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Mo, 17:56 Uhr
06.03.2006

Wind im Landratsamt

Nordhausen (nnz). Im Landkreis Nordhausen wie auch anderswo bereiten sich gegenwärtig Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse auf ihren Realschulabschluss vor. Einige beschäftigten sich mit Wind und mit dem Landratsamt in Nordhausen. Einzelheiten mit einem Klick.

Wind im Landratsamt (Foto: nnz) Wind im Landratsamt (Foto: nnz)

Zur Vorbereitung an das Schulende gehört auch die Übertragung und Realisierung von Projektaufgaben an die Schüler. Meistens finden sich dann mehrere Schüler zusammen, um gemeinsam ein solches Projekt in Angriff zu nehmen. Ein Fachlehrer steht ihnen beratend zur Seite. Doch manchmal reicht dies nicht aus und die Schüler machen sich auf die Suche nach fachmännischer Unterstützung und finden diese mitunter in einer Behörde. Zum Beispiel im Landratsamt Nordhausen.

Eines Tages tauchten drei Schüler – Helmut Delert, Ronny Sawinsky und Andre Steinmann - der 10. Klasse der Staatlichen Regelschule „Gotthold Ephraim Lessing“ in Nordhausen in der Landkreisverwaltung auf, klopften an die Tür des Büros des Landrates und fragten: „Können Sie uns helfen? Wir haben eine Projektaufgabe übertragen bekommen. Unser Thema sind die `Windkraftanlagen im Landkreis Nordhausen. Können Sie uns dabei unterstützen?“

Das Landratsamt konnte. Büroleiter Manfred Thiel, in früheren Jahren als Energetiker im VEB Kaliwerk Bleicherode tätig, nahm sich der drei jungen Leute an und besprach mit ihnen die Schritte zur Realisierung ihres Projektes. Sie zückten Bleistift und Papier, machten sich eifrig Notizen und untergliederten ihre Projektarbeit in sieben Themenschwerpunkte: So zum Beispiel die geschichtliche Entwicklung der Nutzung von Windkraft, Vor- und Nachteile von Windkraftanlagen aus ökologischer und ökonomischer Sicht, Windkraft als alternative Energiequelle sowie Aufbau und Funktionsweise einer Windkraftanlage.

Die Schüler sammelten zunächst reichlich Informationsmaterial, studierten und werteten einschlägige Literatur aus. Ihr Wissen in Sachen Windkraft wuchs stetig. Doch wollten sie es nicht nur bei theoretischen Abhandlungen bewenden lassen. Mal mit einem Betreiber einer solchen „Windmühle“ sprechen und so ein „Ungetüm“ aus der Nähe betrachten dürfen oder gar den Turm einer solchen Anlage betreten – das war der größte Wunsch des Teams. Manfred Thiel konnte dies gut nachvollziehen und setzte sich mit den Verantwortlichen des Windparks in Nentzelsrode in Verbindung. Und die Zusage für ein Interview und eine Besichtigung ließ nicht lange auf sich warten.

An einem eiskalten und zudem noch sehr nebeligen Freitagnachmittag, es war der 6. Januar 2006, starteten die „Expeditionsteilnehmer“ vom Landratsamt in der Behringstraße aus in Richtung Abfallwirtschaftszentrum Nentzelsrode. Dort wurden sie von Kurt Meyer in Empfang genommen. Er ist Miteigentümer einer Windkraftanlage und betreibt diese seit April 2003. Es ist sein „zweites Standbein“, wie er es selbst ausdrückt, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Neben der Anlage in Nentzelsrode betreibt er noch ein weiteres „Windrad“ in Hörningen. Größter Betreiber in Nentzelsrode ist die Enercon Windpark GmbH & Co. KG Nordhausen mit 5 Windrädern.

Die jungen Leute sind ganz Ohr, was Kurt Meyer ihnen zu sagen hat: Bei seiner Anlage handelt es sich um den Typ MD 77. Ganze 85 Meter hoch ist so ein Windrad insgesamt. Der Durchmesser der Rotorblätter umfasst gar 77 Meter. Die Jahresleistung (Jahresproduktion) beträgt rund drei Millionen Kilowattstunden (kWh). Pro kWh erhält Kurt Meyer einen gesetzlich vorgeschriebenen Betrag. Das ist ein guter Verdienst, mutmaßen die drei Jugendlichen. Ihr Gegenüber stimmt dem zu, gibt aber zu bedenken, dass solch eine Windenergieanlage 1,4 Millionen Euro kostet. Da gilt es zunächst, die aufgenommenen Kredite und entsprechende Zinsen an die Banken zurückzuzahlen. Zudem kann ohne Wartungsvertrag ein Windrad nicht betrieben werden. Und so etwas kostet um die 25.000 Euro im Jahr.

