, einen Leitfaden zur Erstellung von Schulwegplänen unter http://www.schulwegplaene.de, Faltblätter, Broschüren und Plakate erhalten Interessierte beim FUSS e.V., Exerzierstraße 20, 13357 Berlin, Tel. 030.492.74.73, Fax 030.79.72, info@fuss-ev.de
Autor: nnzAm Donnerstag ist wieder Schulbeginn in Thüringen, die Erstklässler werden eingeschult. Ein Grund zur Freude für die frischgebackenen Pennäler und ihre Eltern. Aber auch Anlass über die Gefahren des Straßenverkehrs nachzudenken. Grundlage sinnvoller Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit auf Schulwegen ist stets auch eine Analyse des Unfallgeschehens. Nur "richtige" Daten erlauben eine realistische Einschätzung der Gefahrensituation.
Wer Informationen zu den Schulwegverkehrsunfälle vom Thüringer Landesamt für Statistik erfragt, wird enttäuscht. Zwar taucht das Merkmal "Schulweg" in den Unfallerhebungsbögen der Polizei - im Gegensatz zur Hälfte aller Bundesländer - auf. FUSS e.V. -Sprecher Frank Biermann ist trotzdem unzufrieden: "Diese Angaben sind leider wenig aussagekräftig. Viel zu wenige der knapp 60.000 Verunglückten bei Schulwegverkehrsunfällen pro Jahr in Deutschland werden nämlich von der amtlichen Statistik erfasst. Die Erfassungsquote liegt in Nordrhein-Westfalen immerhin bei 15%, in Thüringen dagegen nur bei 5% (75 von 1.642 Verunglückten)."
Der Fachverband Fußverkehr Deutschland FUSS e.V. weist darauf hin, dass der "Bundesverband der Unfallkassen" seit Jahrzehnten umfassende Daten zu den Schulwegverkehrsunfällen zur Verfügung stellt. Biermann: "Durch die Erfassung beim Unfallarzt, der den Kostenträger der Behandlung feststellt muß, erfassen die Unfallkassen nahezu 100% aller Unfälle auf Schulwegen."
Es ist daher sehr merkwürdig, dass in der Presseerklärung des Thüringer Landesamtes für Statistik vom 18. August auf die Untererfassung der amtlichen Statistik im Vergleich mit den Daten der Unfallkassen nicht eingegangen wird. Die Unfallkassen-Daten erlauben zum Beispiel einen Bundesländer-Vergleich des Risikos auf dem Schulweg im Straßenverkehr zu verunglücken. Thüringen schneidet hier leider nicht besonders gut ab: Mit 37 Verletzten je 10.000 Versicherte liegt das Bundesland über dem Bundesdurchschnitt von 34 Verletzten/10.000 Versicherte. In Hessen dagegen ist das Unfallrisiko mit 25 Verletzten/10.000 Versicherte wesentlich niedriger.
FUSS e.V. regt deshalb an:
- In Thüringen die seit Jahrzehnten bewährten Unfalldaten des Bundesverbandes der Unfallkassen in die amtliche Statistik des Thüringer Landesamtes für Statistik zu übernehmen. Es ist durchaus sinnvoll, auch von einer nichtstaatlichen Stelle erhobene Daten in die amtliche Statistik aufzunehmen, wenn nur so die wahre Dimension eines Problems - wie hier der Schulwegverkehrsunfälle - erkennbar wird.
- Die Verkehrssicherheitsarbeit auf Schul- und anderen Wegen von Kindern und Jugendlichen in Land und Kommunen zu verstärken. Schritte dazu können die vermehrte Aufstellung von Schulwegplänen und die Teilnahme an der von FUSS e.V. in Zusammenarbeit mit vier Bundesministerien seit vielen Jahren durchgeführten Kampagne "Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten" sein.
Die internationale Kampagne "Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten - I walk to school" findet auch in diesem Jahr am 22. September (Freitag) anlässlich des Schulbeginns und der Einschulung der Erstklässler statt. Tipps für Aktionen vor Ort und in den Schulen gibt es im Internet unter http://www.zufusszurschule.de, einen Leitfaden zur Erstellung von Schulwegplänen unter http://www.schulwegplaene.de, Faltblätter, Broschüren und Plakate erhalten Interessierte beim FUSS e.V., Exerzierstraße 20, 13357 Berlin, Tel. 030.492.74.73, Fax 030.79.72, info@fuss-ev.de

