eic kyf msh nnz uhz tv nt
Di, 07:25 Uhr
12.03.2024
Grundsteinlegung in Ellrich

Mission: Türme

Das alte Gemäuer saniert werden, ist alltäglich, selbst für Gotteshäuser. Das man einer Kirchen etwas hinzufügt, hat hingegen Seltenheitswert. In Ellrich wird man der Stadtkirche St. Johannis in den kommenden Monaten nicht nur etwas hinzufügen, sondern auch zurückgeben...

Historische Grundsteinlegung an der Kirche St. Johannis in Ellrich (Foto: Regina Englert) Historische Grundsteinlegung an der Kirche St. Johannis in Ellrich (Foto: Regina Englert)


Montagnachmittag - die Feierstunde in St. Johannis zum Baubeginn des Kirchturmes ist von historischer Bedeutung. Seit dem Abriss des baufälligen Turmes 1990 fehlt der Stadt die Silhouette und der Klang der Glocken.

Anzeige Refinery (lang)
Zu DDR-Zeiten hatte man den Turm verfallen lassen. Die Idee eines Wiederaufbaus sei anfangs nur belächelt worden, erzählt Martin Bischoff, Vorsitzender des Kirchbauvereins. „Doch heute geht in meinem Herzen ein Licht auf“, freut sich Ministerpräsident Bodo Ramelow, der bereits etliche Jahre in den Prozess involviert ist. Er steuert für die Bodenhülse einen Brief an eine imaginäre Zukunft bei. Landtagspräsidentin Birgit Pommer überreicht dazu eine handliche Ausgabe der Thüringer Verfassung. Mit Bauplänen wird beides abschließend in der Fundamentplatte des Turmes versenkt, die von 17 Pfählen, jeder 11 m tief, getragen wird.

In der Netzwerkkirche wurde die Zeitkapsel gefüllt (Foto: Regina Englert) In der Netzwerkkirche wurde die Zeitkapsel gefüllt (Foto: Regina Englert)


Die beiden Landespolitiker und der 2. Beigeordnete des Landrats, Dirk Schimm, nehmen aus großer Verbundenheit mit dem Projekt und den Ellrichern am Festakt teil. Der Ministerpräsident war allein in der „Mission Türme“, wie er sagt, bereits fünfmal vor Ort. Karl-Heinz Kindervater hatte ihn seinerzeit auf die Hoffnung der Ellricher hinsichtlich der Kirchensanierung und des Wiederaufbaus des Turms aufmerksam gemacht.

„Wenn ein CDU-Mann einen Linken auffordert, sich um eine Kirche zu kümmern, dann muss Gott im Spiel sein“, schmunzelt Bodo Ramelow, selbst überzeugter Christ. „Liebe Ellricher, Sie haben gekämpft, Sie haben gemeinsam an Ihre Stadt geglaubt, das hat mich überzeugt“ erklärt er. Martin Bischoff erzählt später, dass im letzten Jahr 4.000 Gäste die Netzwerkkirche besucht hätten, unabhängig davon, ob sie zur Kirche gehörten oder nicht. Dankbar, dass dies wieder möglich ist, ist auch der damalige kirchliche Baureferent. Herr Hartmann ist Zeitzeuge. Er hat zu DDR-Zeiten den vom Staat geplanten Abriss der Kirche miterlebt. Der Abriss sei jedoch mutig vom Gemeindekirchenrat abgelehnt worden. Beim Festakt steht nun ein bewegter Herr Hartmann am Pult und fragt sich, ob er den ersten Glockenschlag noch miterlebe. „Wenn es so weitergeht wie bisher, dann dürfen wir uns vielleicht noch diesen Sommer darüber freuen“, macht ihm der Architekt Peter Tandler Hoffnung. Von Hoffnung, Glauben und gegenseitigem Vertrauen ist an diesem Tag viel die Rede. Sie sind das Fundament des Erfolges, der heute gefeiert wird.

Schon bald soll das Ellricher Wahrzeichen sein altes Antlitz zurück erhalten (Foto: Regina Englert) Schon bald soll das Ellricher Wahrzeichen sein altes Antlitz zurück erhalten (Foto: Regina Englert)


„Das Land hat den Ausbau der Netzwerkkirche mit 1,1 Millionen und den Wiederaufbau des Turmes mit 3,6 Millionen Euro gefördert“, erzählt Birgit Pommer. Über 3 Millionen davon seien aus Mitteln der ehemaligen Parteien und Massenorganisationen der DDR (PMO), ergänzt Bodo Ramelow. Regionale Firmen arbeiten an diesem Projekt. Immer wieder werde sie gefragt, erzählt Birgit Pommer, ob es denn das sei, was die Menschen jetzt brauchten. Geld für Steine? Ihre Antwort: „Dieses Geld ist für die Menschen, die Leben in diese Steine bringen und die diesen Bau erst möglich machen.“ In sie investiere man diesen Betrag.