Nach den reichlichen Informationen geht es in einem etwa 15minütigen Fußmarsch zur Windkraftanlage. Die Jugendlichen schauen zum Windrad hoch. Die Sicht-Höhe beträgt an diesem Tag gerade mal 15 bis 20 Meter. Dann „verschwindet“ die Anlage im dichten Nebel. Von den Rotorblättern ist gar nichts zu sehen. Im Inneren des Turms erläutert der Betreiber nochmals die Funktionsweise, nennt technische Parameter und beantwortet Fragen der Schüler. Nach einer knappen halben Stunde geht es zurück zum Parkplatz des Abfallwirtschaftszentrums und von dort aus in Richtung Nordhausen.

Im Zuge der Projektrealisierung hatten sich bei den Schülern zwei nicht unwichtige Fragen ergeben: Wer plant eigentlich solche Windparks und wer genehmigt sie? Die richtige Adresse zur Klärung der Fragen war ein Amt der Landkreisverwaltung, das Sachgebiet Hoch- und Tiefbau/Kreisentwicklung. Hier fanden sie Antworten: Die Nutzung der Windenergie ist unter den regenerativen Energien zwar auf Wachstumskurs.



Doch Windräder kann man nicht überall aufstellen. Nur eben da, wo ausreichend Wind garantiert ist. Im Rahmen eines Genehmigungsverfahren wird u.a. geprüft, ob windhöfige Standorte vorhanden sind. Doch reicht das lange nicht aus. Ohne geeignete Netzanbindung oder ausreichende Netzkapazitäten gibt es keine Genehmigung zur Errichtung einer Anlage. Zudem können einem geplanten Windpark auch öffentliche Belange entgegenstehen. Hierzu zählen beispielsweise Belange des Lärmschutzes, der Landschaftspflege oder des Schutzes von Fauna und Flora. Und es muss geprüft werden, ob diese Anlagen mit der Kreis/Landesplanung und der Raumordnung vereinbar sind. Wer Windkraftanlagen baut, beeinträchtigt in jedem Fall die Natur und ist zu so genannten Ausgleichsverfahren verpflichtet. Oft ist auch zu hören, dass die Windparks den Vögeln schaden. Doch das ist nicht so.

Insgesamt gibt es im Landkreis Nordhausen drei Standorte von Windkraftanlagen: in Nentzelsrode (5 WKA), auf dem Stöckerberg bei Hörningen (3 WKA) und auf dem Kampus der Fachhochschule Nordhausen -„August-Kramer-Institut“ - (1 kleine Versuchsanlage zur regenerativen Energiegewinnung).

Doch wer über alternative Energiegewinnung eine Projektarbeit fertigt, sollte sich auch vor Ort – soweit das möglich ist - die Produktion von Windenergieanlagen bzw. Bauteile einer solchen Anlage ansehen. Glücklicherweise gibt es im Landkreis Nordhausen einen solchen Betrieb. Und so besuchten die drei Schüler gemeinsam mit Manfred Thiel am 26. Januar 2006 die NOI Rotortechnik GmbH im Gewerbegebiet Kohnstein in Niedersachswerfen. 80 Mitarbeiter produzieren zurzeit glasfaserverstärkte Rotorblätter für Windräder. Gegenwärtig werden Aufträge aus Nordeuropa und der Volksrepublik China realisiert. Die Schüler erfahren vor Ort, dass dringend Neuentwicklungen an den Rotorblättern nötig sind, damit der Betrieb am Markt bestehen kann.

Am 2. März kamen die Schüler nochmals ins Landratsamt, um ihr Projekt zum Abschluss zu bringen. 24 Seiten Papier umfasst die Dokumentation insgesamt. Und sie wird ergänzt durch ein Video, das die Schüler Im Zusammenhang mit ihrer Aufgabe produziert haben. Am 8. März ist in der Lessing-Regelschule Abgabetermin. Helmut, Ronny und Andre muss es hinsichtlich der Bewertung ihres Projektes nicht Bange sein. Als Dankeschön für die Unterstützung durch die Fachämter wollen sie Landrat Joachim Claus eine Kopie ihrer Arbeit übergeben.
Autor: nnz

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