Mo, 18:58 Uhr
10.07.2006
Wir sind nicht der Rest!
Nordhausen (nnz). In Nordhausen wird wieder demonstriert. Nicht etwa gegen etwas, sondern für etwas. Für den Erhalt des Nordhäuser Theaters trafen sich mehr als 600 Menschen auf dem gleichnamigen Platz. Und die meisten davon machten sich Luft – in Richtung Landeshauptstadt.
Wir sind nicht der Rest! (Foto: nnz)
Dort, in Erfurt, ist in punkto Kultur seit der vergangenen Woche die Thüringer Drei-Klassen-Gesellschaft definiert worden. Und Nordhausen ist dabei als der Rest definiert worden. Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) gab in ihrem Statement einen historischen Rückblick auf das Haus. Es sei eine Geschichte von einem Wunder, die man in Nordhausen erzählt. In bittersten Zeiten hätten die Bürger das Theater erbaut und wieder aufgebaut. Das werde man sich nicht nehmen lassen, nicht im Jahr 2006, nicht im Jahr 2009.
Rinke gab auch Forderungen der heutigen Gesellschaftersitzung bekannt: Die Landeszuschüsse von bisher 4,9 Millionen Euro für die Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH dürfen nicht gekürzt werden. Gleichzeitig signalisieren wir Gesprächsbereitschaft.
Joachim Kreyer, der Bürgermeister von Sondershausen, schätzte die aktuelle Lage um die GmbH so ernst wie nie zuvor ein und er zeigte sich sehr enttäuscht von dem bisherigen Handeln der Landesregierung. Wir müssen uns unseren Unmut Luft machen, sachlich und fair, mahnte Kreyer und lud die Nordhäuser für eine nächste Demo in Sondershausen ein.
Lars Tietje, der Intendant, war gerührt ob der vielen Menschen und bat sie, sich in vorbereitete Unterschriftenlisten einzutragen. Wir müssen diese Unterschriften sammeln bis zum Überleben. Dem Landrat des Landkreises Nordhausen, Joachim Claus (CDU) sei am vorigen Donnerstag übel bei Goebel geworden. Sollte die Landesregierung das alles so durchziehen, dann müsse sich der Landkreis überleben, ob er noch länger in diesem Bundesland bleiben wolle. Für den Stadtrat sprachen Vertreter der entsprechenden Fraktionen. Gleicher Tenor - das Theater muss erhalten werden.
Dann mühte sich der 86jährige Rudi Klose die vielen Treppenstufen zum Mikrofon hoch. Er habe 30 Jahre beim Hochbau gearbeitet, sei 1941 nach Nordhausen gekommen und habe im Jahr 1948 dieses Theater wieder mit aufgebaut. Dieses Haus muss bestehen bleiben, rief er der Menge zu. Rudi Klose erhielt für seine emotionalen Worte den längsten Beifall des Abends.
Jürgen Nagel, einer der Macher der Nordhäuser Montagsdemo gegen Hartz IV berichtete den Menschen über seine erste Begegnung mit diesem Theater, das war im Jahr 1966 und er musste sich als damals 15jähriger den Kaukasischen Kreidekreis antun. Nun, 40 Jahre später, habe er aus diesem Stück gelernt, dass man auch für den Erhalt der Kultur kämpfen müsse.
Bleibt zu hoffen, dass dieses erste Signal aus Nordhausen in Erfurt angekommen ist. Wenn nicht, dann werden es die kommenden Aktionen auf jeden Fall tun. Fakt ist: Die Nordhäuser werden für ihr Theater kämpfen und da sind sie sich einig mit der kommunalen Politik.
Autor: nnz
Wir sind nicht der Rest! (Foto: nnz)
Dort, in Erfurt, ist in punkto Kultur seit der vergangenen Woche die Thüringer Drei-Klassen-Gesellschaft definiert worden. Und Nordhausen ist dabei als der Rest definiert worden. Oberbürgermeisterin Barbara Rinke (SPD) gab in ihrem Statement einen historischen Rückblick auf das Haus. Es sei eine Geschichte von einem Wunder, die man in Nordhausen erzählt. In bittersten Zeiten hätten die Bürger das Theater erbaut und wieder aufgebaut. Das werde man sich nicht nehmen lassen, nicht im Jahr 2006, nicht im Jahr 2009.
Rinke gab auch Forderungen der heutigen Gesellschaftersitzung bekannt: Die Landeszuschüsse von bisher 4,9 Millionen Euro für die Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH dürfen nicht gekürzt werden. Gleichzeitig signalisieren wir Gesprächsbereitschaft.
Joachim Kreyer, der Bürgermeister von Sondershausen, schätzte die aktuelle Lage um die GmbH so ernst wie nie zuvor ein und er zeigte sich sehr enttäuscht von dem bisherigen Handeln der Landesregierung. Wir müssen uns unseren Unmut Luft machen, sachlich und fair, mahnte Kreyer und lud die Nordhäuser für eine nächste Demo in Sondershausen ein.
Lars Tietje, der Intendant, war gerührt ob der vielen Menschen und bat sie, sich in vorbereitete Unterschriftenlisten einzutragen. Wir müssen diese Unterschriften sammeln bis zum Überleben. Dem Landrat des Landkreises Nordhausen, Joachim Claus (CDU) sei am vorigen Donnerstag übel bei Goebel geworden. Sollte die Landesregierung das alles so durchziehen, dann müsse sich der Landkreis überleben, ob er noch länger in diesem Bundesland bleiben wolle. Für den Stadtrat sprachen Vertreter der entsprechenden Fraktionen. Gleicher Tenor - das Theater muss erhalten werden.
Dann mühte sich der 86jährige Rudi Klose die vielen Treppenstufen zum Mikrofon hoch. Er habe 30 Jahre beim Hochbau gearbeitet, sei 1941 nach Nordhausen gekommen und habe im Jahr 1948 dieses Theater wieder mit aufgebaut. Dieses Haus muss bestehen bleiben, rief er der Menge zu. Rudi Klose erhielt für seine emotionalen Worte den längsten Beifall des Abends.
Jürgen Nagel, einer der Macher der Nordhäuser Montagsdemo gegen Hartz IV berichtete den Menschen über seine erste Begegnung mit diesem Theater, das war im Jahr 1966 und er musste sich als damals 15jähriger den Kaukasischen Kreidekreis antun. Nun, 40 Jahre später, habe er aus diesem Stück gelernt, dass man auch für den Erhalt der Kultur kämpfen müsse.
Bleibt zu hoffen, dass dieses erste Signal aus Nordhausen in Erfurt angekommen ist. Wenn nicht, dann werden es die kommenden Aktionen auf jeden Fall tun. Fakt ist: Die Nordhäuser werden für ihr Theater kämpfen und da sind sie sich einig mit der kommunalen Politik.

