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Mo, 09:02 Uhr
11.03.2024
INstitut der deutschen Wirtschaft:

Warum Robert Habeck falsch liegt

Nach der Rentendiskussion legt Robert Habeck nach: Statt über die Regelaltersgrenze zu diskutieren, schlägt er vor, Rentnern den Arbeitgeberbeitrag zur Rentenversicherung auszuzahlen. Das soll sie animieren, weiterzuarbeiten, würde der Rentenkasse aber nichts bringen und Jüngere diskriminieren...


Geht es nach Robert Habeck, haben Rentner künftig noch mehr Gründe, im Job zu bleiben. Konkret sollen Arbeitgeber ihre Rentenbeiträge direkt an die Rentner auszahlen, anstatt ihn an die Rentenkasse zu überweisen.

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Dabei durften Rentner schon immer beliebig viel hinzuverdienen, sobald sie die Regelaltersgrenze von aktuell 66 Jahren erreicht haben. Seit dem 1. Januar 2023 gilt das auch für den vorzeitigen Rentenbezug, der frühestens ab 63 mit Abschlägen möglich ist. Wer weiter arbeitet, hat die Wahl, in die Rentenkasse einzuzahlen – das erhöht die Rente – oder darauf zu verzichten, das führt zu einem höheren Nettolohn.

Gleiche Arbeit, ungleicher Lohn
Bislang müssen die Arbeitgeber in beiden Fällen ihren Beitragsanteil an die Rentenkasse zahlen. Würden sie das nicht tun, wäre die Beschäftigung eines „Silver Workers“ günstiger. Bei gleichem Bruttolohn würden weniger Lohnnebenkosten anfallen – aus Arbeitgebersicht wäre dann der Rentner im Zweifel attraktiver als ein jüngerer Arbeitnehmer. Diese Ungleichbehandlung würde Robert Habeck vermeiden, weil der Arbeitgeberanteil nicht entfällt, sondern mit dem Bruttolohn ausgezahlt wird. Das würde allerdings Menschen aufgrund ihres Alters diskriminieren: Für die gleiche Arbeit würden Rentner mehr verdienen als andere.

Den gleichen Denkfehler macht auch die Union: Denn mit der sogenannten Aktivrente soll das Erwerbseinkommen eines Rentners bis zu einer Höhe von 2.000 Euro von der Steuerpflicht befreit werden. Auch hier würden erwerbstätige Rentner bei gleichem Bruttoeinkommen gegenüber jüngeren Arbeitnehmern privilegiert.

Genügend Anreize für längere Arbeitszeiten
Für die Rentenkasse wäre in jedem Fall nichts gewonnen. Denn verzichtet ein erwerbstätiger Rentner auf weitere Beitragszahlungen und erhält den Arbeitgeberbeitrag obendrauf, fließen keine zusätzlichen Einnahmen. Allerdings steigt der Anreiz, die Rente frühzeitig zu beantragen. Mit dem höheren Bruttoeinkommen lassen sich die Abzüge bei der Frührente leichter auszugleichen.

Der Vorschlag ist auch aus einem anderen Grund unsinnig: Schon heute gibt es Anreize, die Rente später zu beantragen. Arbeitnehmer erhalten für jedes weitere Jahr, das sie über die Grenze hinaus arbeiten, einen Bonus von sechs Prozent.

Anders scheint der Fall, wenn die Rente vorzeitig – frühestens mit 63 – beantragt wird. Dann fehlen nicht nur Beitragszeiten, sondern die Rente wird auch noch um drei Prozent pro Jahr vorzeitigen Bezugs gekürzt – mit Ausnahmen für besonders langjährig Versicherte. Dann aber gilt: Hat jemand genug vom Job, zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen oder weil das Alterseinkommen ausreicht, um die neue Freizeit mit dem Partner genießen zu können, helfen alle Anreize nichts. Möchte jemand ohnehin weiterarbeiten, dann wird ihm dies mit der ergänzenden Rente zusätzlich versüßt. Warum braucht es da nochmal etwas obendrauf?
Autor: psg

