Sa, 13:19 Uhr
21.01.2006
Christlicher Egoismus
Nordhausen (nnz). Christlich und Egoist, paßt das zusammen? Ja, meint Bischof Axel Noack, denn auch der Gläubige ist nur ein Mensch. Wann christlicher Egoismus Sinn macht, wurde heute im St. Jakob-Haus diskutiert.
Christlicher Egoismus (Foto: nnz)
Man muß nicht an Gott glauben, um die Infrastruktur der Kirchen mitzunutzen. Kindergarten und Grundschule werden von vielen Nordhäusern geschätzt, die Kirchgebäude als Kulturstätten, als Kulisse für klassische Konzerte gern genutzt. Ohne Egoismus ist das alles nicht zu erhalten, meinte Bischof Axel Noack im Rahmen der heutigen Konferenz zum Strukturwandel in der evangelischen Kirche. Immer weniger Menschen gehören den christlichen Religionen an. Dennoch sind in den vergangenen Jahren viele Kirchen renoviert worden. Vor allem im ländlichen Raum wollen die Leute ihre Dorfkirche behalten. Sie ist ein Stück Tradition und Kulturgut.
Einfach ist dieser Strukturwandel nicht. 40 Jahre DDR ohne Kirchensteuer wirken aber nach. Bischof Axel Noack ist froh über die damals gemachten Erfahrungen. Man habe gelernt mit wenig klarzukommen. Nur 17 % der Einnahmen der Kirchenprovinz Sachsen stammen aus der an die Lohnsteuer gekoppelte Abgabe. Dazu kommen 12 % als Hilfssteuer aus den westdeutschen Bundesländern. Wenn die Steuern sinken, weil immer weniger Menschen gut entlohnte Arbeit haben zum Beispiel, dann macht das in den Gemeinden wenig aus. Ein großer Teil kommt aus der Kollekte, dem Klingelbeutel, der während des Gottesdienstes rumgeht. Ein weiterer Teil wird mit dem Gemeindebeitrag erwirtschaftet. Einmal jährlich kommt ein Brief mit Zahlkarte und erinnert an den Mitgliedsbeitrag. Die Summe darf jeder nach eigenen Gegebenheiten festlegen.
Wenn Leute Geld einsammeln, dann sollen sie es auch selbst ausgeben dürfen. Meint der Bischof. Alles andere wäre zwar wunderbar solidarisch und christlich, aber kaum einem Menschen begreiflich zu machen. In den 1970er Jahren sind viele Versuche gescheitert, gespendete Gelder unter allen Kirchengemeinden aufzuteilen. Plötzlich gaben die Mitglieder nichts mehr, oder nur noch Sachspenden zur Renovierung des Gemeindesaals. Die Kirchenprovinz hat daraus gelernt.
Ein heißes Thema ist die ehrenamtliche Arbeit. Solange die Ehrenamtler den Pfarrer unterstützen, sind sie gerne gesehen. Wollen sie aber Dinge tun, die der Pfarrer macht, predigen zum Beispiel, ist es damit vorbei. berichtet Noack. Er weiß aber, daß die Kirche diese Laienprediger braucht, wenn sie die Gläubigen weiterhin flächendeckend versorgen will. Verschiedene Modelle, wo Leute aus den Dörfern mit Autos in ein anderes Dorf zur Predigt gefahren wurden, sind schon Anfang der 1990er gescheitert. In den Gottesdienst geht man, da fährt man nicht hin. So haben ältere Einwohner abgelehnt. Ist ja auch nicht ihre Kirche in dem anderen Nest.
Auch das mit dem Egoismus ist so eine Sache. Als unchristlich verteufeln soll man den nicht, meint der Bischof. Sehr produktiv sind solche Gruppen, die eine Schule gründen wollen oder ihre Kirche sanieren. Initiativen kann man nur unterstützen, aber nicht machen. Wir müssen die Begeisterung der Leute für ihre Sache fördern. So Noack. Solidarität und Ausgleich kann die Landeskirche dann immer noch schaffen.
Autor: wf
Christlicher Egoismus (Foto: nnz)
Man muß nicht an Gott glauben, um die Infrastruktur der Kirchen mitzunutzen. Kindergarten und Grundschule werden von vielen Nordhäusern geschätzt, die Kirchgebäude als Kulturstätten, als Kulisse für klassische Konzerte gern genutzt. Ohne Egoismus ist das alles nicht zu erhalten, meinte Bischof Axel Noack im Rahmen der heutigen Konferenz zum Strukturwandel in der evangelischen Kirche. Immer weniger Menschen gehören den christlichen Religionen an. Dennoch sind in den vergangenen Jahren viele Kirchen renoviert worden. Vor allem im ländlichen Raum wollen die Leute ihre Dorfkirche behalten. Sie ist ein Stück Tradition und Kulturgut.
Einfach ist dieser Strukturwandel nicht. 40 Jahre DDR ohne Kirchensteuer wirken aber nach. Bischof Axel Noack ist froh über die damals gemachten Erfahrungen. Man habe gelernt mit wenig klarzukommen. Nur 17 % der Einnahmen der Kirchenprovinz Sachsen stammen aus der an die Lohnsteuer gekoppelte Abgabe. Dazu kommen 12 % als Hilfssteuer aus den westdeutschen Bundesländern. Wenn die Steuern sinken, weil immer weniger Menschen gut entlohnte Arbeit haben zum Beispiel, dann macht das in den Gemeinden wenig aus. Ein großer Teil kommt aus der Kollekte, dem Klingelbeutel, der während des Gottesdienstes rumgeht. Ein weiterer Teil wird mit dem Gemeindebeitrag erwirtschaftet. Einmal jährlich kommt ein Brief mit Zahlkarte und erinnert an den Mitgliedsbeitrag. Die Summe darf jeder nach eigenen Gegebenheiten festlegen.
Wenn Leute Geld einsammeln, dann sollen sie es auch selbst ausgeben dürfen. Meint der Bischof. Alles andere wäre zwar wunderbar solidarisch und christlich, aber kaum einem Menschen begreiflich zu machen. In den 1970er Jahren sind viele Versuche gescheitert, gespendete Gelder unter allen Kirchengemeinden aufzuteilen. Plötzlich gaben die Mitglieder nichts mehr, oder nur noch Sachspenden zur Renovierung des Gemeindesaals. Die Kirchenprovinz hat daraus gelernt.
Ein heißes Thema ist die ehrenamtliche Arbeit. Solange die Ehrenamtler den Pfarrer unterstützen, sind sie gerne gesehen. Wollen sie aber Dinge tun, die der Pfarrer macht, predigen zum Beispiel, ist es damit vorbei. berichtet Noack. Er weiß aber, daß die Kirche diese Laienprediger braucht, wenn sie die Gläubigen weiterhin flächendeckend versorgen will. Verschiedene Modelle, wo Leute aus den Dörfern mit Autos in ein anderes Dorf zur Predigt gefahren wurden, sind schon Anfang der 1990er gescheitert. In den Gottesdienst geht man, da fährt man nicht hin. So haben ältere Einwohner abgelehnt. Ist ja auch nicht ihre Kirche in dem anderen Nest.
Auch das mit dem Egoismus ist so eine Sache. Als unchristlich verteufeln soll man den nicht, meint der Bischof. Sehr produktiv sind solche Gruppen, die eine Schule gründen wollen oder ihre Kirche sanieren. Initiativen kann man nur unterstützen, aber nicht machen. Wir müssen die Begeisterung der Leute für ihre Sache fördern. So Noack. Solidarität und Ausgleich kann die Landeskirche dann immer noch schaffen.

