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Mi, 09:54 Uhr
01.02.2006

Es wird nicht leicht, aber es wird gehen

Nordhausen (nnz). Es ist nichts Neues. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen sind in Deutschland in den letzten Jahren zusehends schlechter geworden und selbst Optimisten sehen die Entwicklung der Binnenwirtschaft in der nächsten Zeit eher skeptisch. Warum das so ist und woran es nach Auffassung der Unternehmen scheitert und was dies für die Region bedeutet, darüber sprach die nnz mit der Unternehmens- und Personalberatung Beuthel & Scholz.



nnz: Herr Scholz, Sie beraten seit einigen Jahren Unternehmen im mitteldeutschen Raum. Mit welchen Problemen kommen die Unternehmer zu Ihnen?

D. Scholz: Hier in der Region ist es meistens die Liquidität, bzw. dringend benötigtes Kapital für die Umsetzung von Vorhaben, was den Unternehmer veranlasst an uns heranzutreten. Dabei sind es nicht, wie man vermuten könnte, bereits Unternehmen in Schwierigkeiten, sondern häufig die Unternehmen, die den Veränderungen des Marktes standhalten wollen bzw. müssen und durch neue oder ergänzende Produkte und Dienstleistungen der Situation gerecht werden wollen.

nnz: Warum geht der Unternehmer mit diesem Anliegen nicht zur Bank?

D. Scholz: Dies ist der Knackpunkt. Hier hat in den letzten Jahren ein Veränderungsprozess stattgefunden, der der Gesamtsituation nicht unbedingt zuträglich ist.

nnz: Sie meinen die neuen Richtlinien zur Vergabe von Krediten - Stichwort Basel II?

D. Scholz: Genau. Vor einigen Jahren hatten die Banken noch einen großen Spielraum, wenn es um die Realisierung von Kundenkrediten ging. Die Einführung der neuen Kreditrichtlinien, binden mit der Zeit allen Banken die Hände. Viele Unternehmer denken immer noch, es ist böser Wille der Banken. Dem ist aber nicht so! Auch Banken müssen sich bestimmten Prüfkriterien unterziehen und haben Rechenschaft im Rahmen der neuen Vorgaben abzulegen.

nnz: Waren die Unternehmen nicht darauf eingestellt?

D. Scholz: Manche ja und manche nein. Das lag allerdings auch daran, dass die Privatbanken bereits recht früh angefangen haben, die Kriterien in die Praxis umzusetzen und die Problematik an den Kunden herangetragen haben und sich auch von dem einen oder anderen getrennt haben, der nicht mehr in das Raster passte. Hingegen haben die Sparkassen und Volksbanken, auch aus Ihrer regionalen Verantwortung heraus viele Kundenengagements noch getragen, die nach Basel II aber eigentlich nicht mehr tragbar waren. Aber auch hier ist der Zenit bereits schon länger erreicht, sodass jedes neue Kreditgeschäft sehr sorgfältig geprüft wird.

nnz: Mit dem Resultat, dass häufig abgelehnt wird?

D. Scholz: In vielen Fällen ja. Dies war und ist ja auch der Grund, warum die Wirtschaftsministerien der Länder alternative Kredite und Bürgschaften anbieten.

nnz: Sie meinen zum Beispiel das Thüringenkapital?

D. Scholz: Dieses oder auch andere Produkte der Thüringer Aufbaubank. Die Politik hat schon erkannt, dass bei ausbleibender Unterstützung auch innovative Produkte und Dienstleistungen unter den neuen Bedingungen auf der Strecke bleiben können, was dem Land nicht gut tut. Im Endeffekt hängen an jeder Investition Arbeitsplätze.

nnz: Also alternative Finanzierungsmodelle als Chance für die Unternehmen?

D. Scholz: Durchaus. Wir haben für unsere Mandanten gemeinsam mit der Thüringer Aufbaubaubank viel erreichen können, was im Rahmen eines normalen Hausbank-Engagements nicht möglich gewesen wäre. Und dazu sind diese Produkte auch da. Allerdings sind es nur wenige Produkte bei denen es auch ohne das Zutun der Hausbanken geht. Beim Thüringenkapital geht es.

nnz: Wie sehen Sie die weitere Entwicklung der Unternehmen hinsichtlich dieser Problematik?

D. Scholz: Durch die verminderte Kaufkraft werden die Unternehmen, die nicht auf dem Exportsektor arbeiten, weiterhin zu kämpfen haben. Leider werden hierbei immer noch einige aufgeben müssen. Andererseits sind die Unternehmer nicht untätig. Wir konnten feststellen, dass bereits einige Unternehmer Allianzen bilden, um sich gegenseitig zu unterstützen und zwar durch flexible und schnelle Finanzhilfen.

nnz: Wie kann ich das verstehen?