Für alles, was Bodo Ramelow und Birgit Pommer für die St.-Johannis-Kirche getan hätten, sei man ihnen dankbar, jetzt und immer wieder, betont Martin Bischoff mit gebrochener Stimme. Neben der finanziellen sei vor allem die moralische Unterstützung wichtig gewesen. Aus einem Traum ist am Montag ein bewegender Baubeginn geworden.
Historische Grundsteinlegung an der Kirche St. Johannis in Ellrich (Foto: Regina Englert)
Historische Grundsteinlegung an der Kirche St. Johannis in Ellrich (Foto: Regina Englert)
Historische Grundsteinlegung an der Kirche St. Johannis in Ellrich (Foto: Regina Englert)
Historische Grundsteinlegung an der Kirche St. Johannis in Ellrich (Foto: Regina Englert)
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare
Marino50
12.03.2024, 10:55 Uhr
Mission Türme
Ich freue mich wirklich für die Ellricher, dass alles wieder aufgebaut wird.
Aber letztendlich hat es die damalige DDR-Regierung und die SED zu verantworten, dass es zu diesem Abriss überhaupt kam. Auch Frau Pommer hat meines Wissens für die SED-Kreisleitung gearbeitet. Heute ist man Frau Pommer mit dankbar, dass der Wiederaufbau erfolgt. Das ist für mich purer Hohn, dass die Leute heute gefeiert und vergöttert werden bis in alle Ewigkeit, die damals versucht haben, alle Kirchen zu beseitigen.
Kritiker2010
12.03.2024, 11:27 Uhr
Ein letztes Zeichen christlicher Tradition?
Als Kind war ich einmal in Ellrich und sah die Trümmer der Kirche.

Als Resultat der Politik der SED, also der Vorgängerpartei der Linke, war die Stadt damals isoliert, einerseits durch die Grenze zur BRD, andererseits durch die Sicherungsanlagen in Richtung DDR. Die Stadt machte damals auf mich einen trostlosen Eindruck. Und doch wusste ich, dass diese Kirche wieder erstehen würde - zu einer anderen Zeit.
Ich freue mich, dass dies nun Realität wird.

Doch mit Blick auf die Entwicklungen im Land (Stichworte: "Happy Ramadan" und "Der Weihnachtsbaum muss weg!") frage ich mich, ob die Türme am Ende tatsächlich mit Kreuzen bekrönt werden oder ob man diese gleich durch einen Halbmond ersetzt. Es würde durchaus dem wirren Zeitgeist der Selbstverleugnung entsprechen, der aktiv von den Kirchen mitgetragen wird.
M. Bergmann
12.03.2024, 12:28 Uhr
Wirrer Zeitgeist
Auch zu DDR Zeiten waren die Kirchen selbst für ihre Bausubstanz verantwortlich. Außerdem lese ich dort etwas von baufällig. Purer Hohn ist, es heute Frau Pommer in die Schuhe schieben zu wollen.

Zum wirren Zeitgeist gehört heute, solche Parolen wie "der Weihnachtsbaum muss weg" oder "happy Ramadan" überhaupt ernst zu nehmen und so etwas Wirres zu verbreiten.
wissender
12.03.2024, 12:37 Uhr
An Zynismus nicht zu überbieten
ist die Teilnahme von zwei LINKEN Politikern der ersten Riege. Die Nachfolgepartei die die Kirche in der DDR verfolgt und ausgebremst hat steht jetzt an vorderster Front bei einer Grundsteinlegung die das Gut machen soll was von der SED und somit jetzt auch von den LINKEN verursacht wurde. Diese Portemonnaiekommunisten sind sich für nichts zu schade nur um die eine oder andere Stimme zur Wahl zu erhaschen. Ich muss aber kein Prophet sein um zu sehen: es wird nicht klappen!
Leser X
12.03.2024, 18:35 Uhr
wissender
In welcher DDR haben Sie denn gelebt? Nur weil Staat und Kirche klar getrennt waren - was ich persönlich auch heute noch richtig finde - kann man doch nicht von Verfolgung der Kirche reden. Meine Oma zum Beispiel ging jeden Sonntag in die Kirche. Auch als sie noch keine Oma war. Ich kann mich weder bei ihr noch bei anderen Kirchgängern an eine Verfolgung erinnern...
grobschmied56
12.03.2024, 18:52 Uhr
Was den 'wirren Zeitgeist' angeht ...
... den sollte der gar nicht so lustige Peter schon ernst nehmen.
Für die Bausubstanz der Kirchen waren diese selbst verantwortlich - für die Sprengung der Universitätskirche in Leipzig z.B. aber auch die SED.
Zitat:
'30.05.1968: SPRENGUNG DER LEIPZIGER UNIVERSITÄTSKIRCHE
Walter Ulbricht: "Das Ding muss weg!"

