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Di, 08:33 Uhr
13.12.2022
ifo Institut

Inflationsgewinner

Gestiegene Preise für Energie und Vorleistungen allein erklären nicht das Ausmaß der Inflation in Deutschland. Vielmehr scheinen Unternehmen in einigen Wirtschaftszweigen die Preissteigerungen dazu genutzt zu haben, ihre Gewinne auszuweiten, heißt es jetzt aus dem ifo-Institut...

"Das gilt vor allem für den Handel, die Landwirtschaft und den Bau“, sagt Joachim Ragnitz, stellvertretender Leiter der ifo Niederlassung Dresden. Dies legten Daten der amtlichen Statistik zur Wirtschaftsleistung nahe. Daraus hat das ifo Unterschiede zwischen nominaler und preisbereinigter Wertschöpfung ermittelt. So lassen sich Rückschlüsse auf Preisanhebungen ziehen, die nicht durch höhere Vorleistungskosten verursacht wurden. 

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„Nach Corona hatten private Haushalte hohe Ersparnisse angesammelt. Diese wurden im Jahr 2022 aufgelöst und haben die Konsumnachfrage befeuert“, fügt Ragnitz hinzu. „Auch die Entlastungen durch die Regierung dürften dazu beigetragen haben, die Nachfrage zu stützen und damit Spielräume für Preisanhebungen zu erweitern.“

„Insbesondere in der Land- und Forstwirtschaft einschließlich Fischerei sowie im Baugewerbe und in den Branchen Handel, Gastgewerbe und Verkehr haben die Unternehmen ihre Preise deutlich stärker erhöht als es aufgrund der gestiegenen Vorleistungspreise allein zu erwarten gewesen wäre. Einige Unternehmen scheinen den Kostenschub als Vorwand dafür zu nehmen, durch eine Erhöhung ihrer Absatzpreise auch ihre Gewinnsituation zu verbessern“, sagt Ragnitz. 

Landwirtschaftsunternehmen hätten zunächst wohl ihre Vorräte an Dünge- und Futtermitteln aufgebraucht, in ihrer Kalkulation aber die zu erwartenden Preissteigerungen bei Nachbestellungen bereits eingerechnet. Auf dem Bau dürften Ungleichgewichte zwischen Angebot und Nachfrage zu den besonders starken Preiserhöhungen beigetragen haben. Das gelte vor allem für einige Ballungszentren. 

Ragnitz ergänzte, gegen überzogene Preisanhebungen helfe nur mehr Wettbewerb. Verbraucher könnten auch billigere Produkte kaufen und so die Gewinninflation dämpfen.
Es bestehe kein Grund für staatliche Eingriffe in die Preise. Auch eine Übergewinnsteuer sei wegen ihrer verzerrenden Wirkung auf die Knappheitssignale des Marktes weder marktkonform noch sei sie rechtssicher durchzusetzen. Da es keine Anhaltspunkte dafür gebe, dass hinter den Preissteigerungen Absprachen der Unternehmen stehen, seien auch kartellrechtliche Maßnahmen nicht hilfreich. 

Die Bekämpfung der Inflation ist vor allem eine Aufgabe der Europäischen Zentralbank. Die Regierung könne zur Senkung der Inflation beitragen, indem sie auf breit angelegte Entlastungen zugunsten aller Haushalte verzichte und politische Maßnahmen auf besonders arme Haushalte beschränke.

Aufsatz: „Gewinninflation und Inflationsgewinner“ von Joachim Ragnitz; aktualisierte Version vom Dezember 2022; ursprünglich veröffentlicht in: ifo Dresden berichtet, Nr. 5/2022; jetzt hier: https://www.ifo.de/publikationen/2022/monographie-autorenschaft/gewinninflation-und-inflationsgewinner-aktualisierung
Autor: red

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Kommentare
DonaldT
13.12.2022, 10:17 Uhr
Inflationsgewinner
Habeck, Scholz, Lindner sind nicht mit benannt - Inflation bedeutet auch:
Wesntlich höhere Steuereinahmen des Staates (Mehrwertsteuer!).
Aber die "Verantwortlichen" schauen nicht nur zu, sie heizen den Preisanstieg auch noch an.

Wie war das mit dem Amtseid? Zum Wohle des deutschen Volkes?
bleibtmalfeinineurer
13.12.2022, 12:19 Uhr
Aus ökonomischer Sicht,
ist jeder marktlenkende Eingriff immer falsch. Der Preis sorgt auf unregulierten Märkten für die bestimmungsgerechte Verwendung des jeweiligen Gutes. Da wir aber defacto nirgendwo unregulierte Märkte haben, ist die Wirkung des Preises eben auch begrenzt.

In unserer sozialen Marktwirtschaft (nicht gleich losschimpfen- sie ist für manch einen vielleicht nicht sozial genug, aber dennoch weit weg vom reinen marktwirtschaftlichen System - aka Turbokapitalismus) werden viele Preise für Rohstoffe, Vor- aber auch Endprodukte durch Steuern, Zölle oder Subventionen beeinflusst und gesteuert um ein gewünschtes politisches (und oft soziales) Ziel zu erreichen. Auch wird Nachfrage durch die Subvention der Nachfrageseite (Sozialleistungen, Kurzarbeitergeld, Coronahilfen, Inflationshilfen, ...) geschaffen.

Darüber hinaus greift der Staat in den Markt regulatorisch ein: Mietpreisbremse, Gaspreisbremse, Spekulationsfristen, etc. pp.)

