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Do, 10:58 Uhr
16.06.2022
Zurück am alten Platz

Als Hohnstein in Nordhausen einfiel

Ein altes und imposantes Ölgemälde soll an seinen angestammten Platz zurück. "Die siegreiche Abwehr eines Einfalles der Hohnsteiner Grafen am Barfüßer Tor durch die Bürger am 14. 4. 1329" ist im Moment in der Flohburg zu sehen, gehört aber eigentlich in das Alte Rathaus, erläutert Kunsthistorikerin Heidelore Kneffel...

„Die siegreiche Abwehr eines Einfalles der Hohnsteiner Grafen am Barfüßer Tor durch die Bürger am 14. 4. 1329“ ist ein eindrucksvolles Tafelbild im Querformat (1,58 m x 1, 98 m) und wurde in den Jahren 1952/53 als Auftragsbild für das Alte Rathaus gemalt und ruft nach Rückkehr an seinen dortigen angestammten Platz im Treppenhaus. Zur Zeit hängt das Gemälde in der kleinen Bohlenstube im stadtgeschichtlichen Museum Flohburg und kann seine Wirkungskraft wegen der geringen Zimmergröße in keiner Weise entfalten. Dort konnte man mir keine Auskunft über den Grund des Umhängens des Ölbildes geben, das eigens für das „auferstandene“ Alte Rathaus geschaffen worden war. Das war seit dem 1. September 1952 nach der Bombardierung 1945 durch britische Bomber auferstanden aus seinem Ruinendasein und so für die Bürger wieder zugänglich. Das Richtfest hatte man am 23. November 1951 feierlich begangen. In dem Halbrund des Bogens der Eingangstür im Osten steht mit edler Metallschrift vermerkt: Erbaut 1609 Wiederaufbau 1952 nach der Zerstörung 1945.

Das Ölgemälde hängt wieder im Alten Rathaus (Foto: Heidelore Kneffel) Das Ölgemälde hängt wieder im Alten Rathaus (Foto: Heidelore Kneffel)


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Zur Historie des repräsentativen Gemäldes gibt es zu vermelden, dass man sich bereits am 10. September 1952, also wenige Tage nach der Wiedereröffnung des für Nordhausen so wichtigen Gebäudes, im Kreisbauamt der Stadt zu einer Sitzung traf, auf der auch der Verband bildender Künstler Weimars anwesend war. Dort wurde beschlossen, dass auch für das Rathaus „Kunst am Bau“ geschaffen werden solle. Denn Malereien hatten das historische Gebäude auch vor seiner Zerstörung geschmückt. Für die Summe von 4300 DM wurde ein anspruchsvolles historisches Gemälde in Auftrag gegeben, das dann im großzügig angelegten Treppenhaus Ende 1953 seinen Platz erhielt. Der Maler und Grafiker Otto Paetz (1914-2006), der in Weimar sein Atelier betrieb, wurde damit beauftragt. Das Thema, das er darstellen sollte, hatte in der Geschichte der Stadt Nordhausen eine wichtige Bedeutung und steht im Nordhäuser Bürgerbuch aus den Jahren 1312 1345 auf Pergament verzeichnet. Dieses ist bis zum 14. August 2022 im Museum Flohburg im großen Ausstellungsraum zu besichtigen, ausgeliehen aus dem Stadtarchiv.

„Am 14.4.1329 fiel für unsere Stadt der Bürgermeister Helwig von Harzungen mit drei Bürgern im siegreichen Straßenkampf gegen äußere Feinde und verräterische Bürger , so ein weiterer Hinweis auf einer Metalltafel an der Stadtmauer unterhalb der Gaststätte „Felix“. Die Nordhäuser stellten sich den Eindringlingen mutig und einfallsreich entgegen, so die Überlieferung.

Auf dieses Ereignis weist ebenfalls eine ältere auffällige Steintafel im Hochformat auf der Nordseite des Alten Rathauses hin. Die prachtvoll gestalteten lateinischen Schriftzeichen kann jeder Vorbeigehende seit kurzem in deutscher Übertragung lesen, denn der Denkmalbeirat Nordhausens ließ eine solche Tafel anbringen. So wurde das Thema des Gemäldes von Otto Paetz auch unmittelbar am historischen Gebäude gefunden, für das es bestimmt wurde. Während des Schaffensprozesses war der Künstler in der Stadt und skizzierte für sich den Schauplatz des Geschehens in der Sicht von 1953. Das Tor gab es schon länger nicht mehr, aber auf historischen Abbildungen konnte er es erblicken.

Der anerkannte Architekt Friedrich Stabe erhielt den Auftrag, beim Kunstmaler in seinem Weimarer Atelier vorbeizusehen, um eventuelle Fragen oder Unklarheiten vor der endgültigen bildmäßigen Festlegung zu klären. Seinen Brief darüber vom 8. 4. 1953 kann im Nordhäuser Stadtarchiv gelesen werden. Er berichtet den Nordhäuser Auftraggebern, dass er bei Paetz z. B. mehrere kleine Farbskizzen in Postkartengröße vorgefunden habe und einige größere Vorentwürfe. Zur Besuchszeit habe er auch einen Karton im Maßstab 1:1 vorgefunden.

Eine Kommission des Verbandes bildender Künstler habe den jetzt vorliegenden als besten ausgewählt. Nun würde die Übertragung auf die Leinwand vorgenommen und die Malerei in Ölfarben ausgeführt. Man besprach insbesondere die architektonischen Besonderheiten Nordhausens. Paetz hatte sich auch eingehend in Archiven mit der Trachtenkunde des Mittelalters beschäftigt. Fraglich war für ihn, ob die Kämpfenden Feldzeichen bzw. Wappen getragen hätten. Das würde ihm der Archivar R. H. Müller schriftlich beantworten, so versprach es Stabe.

Das Gemälde ist unten links signiert mit O. Paetz ohne Jahreszahl, der Rahmen an der rechten Seite im unteren Teil leicht beschädigt. Da es nun einmal abgehängt worden ist, sollte man diesen Schaden beheben und sich entschließen, das historische Gemälde zu reinigen.

Dafür bot ich dem Oberbürgermeister schriftlich eine Unterstützung von 300 an. Eine größere Beschriftung wäre im Interesse der Rathausbesucher günstig. Außerdem sollte die Stadt hin und wieder eine Führung zu den im Alten Rathaus gezeigten Gemälden anbieten.
Heidelore Kneffel
Autor: red

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