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Fr, 23:01 Uhr
17.11.2023
Konzert-Lesung im Tabakspeicher

„Ruhe, jetzt wird gearbeitet!“

Wer kennt ihn nicht? – Hans Fallada (1893 - 1947), ein deutscher Schriftsteller, dessen Romane derzeit eine wahre Renaissance erfahren. Erinnert sei hier stellvertretend an „Kleiner Mann – was nun?“ und „Wer einmal aus dem Blechnapf frisst“. Im Nordhäuser Tabakspeicher wurden er und seine Familie am Freitagabend auf ungewöhnliche und gleichsam amüsante Weise einem begeisterten Publikum nähergebracht…

Fallada-Abend im Tabakspeicher (Foto: Backhaus) Fallada-Abend im Tabakspeicher (Foto: Backhaus)
Hans Fallada – sein bürgerlicher Name ist Rudolf Ditze – gehört nicht gerade zu den berühmten Literaten, die ein leichtes Leben hatten. Ganz im Gegenteil: Nach dem Schulabschluss zwei Jahre Nervenheilanstalt (duellierte sich mit einem Mitschüler, der zu Tode kam), mehrmals Gefängnisaufenthalte aus unterschiedlichen Gründen, litt unter Depressionen, hatte Alkohol- und Drogenprobleme, eine gespaltene Persönlichkeit.

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Doch gab es für ihn auch glückliche Zeiten, auch wenn sie nie von längerer Dauer waren. Und um diese ging es an diesem Abend. Im „Porträt meiner Kinder“ gewährt Fallada interessante Einblicke in sein Familienleben. Im Mecklenburgischen, im kleinen Dorf Carwitz, lebt er zeitweise mit seiner Frau und den drei Kindern. Wir erfahren, wie es zuging auf dem Lande. Damals, bei den Falladas.

Wichtige „Rollen“ spielen neben seiner Familie auch der Hund Brumbusch, Pferde, Kühe, Bienen, Kaninchen, Bedienstete, die sich um Haus und Hof zu kümmern haben. Die Kinder erleben die Großstadt Berlin, sammeln mit dem Vater Pilze oder verpassen dem Hofhund eine Sanddusche.

Zudem kommen allerlei häusliche Pflichten, gibt es Sorgen und Nöte. Und davon bleibt auch ein Romanschreiber nicht verschont. Um Sinnvolles zu Papier bringen zu können, tönt es nicht selten durchs ganze Haus: „Ruhe, jetzt wird gearbeitet!“

Interessiertes Publikum im Tabaksoeicher (Foto: Back) Interessiertes Publikum im Tabaksoeicher (Foto: Back)

Und wer das alles in Texten „aufgehen“ lässt, ist Hilmar Eichhorn, weithin bekannter und populärer Film- und Theaterschauspieler und Regisseur – aus Dresden stammend. Was wunder, dass bei den Zuhörern mitunter der Eindruck entsteht, Hans Fallada ist an diesem Abend selbst anwesend. Er (Eichhorn) gestikuliert, verstellt seine Stimme, mitunter meint man, Kinderstimmen zu hören. Es ist eine wahre Freude, ihm dabei zuzuschauen, zuzuhören.

Doch Eichhorn ist nicht allein auf der Bühne. Ihm zur Seite steht – oder besser: musiziert – Frank Fröhlich. Er heißt nicht nur so, er ist es auch. Der beliebte Dresdner Gitarrist ist in zahlreichen europäischen Ländern kein Unbekannter. Falladas große Sammlung von Schellackplatten mit Volksmusik, Schlagern und Klassik inspiriert Fröhlich dazu, Fallada quasi zum Klingen zu bringen, ihm ein musikalisches Gesicht zu geben.

Die Gitarre beherrscht er meisterhaft, hat es nicht nur mit den Saiten. Nein. Er klopft, trommelt, streichelt sie. Frank Fröhlich und seine Gitarre – sie sind an diesem Abend eins. Kurz: Eine Konzert-Lesung vom Feinsten! Kein Wunder, dass die zahlreichen Besucher den beiden Akteuren lang anhaltenden Beifall spenden.
Hans-Georg Backhaus
Interessantes im Tabakspeicher (Foto: Backhaus)
Interessantes im Tabakspeicher (Foto: Backhaus)
Interessantes im Tabakspeicher (Foto: Backhaus)
Interessantes im Tabakspeicher (Foto: Backhaus)
Interessiertes Publikum im Tabakspeicher (Foto: Backhaus)
Interessiertes Publikum im Tabakspeicher (Foto: Backhaus)
Interessiertes Publikum im Tabakspeicher (Foto: Backhaus)
Interessiertes Publikum im Tabakspeicher (Foto: Backhaus)
Autor: psg

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Kommentare
grobschmied56
18.11.2023, 01:47 Uhr
Damit bin ich aufgewachsen, mit Fridolin ...
... dem frechen Dachs und den Geschichten aus der Murkelei...
Und auch den bedrückenderen Sachen, wie es ist, wenn man aus dem Blechnapf frißt.
Schön, wenn sich Menschen an Rudolf Ditzen und sein Werk erinnern!
Noch besser, wenn sich ein Publikum für eine Lesung findet.
Leser X
18.11.2023, 09:10 Uhr
Ich empfehle jedem Interessierten...
... der gerade in der Gegend um Templin, Neustrelitz oder Feldberg weilt, Falladas ehemaligen Wohnort Carwitz zu besuchen. Sein damaliges Anwesen ist heute als Museum eingerichtet. Sein Arbeitszimmer wirkt, als sei der Dichter nur mal eben kurz rausgegangen. Man fühlt sich ganz schnell in die Zeit der 30er und 40er Jahre versetzt, erlebt also auch eine Art Zeitreise. Einen ganz besonderen Charme versprüht auch die sanfte und ruhige Seenlandschaft vor Falladas Haustür.
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