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So, 10:02 Uhr
09.12.2001

Theater: Premiere mit Zwischenfall

Nordhausen (nnz). Am Freitag erlebte der „Zigeunerbaron“ seine Premiere im Nordhäuser Theater. Es sollte eine der ganz besonderen Art werden. nnz war dabei.


Leere Stühle Es begann wie immer. Viele Gäste der Premieren im Nordhäuser Theater kennen sich, sind Besitzer des gleichnamigen Abos, man plaudert und plauscht, sieht andere und wird gesehen. Auffallend viele kommunale Politiker waren an diesem Abend im großen Haus allerdings schon zu erblicken. Ob sie wohl wussten, was sie erwartet? Geheimnisvoll ging es auch in der Chefetage des Musentempels zu. Doch Stillschweigen wurde vereinbart. Da wusste nicht einmal ein Fernsehteam, das im Auftrag des MDR anreiste, wird sich das „Besondere“ zu Beginn oder zum Ende der Premiere ereignen. Es ereignete sich nach 25 Minuten „Zigeunerbaron“.

Die jedoch waren schon etwas komisch angelegt, kurz, knapp und rasend schnell ging es durch das Stück. Dann erschien der Verwaltungschef des Hauses mitten in der Handlung auf der Bühne und übergab einem Schauspieler einen „blauen Brief“. So ging es munter weiter, bis weder auf der Bühne noch im Orchestergraben (nnz-Foto) jemand zu finden war. Auf der menschenleeren Bühne stand dann Intendantin Dr. Monika Pirklbauer: „Halt, dies ist euer Part. An euch ist es zu sagen: Halt“ rief sie dem Publikum zu. Das Nordhäuser Theater würde um seine Existenz als einziges Drei-Sparten-Haus in der ganzen Region kämpfen. Seit Monaten mehren sich die Gerüchte, wird geplant und spekuliert. Pirklbauer weiter: „Über 200 Menschen tragen hier zum Gelingen eines Theaterabends bei, die meisten davon bekommen Sie nie zu Gesicht.“ Das sollte an diesem Freitagabend anders werden. In Richtung Premierenpublikum meinte die Intendantin schließlich: „Glauben Sie an uns, kommen Sie zu uns, sagen Sie allen, die Sie kennen, es auch zu tun. Schreiben Sie Briefe, überzeugen Sie Ihre Umgebung, werben Sie für uns in Ihren Gremien und erheben Sie Ihre Stimme, wenn man meint, auf uns verzichten zu können. Laßt das Theater leben, für eine gemeinsame Zukunft, die diesen Namen auch verdient.“

Nach minutenlangem Beifall wurde schließlich zur Premiere zurückgekehrt. Mit dem Zigeunerbaron wurde noch einmal begonnen, diesmal so, wie es sich das die Regie auch ausgedacht hatte. Zweieinhalb Stunden später kamen nicht nur die Akteure des Abends auf die Bühne, sondern nach und nach alle Mitarbeiter des Theaters: Schauspieler und Techniker, Musiker und Sekretärin, Sänger und Ankleider, Assistenten und Intendantin. Ihnen allen galt eine starker und auch zugleich herzlicher Beifall. Ob diejenigen, die da klatschten, denn auch die richtigen Adressaten für den Appell des Freitags waren, das muß sich zeigen.

Das Engagement für den Erhalt aller bisherigen Sparten muß auf breite Füße gestellt werden. Andere Regionen machen es längst vor. Das engagierte Volk muß seine Meinung kundtun, nicht nur die engagierten kommunalen Politiker. Unterschriften müssen gesammelt und übergeben werden. Vielleicht ist es dafür noch nicht zu spät. Fakt ist aber auch: Diese Unterschriften müssen nicht in Nordhausen oder Sondershausen in irgendwelchen Stadt- oder Kreisverwaltungen abgegeben werden, sondern in Erfurt. Und für deren Übergabe sollten sich die Theatermacher und -freunde gleichermaßen etwas ähnliches einfallen lassen, wie an diesem Freitagabend.
Autor: nnz

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