D. Scholz: Zum Glück gibt es immer noch ein paar Unternehmen, denen es recht gut geht. Da diese Unternehmer gemerkt haben, dass es auch im eigenen Interesse sinnvoll ist einen langjährigen Partner zu unterstützen, werden dort vorübergehende und vor allem schnelle Hilfestellungen gegeben. Manchmal sogar zinslos. Das gleiche betrifft größere Investitionen. Hier finden sich immer häufiger solvente Geldgeber für gute Projekte und Investitionen.

nnz: Wie ist diese Entwicklung zu bewerten?

D. Scholz: Man muss abwarten ob sich diese Tendenz durchsetzt. Ich denke aber dass diese Reaktion auf die Bankenpolitik zwangsläufig normal ist. Natürlich wird das nicht das Gro der Unternehmer sein, die auf solche Finanzierungsformen zurückgreifen. Jedoch ist anzunehmen, dass doch einige gute Geschäfte demnächst an den Banken vorbeigehen. Die Unternehmer sind eben von Ihren Konzepten sehr überzeugt und suchen zwangsläufig nach Möglichkeiten, sie umzusetzen. Es ist bei den Unternehmern das Signal angekommen, dass die Geldinstitute scheinbar vorrangig keine Kreditpartner, sondern Anlagepartner sein möchten.

nnz: Hat das was mit dem Vertrauen der Banken gegenüber den Unternehmern zu tun?

D. Scholz: Grundsätzlich ja. Denn die Banken haben in der Vergangenheit durch geplatzte Kreditgeschäfte viele Federn lassen müssen. Leider baden dies jetzt auch gute Firmen mit guten Prognosen aus. Jedoch spielt Basel II wie bereits gesagt die größte Rolle bei der Vergabe von Krediten.

nnz: Wie wird es unter diesen Bedingungen weitergehen mit der Wirtschaft?

D. Scholz: Basel II sind europapolitische Entscheidungen, die die Europäische Union fit für den Weltmarkt machen sollen. Leider mit Nebenwirkungen. Wenn wir in Deutschland den Stand wie er momentan ist halten können, müssen wir sehr zufrieden sein. Allerdings kann das ja nicht befriedigend sein. Aber das Thema ist zu komplex und es spielen zu viele Themen rein, um an dieser Stelle darauf eingehen zu können. Nur so viel: Die Weltwirtschaft befindet sich in einer extremen Umbruchphase. Wir werden die Globalisierung nicht aufhalten können. Es muss nur jeder seinen Platz in diesem neuen System finden.

nnz: Was bedeutet das für unsere Region?

D. Scholz: Wir sollten uns auf uns und alle Ressourcen in der Region konzentrieren und aufhören auf den Messias zu warten, der uns Arbeitsplätze und Wohlstand bringt. Es muss ganz klar erkannt werden, dass eine Ansiedlung neuer Industrie nur einen kleinen Teil der Probleme des hiesigen Arbeitsmarktes abfangen kann. Auch eventuelle Synergieeffekte mit bereits ansässigen Unternehmen werden nicht den durchschlagenden Erfolg bringen. Die Förderung, egal welcher Art, muss in erster an hiesige Unternehmen fließen, damit solide Arbeitsplätze in soliden einheimischen Unternehmen entstehen. Dazu gehört natürlich auch ein gesunder Patriotismus, wenn es um die Vergabe von Aufträgen geht. In anderen Regionen funktioniert es ja auch. Aber das hat wieder was mit Vertrauen zu tun.

nnz: Vertrauen?

D. Scholz: Ja. Ich glaube, dass es generell an Vertrauen in regionale Unternehmen mangelt. Aber wenn wir uns selbst nicht vertrauen, wie sollen es dann andere tun, die wir gern hier haben möchten. Fakt ist, dass wir nicht mehr viel Zeit haben, diese Region einigermaßen zu stabilisieren und das funktioniert nur, wenn wir Vertrauen zueinander haben und vor allem Befindlichkeiten ablegen. Irgendwann werden die Fördermittel weniger und dann sind wir entweder eine Region mit Arbeitsplätzen oder mit Arbeitslosen. Es ist natürlich für jeden wünschenswert, wenn er sein Geld hier verdienen kann.

nnz: Verhaltener Optimismus?

D. Scholz: Ich gebe die Hoffnung nicht auf. Wir haben hier gute Unternehmer und gute Arbeitnehmer, Ideen und Menschen, die sich gern für diese Region engagieren. Aber wir müssen ausschlafen. Das heißt Kompetenzen und Netzwerke bündeln und Interessen zusammenführen. Das heißt auch sich auf Traditionen besinnen, aber nicht in der Vergangenheit leben. Wir brauchen Richtungsweisende Strategien, was aus der Region werden soll. Und dies sollte Partei - übergreifend und frei von Lobbyismus geschehen. Tendenzen sind da!
Autor: nnz

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