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Mo, 14:49 Uhr
26.11.2001

Zukünftige Profis und Medaillen-Jäger?

Nordhausen (nnz). Diese Frage werden sich wohl alle gestellt haben, die am Samstag der Turngala in der Nordhäuser Wiedigsburg-Halle beigewohnt haben. Man musste sie mit einem klaren „Ja“ beantworten. In einem zweistündigen Programm zeigten die kleinen und großen Talente, welche Klasse bereits in ihnen steckt. Aus diesem Anlass hat sich nnz-Mitarbeiterin Manuela Jauer einmal etwas näher mit Reck, Pferd und Balken beschäftigt.


Um 15.00 Uhr ging es los: Die Musik spielte an, die Turngruppen liefen ein, stellten sich jeweils mit einer kleinen Eröffnungsrunde am Boden vor und ein Sprecher des TSV Nordhausen begrüßte die anwesenden Gäste: Die Nordhäuser Turngala in der Wiedigsburg-Halle war eröffnet. Bereits zum 21. Mal fand sie statt, doch erst zum zweiten Mal vor solch einem großen Publikum. Neben dem TSV Nordhausen und dem TSV Krimderode waren außerdem sechs Vertreter des SV Halle anwesend ­ insgesamt etwa 70 Sportler und 30 Betreuer, die die interessierten und/oder fachkundigen Gäste mit einem lebendigen Programm durch den Nachmittag führten. Unter ihnen waren auch die Präsidenten des Nordhäuser Turnverbandes, einige Ehrengäste des Turnens, der Vorsitzende des TV Niedersachswerfen, Vertreter des Landratsamtes und des Rathauses sowie der Bürgermeister Klaus Wahlbuhl. Einige dieser Gäste stehen schon seit mehreren Jahren im engen Kontakt mit dem TSV Nordhausen und haben in dieser Zeit gut mit dem Verein zusammen gearbeitet. Drei weibliche Vertreter aus diesem Kreise wurden an diesem Nachmittag besonders geehrt.

Nach dem offiziellen Eröffnungsteil begann das eigentliche Programm, das durch den Einsatz der verschiedensten Geräte und einen sehr abwechslungsreichen Ablauf bestimmt nicht langweilig wurde. Die Turner bewiesen sich am Boden, Barren, Stufenbarren, Balken, Reck Hochreck, am Bock, Kasten und Pferd und auch die Ringe und das Trampolin kamen zum Einsatz. Besondere Hingucker, den man nicht alle Tage zu Gesicht bekommt, waren das Einrad, das Rhönrad und das Kunstrad. Letzteres unterscheidet sich äußerlich kaum von einem gewöhnlichen Tourenrad. Allerdings es ist etwas eleganter gebaut und hat keine Bremse, dafür sind am Hinterrad zwei kleine Stangen angebracht, auf die man sich stellen kann. Es ist also konstruiert, dass man darauf allerlei Kunststückchen vorführen kann, was das Publikum später auch zu sehen bekam.

Zunächst waren aber erst einmal „Die Kleinen Europäer“ an der Reihe. Mit ihrem Alter von vier bis sieben Jahren bildeten sie die jüngsten sportlichen Hoffnungsträger. In ihren T-Shirts, auf denen stets eine andere Flagge zu sehen war, zeigten sie einen ansprechenden Tanz, der dem Publikum viel Freude bereitete und den Zuschauern das ein oder andere Grinsen über das Gesicht trieb. Es folgte eine Ball-Übung von neun jungen Damen, die im Weiteren zu einer Band- und schließlich zu einer Boden-Übung entwickelt wurde. Anschließend hatten die Jungs ihren Auftritt beim Kasten-Springen. Während die Kleinen (ab sechs Jahre) saubere Sprünge auf das Gerät und wieder hinunter zeigten, trauten sich die Älteren (bis 15 Jahre) auch schon eine Rolle und einen Überschlag zu.

