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Mi, 09:48 Uhr
20.07.2022
Ein Drittel der Neueinstellungen haben "Verfallsdatum"

Karrierefalle Befristung

 Ein Großteil der Neueinstellungen in Nordthüringen hat ein Verfallsdatum: 1.752 von insgesamt 5087 neu abgeschlossenen Arbeitsverträgen in den Kreisen Kyffhäuser, Nordhausen und Unstrut-Hainich waren im zweiten Quartal des vergangenen Jahres befristet. Das entspricht einer Quote von über 30 Prozent, wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitteilt…

Die NGG-Region Thüringen beruft sich hierbei auf eine aktuelle Auswertung der Hans-Böckler-Stiftung. „Befristete Stellen sind in der Lebensmittelbranche und im Gastgewerbe besonders verbreitet. Und das, obwohl Bäckereien, Metzgereien, Hotels und Restaurants dringend neues Personal suchen. Das gewinnt man aber nicht, indem man wackelige Jobs bietet. Beschäftigte suchen keine Arbeit mit Ablaufdatum, sondern eine langfristige Perspektive“, betont NGG-Geschäftsführer Jens Löbel. Nach Beobachtung der Gewerkschaft werden Befristungen häufig zur „Karrierefalle“ – gerade für Berufsstarter.

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„Die Betroffenen haben größere Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden oder einen Kredit zu bekommen. Manchmal muss wegen unklarer Job-Aussichten sogar der eigene Kinderwunsch hinten angestellt werden“, so Löbel. Jeder Arbeitsvertrag habe eine Probezeit. Diese reiche in der Regel, um sich ein Bild vom Beschäftigten zu machen. Trotzdem argumentierten Wirtinnen oder Bäckermeister häufig damit, sie wollten „auf Nummer sicher gehen“, was die Eignung des Mitarbeiters angehe. „Dass es sich dabei um ein vorgeschobenes Argument handelt, liegt auf der Hand. Befristungen sorgen vielmehr dafür, dass bewährte Fachleute zu anderen Firmen wechseln“, so Löbel. Befristungen brächten für die Betroffenen gleich mehrere Nachteile, so der Gewerkschafter.

Er verweist auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken (Drucksache 20/2418). Danach arbeitet mehr als ein Drittel aller befristet Beschäftigten in Thüringen zu Niedriglöhnen (38 Prozent) – unter allen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern liegt die Quote bei 25,5 Prozent. Für rund 37 Prozent aller Befristungen gibt es laut Bundesregierung in Thüringen keinen „Sachgrund“ wie etwa eine Elternzeitvertretung oder eine Probezeit.

Und junge Beschäftigte sind weit überdurchschnittlich oft auf Zeit angestellt: In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen liegt der Befristungsanteil im Freistaat bei 23,6 Prozent – Auszubildende nicht mitgerechnet. Unter den 25- bis 34-Jährigen hat fast jeder Siebte eine befristete Stelle (13,7 Prozent). Zum Vergleich: Im Schnitt liegt die Befristungsquote landesweit bei 7,5 Prozent.
Autor: red

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Kommentare
Leser X
20.07.2022, 10:23 Uhr
Ihrer Chancen beraubt
Dahinter stecken deutschlandweit Millionen von Menschen, die ihrer Zukunft beraubt werden.

Ein planbares Leben, wie es im meiner Generation noch überwiegend üblich war, ist so schlicht nicht möglich. Die Leute müssen tingeln gehen und sich im Laufe ihres Erwerbslebens von einem Ausbeuter-Job zum nächsten hangeln. Immer mit dem Damokles-Schwert einer Armutsrente über ihrem Kopf.

Wenn dann noch ein Krieg tobt, der genau diese Menschen noch ärmer macht, ist das Glück perfekt...
Flitzpiepe
20.07.2022, 11:00 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Anm. d. Red.: Gehört nicht zum Thema
Flitzpiepe
20.07.2022, 13:37 Uhr
Nochmal die Frage
Was ist eine Karriefalle?
Herr Taft
20.07.2022, 16:00 Uhr
Der Beitrag wurde gespeichert und die Freigabe beantragt.
DDR-Facharbeiter
20.07.2022, 20:22 Uhr
Alle Neueinstellungen haben Verfallsdatum, nicht nur ein Drittel ,auch in der DDR oder der BRD
Alle Neueinstellungen haben Verfallsdatum, nicht nur ein Drittel. Wer sowas behauptet, hat weder in der DDR noch in der BRD für seinen Lebens-Unterhalt arbeiten müssen. Auch Beamten-Anwärter haben einen befristeten Antrag mit Probezeit. Auch gelernte Bank-Kaufleute wie der Designer des bedingungslosen Grundeinkommens, der Politiker Karsten Schneider oder der Bankkaufmann Spahn müssten in ihrer theoretischen Ausbildung gelernt haben, dass der Anstellungsvertrag nur verlängert wird, wenn der Anfänger mehr bringt, als er mit Nebenkosten kostet. Schon Karl Marx hat vom Mehrwert gesprochen, den der Arbeitnehmer dem Unternehmer liefern muss. Wird zu wenig oder unbrauchbarer Mehrwert geliefert, wird die Bude zugemacht und alle, auch der Unternehmer, stehen auf der Straße. Bis zum Alter von 50 wurde einem leitenden Angestellten in der deutschen Chemie-Branche der Arbeitsvertrag nur um ein Jahr verlängert. Immer wieder mussten "unproduktive" Arbeitnehmer ihr Bündel packen, auch wenn einen Doktortitel oder einen Nationalpreis hatten. Nicht die Teilzeit-Faulenzer bringen die Menschheit voran. Voran bringen sie die Beharrlichen, die was gelernt haben und was zustande bringen. Sie müssen ja auch die Kranken und Leistungs-Schwachen mitschleppen.
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