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Kommentare
Leser X
11.03.2024, 13:38 Uhr
Gedankliche Verrenkungen...
... können das kranke System aber auch nicht vom Kopf auf die Füße stellen. Es gibt nur einen erfolgversprechenden Ansatz, den längst alle zivilisierten Länder nutzen: die Rente ist eine gesamtgesellschaftliche Angelegenheit, zu der auch die ganze Gesellschaft ihren Anteil leisten sollte. Diese Priviligiertenpolitik für einige Erlauchte gehört nach meiner Auffassung in die Mottenkiste. Bezeichnenderweise traut sich da aber keine Registrierung ran.
grobschmied56
11.03.2024, 13:38 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Verhalten Sie sich bitte höflich gegenüber Anderen.
grobschmied56
11.03.2024, 15:20 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Kurz gesagt, Pech gehabt beim Freigeben. Verhalten Sie sich bitte höflich gegenüber Anderen.
Jäger53
11.03.2024, 17:40 Uhr
Falscher Habeck
Es ist doch bekannt das ältere Arbeitnehmer mehr von Unfällen betroffen sind als jüngere.
Leider zu oft tödlich. Allerdings nicht in allen Berufen. Im Bauberufen zum Beispiel zu oft.
Ich hoffe doch nicht das Herr Habeck so Geld einsparen will.
diskobolos
11.03.2024, 20:45 Uhr
Rente - Immer ein komplexes Thema
Das IW (nicht zu verwechseln mit dem DIW) hat die Situation sachlich korrekt dargestellt. In der Tat lohnt sich ein Weiterarbeiten nach dem Rentenbeginn finanziell deutlich. Wer das nicht braucht und sich sein Altersleben anders vorstellt, wird sich durch die Vorschläge von Habeck bzw. CDU auch nicht locken lassen.
Geht jemand vor dem Erreichen der gesetzliche Altersgrenze in Rente, sollte man nicht von „Abzügen“ oder „Abstrichen“ reden. In Wahrheit bekommt derjenige nämlich wegen der längeren Zahldauer in der Summe MEHR Rente. Die so genannte „abschlagsfreie Rente mit 63“ war angesichts der Finanzierungsprobleme ein unsinniges Wahlgeschenk der SPD. Das diejenigen, die sie in Anspruch nehmen, das anders sehen, ist geschenkt.
Ein m. E sinnvolle Maßnahme zur Stabilisierung der Rentenfinanzen könnte es sein, dass man die Einbeziehung weiterer Kreise in die GRV (z. B. Selbstständige und Freiberufler) jetzt beginnt. Dann hat man in den nächsten Jahren mehr Geld zur Verfügung, aber die daraus folgenden Ansprüche liegen erst in der Zukunft. Damit ist das Argument dass, wenn mehr Leute einzahlen auch mehr Leute etwas herausbekommen müssen, zum Teil entkräftet. Passt man dies gut an die demografische Entwicklung an, könnte es den „Boomer-Buckel“ abmildern
grobschmied56
12.03.2024, 14:12 Uhr
Vielleicht sollte ich mich ...
... statt über Herrn Habeck kritisch über Fritze Merz oder Tino Chrupalla äußern. Möglicherweise läge dort die Toleranzschwelle etwas höher.
Nur löst man damit überhaupt kein Problem, weil Fritze und Tino überhaupt nichts zu bestimmen haben.
Übrigens ist Herrn Habeck und den Grünen überhaupt nichts geholfen, wenn man sie mit Samthandschuhen streichelt. Es führt nur noch weiter in diverse Sackgassen. So wie Herrn Habecks Rentenpläne.
Glaskugel
12.03.2024, 15:08 Uhr
Vielleicht sollte man sich
über die Sache äußern. Wenn es nur darum geht andere Personen mit Dreck zu bewerfen hält man am besten die Klappe und haut nicht in die Tasten.

Diese Pläne sind nicht unbedingt meine erste Wahl. Die meisten Rentner die weiterarbeiten machen das nicht, weil sie Workaholics sind, sondern weil es an Geld fehlt. Die Anreize sind doch da, da gebe ich dem Institut DW recht. Das deutsche Modell funktioniert meiner Meinung nach insgesamt nicht, weil es wirklich zu viel "Nichteinzahler" gibt. Auch das Verhältnis von Renten vs Pensionen stimmt nicht mehr. Anstelle von Kosmetik, braucht es dort einer richtigen Reform, die anders ausschaut als Renteneintrittsalter erhöhen.
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