Ein Beispiel: ohne Mietspiegel und Mietpreisbremse stiegen die Mieten in Ballungszentren weit stärker als wir es gesehen haben...in der Folge wäre der Anreiz groß gewesen, mehr Mietraum zu schaffen - was ohne die Regulatorik wohl auch so passiert wäre. Mehr Mietraum führt zu sinkenden Mietpreisen, jedoch auch zu mehr Energie- und Flächenverbrauch, was eben regulatorisch beschränkt bzw. mit Auflagen verbunden ist.

Ähnlich ist es bei Energiepreisen: auf einem freien Markt hätten die Energiepreise die Anbieter dazu motiviert zu investieren und auch die letzte kWh zu vergolden - aus Gas- und Kohle- und Atomkraftwerken. Mit der Folge dass zwar die Preise sinken aber das übergeordnete Ziel eines zu erhaltenden Lebensraumes (auch für Kinder und Enkel) wäre auf der Strecke geblieben.

Diese Zielkonflikte sorgen (je nach Denkweise des Agierenden) jeweils für Zustimmung oder Unmut - und münden regelmäßig in einem irgendwie hingebastelten Kompromiss...der weder richtig hilft, noch richtig bremst. Diese Tatsache stärkt dann wieder die Ränder mit ihrer Entweder-Oder-Einstellung und Schuldzuweisungen in Richtung Politik oder Migranten... aber wir können sicher sein - ohne staatliche Eingriffe wäre die Schere noch weiter offen, als sie ohnehin schon ist.
Halssteckenbleib
13.12.2022, 21:43 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Bezug zum Artikel?
grobschmied56
13.12.2022, 22:50 Uhr
Jetzt ist er da, der Preis-Schock! - Gut so! ...
... so kommentierte es Herr Detlef Flintz, TV - Redakteur beim WDR schon 2021. Die Angaben über sein Monatseinkommen gehen auseinander. Je nach Quelle findet man Beträge, die einem durchschnittlichen Rentner für ein halbes oder auch ein ganzes Jahr ausreichen müssen.
Auf solch dickes Rosenbeet gebettet kann man es schon mal 'gut so!' finden, wenn normale Menschen darüber nachdenken müssen, ob sie sich im Wintermantel in der kalten Küche ein Wurstbrot leisten oder bei mäßiger Heizung nur trocken Filinchen knuspern, belegt mit Daumen und Zeigefinger.
Man erinnert sich vielleicht noch - der WDR - das war der ÖR - Sender mit dem hübschen Lied über die Oma, die alte Umweltsau.
Ist wohl kein Zufall, daß Menschen wie Herr Flintz dort ein gutes Einkommen und Auskommen finden. Der Herr Flintz ist übrigens nicht IRGENDWER.
Zitat:
'Flintz ist als Schriftführer im Parteivorstand des Stadtverbandes Grevenbroich der Partei Bündnis 90/Die Grünen aktiv. Nach Kritik an seiner gleichzeitigen Tätigkeit als Journalist und Parteifunktionär im August 2022 gab der WDR im September bekannt, Flintz werde künftig keine Energiethemen mehr kommentieren.'
Zitat Ende.
(Quelle: Münchner Verlagsgruppe, Autorenprofile)
Herr Flintz weiß auch genau, wie man dem Problem der kalten Küche beikommen könnte:
Zitat:
'Flintz wörtlich: „Mehr Windräder und Solarenergie. Solange können wir nicht warten und sollten froh sein, dass wir GEZWUNGEN werden, Konsum und Produktion zu ändern.“
Im Westen nichts Neues... Mehr vom untauglichen Quark 'Erneuerbare Energie' ...
Auf daß die Produzenten von Solarmodulen und Windradkomponenten in China sich nicht nur dumm, sondern dumm und dämlich verdienen.
Oder sollte es dem Herrn Flintz entgangen sein, daß es in Futschland schon seit geraumer Zeit keine nennenswerte Produktion von Solarzellen und Windkraftanlagen mehr gibt?
Dann sollte der WDR möglicherweise mal überdenken, ob der Herr Detlef Flintz das Geld überhaupt noch wert ist, was man ihm dort zahlt.
diddi72
14.12.2022, 07:32 Uhr
Ich helfe gerne
"[...] wenn normale Menschen darüber nachdenken müssen, ob sie sich im Wintermantel in der kalten Küche ein Wurstbrot leisten oder bei mäßiger Heizung nur trocken Filinchen knuspern, belegt mit Daumen und Zeigefinger."

Ich muss gestehen: Bisher habe ich nicht geglaubt, dass es so schlimm werden kann. Wenn das bei Ihnen so ist, kann ich Ihren Groll nun besser verstehen. Sollten Sie sich aus Ihren Problemen nicht selbst befreien können, meine Solidarität ist Ihnen sicher. Bitte melden Sie sich bei mir (gerne über nnz).

Gruß
Diddi
diskobolos
14.12.2022, 10:42 Uhr
Das scheinen ja merkwürdige Ökonomen im IFO-Institut zu sein
Die wundern sich darüber, dass Unternehmen versuchen, ihren Gewinn zu steigern. Ich dachte bisher ganz naiv, das wäre ihr Zweck.

Ist die Hauptaufgabe von Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht mehr die Erhöhung des materiellen und kulturellen Lebensniveaus? Ach so, das war früher. Ältere erinnern sich vielleicht. Aber das wolltet Ihr doch auch nicht, oder?

Ist es wirklich erstaunlich, wenn ein Bauer versucht Weizen und Milch so teuer wie möglich zu verkaufen? Völlig unabhängig davon, dass er noch günstig erworbenen Dünger liegen hat?

Im Übrigen kann ich den Ausführungen von Axel S. zur Rolle des Marktes nur zustimmen
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