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Mo, 14:19 Uhr
04.07.2022
Umdenken in der familienrechtlichen Begutachtung:

Festanstellung als Rettungsanker für Sachver­ständige

Anfeindungen durch Anwälte und Medien sind für immer mehr Sachverständige im Familienrecht traurige Realität. Das ist das Ergebnis einer jüngst in der NZFam veröffentlichten Studie*, die sich intensiv mit dem von vielen Experten wahrgenommenen Trend befasst hat...

Trotz immer besserer Qualifizierung der Sachverständigen scheint auch die Kritik an ihrer Arbeit ständig zuzunehmen. Die öffentlichen Anfeindungen führen nicht nur zu Stress, sie werden auch als mangelnde Anerkennung der eigenen Arbeit wahrgenommen und führen zu großer Unzufriedenheit. In der Konsequenz kommt es laut der Studie insbesondere bei Berufsanfängern nicht selten dazu, dass Sachverständige trotz guter Ausbildung nicht lange in ihrem Beruf bleiben. Auch die finanzielle Gratifikation könne laut Studie keinen Ausgleich schaffen, zumal einige Anwälte selbst diese zunehmend hinterfragen.

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Der aktuelle Mangel an Sachverständigen im Familienrecht ist vor diesen Hintergründen kaum überraschend, doch in einigen gerichtlichen Fragestellungen ist die Hinzuziehung eines solchen zwingend erforderlich. Die ohnehin oft langwierigen Verfahren könnten sich dadurch noch weiter verzögern. Insbesondere in Verfahren, in denen es um Kindeswohlgefährdung geht, könnten aus diesen Verzögerungen unter Umständen weitere Gefahren für die betroffenen Kinder entstehen.

Weil Sachverständige im Familienrecht als Freiberufler viele Belastungen selbst schultern müssen, fordern die Autoren mehr externe Unterstützung durch den Berufsverband. Die freiberufliche Tätigkeit des Sachverständigen ist allerdings keine Notwendigkeit, auch wenn sie bis heute den Regelfall darstellt. Diplom-Psychologin Katrin Gossow, Leiterin des Instituts für Familien- und Rechtspsychologie des TÜV Thüringen, sieht die aktuelle Situation daher auch als Chance für mehr Festanstellungen in der Branche. Für ihre Unabhängigkeit bekannte Unternehmen wie der TÜV Thüringen können mit einer Festanstellung Sicherheit und Stabilität bieten, ohne dass die Neutralität der Sachverständigen in Frage steht. Sowohl die fachliche Einarbeitung als auch die professionelle Supervision und Intervision sind dabei garantiert. Durch die Einarbeitung erhalten die Psychologen zudem ohne zusätzlichen finanziellen Aufwand fundierte Kenntnisse zur Sachverständigentätigkeit. Damit entfällt ein weiterer abschreckender Faktor auf dem Weg in den Beruf, denn Freiberufler müssen die hohen Kosten und den Zeitaufwand zum Erlangen ihrer Qualifikationen selbst aufbringen.

Im Verkehrsrecht wurde bereits über Jahrzehnte gute Erfahrung mit der Erstellung von Gutachten im Angestelltenverhältnis gesammelt. Es ist daher aus Sicht von Katrin Gossow denkbar, dass der zunehmende Mangel an Sachverständigen im Familienrecht zukünftig nur durch entsprechende Unternehmensstrukturen aufgefangen werden kann. Das Angestellten-Verhältnis ist dabei viel mehr als eine Notlösung, denn es bietet sowohl den Gerichten und Betroffenen als auch den Sachverständigen viele Vorteile und Chancen.
Autor: red

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