Am 30. Mai 1968 wurde die Leipziger Paulinerkirche auf Weisung der SED gesprengt. St. Pauli war 1240 als Klosterkirche geweiht worden. 300 Jahre später wurde sie der Universität übereignet. Die Kirche überstand die Bombardierung Leipzigs 1943 und fiel schließlich 1968 der sozialistischen Umgestaltung der Universität zum Opfer.'
Quelle: MDR, 30. Mai 2023

Auch die Abneigung mancher Menschen gegen den Weihnachtsbaum ist keine reine Erfindung.
Kann man bei T-Online nachlesen:
'Kein Weihnachtsbaum für Kita-Kinder: Gut gemeint, schlecht gemacht'
und fügt hinzu:
'Eine Kita in Lokstedt verbannt den Weihnachtsbaum als Zeichen eines christlichen Festes. Eine gut gemeinte Geste? Leider völlig falsch.'
Quelle: T-Online,
Aktualisiert am 11.12.2023

Weiter wird ausgeführt, daß der 'Baum' älter als das Christentum ist, ein heidnisches Symbol zum Schutz vor Geistern in der dunklen Jahreszeit. Die falsche Rücksichtnahme auf Kinder, welche nicht christlichen Glaubens sind. also völlig überflüssig.

Die Türme der Kirche in Ellrich sollten schon mit christlichen Kreuzen geschmückt werden, auch wenn es einigen Leuten nicht so recht in den Kram paßt.
Ein standhafter Pfarrer hat es gegenüber einem SED-Genossen mal so ausgedrückt: 'Wenn Eure Partei mal halb so alt ist, wie meine Kirche, dann habt Ihr das Recht, über uns zu spotten...'
M. Bergmann
12.03.2024, 20:25 Uhr
Und der total unlustige Grobschmied
sollte sich doch mal auf die nachprüfbaren Fakten der Region, sprich die Ellricher Kirche, beziehen, bevor er hier wieder einmal mehr anderen Menschen irgendwelche unanständigen Dinge vorwirft.

Ich werde meinen Weihnachtsbaum weiter aufstellen, auch wenn der Grobschmied sich aufgrund der "vielen" Moslems das sich nicht mehr traut. Und ich habe auch nichts, rein gar nichts gegen Kreuze auf Kirchendächern. Und schon gar nicht etwas gegen Kreuze in Kirchen. Ich habe nur etwas gegen Mullahs und selbst ernannte Inquisitatoren. Egal welcher Konfession sie sich bekennen oder nur in Kommentaren herumlabern wollen.
P.Burkhardt
12.03.2024, 22:39 Uhr
also wenn Türme...
einer christlichen Kirche wieder aufgebaut werden.... dann sollte das doch den grobschmiedenden Verteidigern der deutschen Leitkultur eigentlich gut gefallen.

Stattdessen wird wieder polemisiert, was das Zeug hält ! Jeder entlarvt sich halt, so gut er kann...

Ich persönlich finde es gut, wenn diese wirklich erhaltenswerte, alte Kirche ihre Türme wieder bekommt....und das unabhängig aller irgendwie gearterter Ideologie oder Polemik oder Glaubensanhängigkeit.

Kirchen gehören doch zum christlichen Abendland (ja, diesen Pegida-Begriff wähle ich bewusst) und sind auf jeden Fall immer einen Besuch wert... vollkommen egal, woran man glaubt oder nicht. Allein schon Architektur und Innengestaltung, Fenster und Decken, die oft vor hunderten Jahren errichtet wurden, sollten jeden interessieren, der irgendwie behauptet, ein Verteidiger des Deutschtums zu sein.... oder einfach nur etwas Sinn für Ästhetik und Geschichte oder auch nur Ken Follet gelesen (grins) oder auch nur "Das Leben des Brian" (okay, das war ein Scherz) gesehen hat.
SpatzNDH
17.03.2024, 17:26 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht zum Beitrag
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)