Das folgende Programm war in mehrere Geräte-Blöcke unterteilt, bei denen sowohl Einzel- als auch Gruppen-Übungen nacheinander an den verschiedenen Geräten gezeigt wurden. Dazwischen gab es immer wieder fetzige Showeinlagen, die die Kunst des Turnens auf etwas lockere und spaßige Weise zeigten. Als erstes bewiesen sich da wieder die jüngsten der Turner. Zusammen mit einigen Betreuern tanzten sie zu Peter Maffay und fegten zur Musik von Bibi Blocksberg als Hexen verkleidet über die Boden-Matten. Beides wirkte manchmal etwas unbeholfen, eben typisch etwas kindlich. Angesichts des daraus entstehenden Schmunzel-Faktors nahmen die Zuschauer das jedoch gern in Kauf.

Die „Wandergruppe“ aus Krimderode brachte viel Leben in die Halle, als sie, verkleidet als alte Frauen, mutige Sprünge über den Kasten und das Trampolin wagten. Teilweise flogen sie in ihren bunten Kostümen und begleitet von fetziger Musik regelrecht durch die Luft. Es folgten die bereits erwähnten Ein-, Rhön- und Kunstrad-Fahrer, die von einem rot-weiß-glitzernden Funkenmariechen unterstützt wurden. Hinzu kam eine Bodenturn-Gruppe, die zusätzlich mit Keulen und einem Gymnastik-Ball arbeitete.

In den Geräte-Blöcken zeigte sich die Klasse der Teilnehmer, wie sie auch im Wettkampf gefordert wird. Teilweise wurden die vorgeführten Übungen extra für diesen Nachmittag zusammen gestellt, teilweise entstammten sie aber auch Kür-Übungen, die bei Ausscheiden bereits erfolgreich vorgeführt wurden. Die 15 Mädchen der Kinderklasse drei bis vier bewiesen, dass auch sie schon eine ansprechende Synchron-Turnkür zeigen können. Auch am Balken, der fast genauso hoch war, wie sie selbst, ließen sie sich nichts vormachen. Neben mehreren Boden-Übungen der Mädchen und einer Dance-Aerobic-Übung durch drei Vertreterinnen des SV Halle überzeugten auch die Jungen mit Einzel- und Synchron-Vorstellungen.

Bewundernd waren so manche Zuschauer-Blicke bei den Demonstrationen am Barren, Stufenbarren und an den Ringen. Besonders bei den Stützelementen zeigte sich deutlich, welche Kraft und welche Körper-Beherrschung ein Geräte-Turner haben muss. „Es ist sehr wichtig, die richtige Körperspannung zu haben.“ Darauf wies ein Vertreter des TSV Nordhausen, der durch den Nachmittag führte, mehrmals hin. Von ihm lernte man auch solch interessante Begriffe wie Knie- bzw. Hüft-auf- und ab-schwung, gestreckter Salto vor- und rückwärts, Mühle vorwärts, Oberarm-Stand, Spitzwinkel-Stütz, Kreisflanke, fliegende Scheren, Zugstämme und Kreisstütz.

Der Höhepunkt der Vorführungen war wahrscheinlich der Auftritt der Turner des SV Halle. Alle gehören zur deutschen Junioren-Nationalmannschaft, einer startet bereits bei den Herren. Der jüngste unter ihnen zwölf Jahre alt. Die Wurzeln seiner Turner-Karriere sind in Nordhausen verankert. ist er jedoch nach Halle gewechselt. Wie schon zuvor an den Ringen und am Barren, wurden sie zum Abschluss auch am Hochreck höchsten Ansprüchen gerecht. Man spürte die Anspannung im Publikum, als ein Flugelement angekündigt wurde, dass dann auch astrein klappte. Entsprechend groß war der verdiente Applaus.

Zum Abschluss stellten sich alle beteiligten Turner an den verschiedenen Sprunggeräten vor (Doppelbock, Kasten, Pferd und Trampolin). So klang dieser gelungene Sport-Nachmittag nach zwei Stunden rasant aus. Das Publikum verabschiedete sich mit gebührendem Applaus, großer Begeisterung und der Gewissheit, dass diese Sportler ihre Vereine auch in Zukunft würdig vertreten werden. Die Tatsachen, dass ein Großteil von ihnen bereits Turnier-Erfahrung, Urkunden und Medaillen gesammelt hat und manche auf Landes- und Bundesebene erfolgreich starten, sprechen dabei für sich. Wer weiß, vielleicht schauen wir dem ein oder anderen in zehn Jahren tatsächlich vom Bildschirm aus zu?
Manuela Jauer
Autor: nnz

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